Die Zahlungsmoral in Österreich hat sich weiter verschlechtert. Nur noch 80 Prozent der Rechnungen werden innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels beglichen. Im Vorjahr waren es 83 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei Firmenkunden: Ihre durchschnittliche Zahlungsdauer erhöhte sich gegenüber 2025 um vier auf 29 Tage. Das geht aus dem aktuellen Austrian Business Check des KSV1870 hervor.

Inografik zur Zahlungsmoral.
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Parallel dazu beurteilen die österreichischen Unternehmen ihre wirtschaftliche Situation zunehmend kritisch. Im August 2026 bezeichneten lediglich 42 Prozent der befragten Betriebe ihre Geschäftslage als „sehr gut“ oder „gut“. Das sind fünf Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor und laut KSV1870 der niedrigste Wert seit 2020. Damals war die Einschätzung im ersten Jahr der Corona-Pandemie noch schlechter.

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Geschäftslage erreicht Tiefstand seit 2020

Besonders angespannt ist die Situation im Handel: Dort bewerten 35 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage positiv. In der Industrie sind es 40 Prozent, im Dienstleistungssektor 44 Prozent und im Gewerbe 46 Prozent. Auf Bundesländerebene weist Vorarlberg mit 55 Prozent den höchsten Anteil an Betrieben mit positiver Geschäftslage auf, Kärnten mit 35 Prozent den niedrigsten.

Auch die Umsatzentwicklung bleibt verhalten. 23 Prozent der Unternehmen berichten von rückläufigen Umsätzen, weitere 49 Prozent von einer gleichbleibenden Entwicklung. Lediglich 28 Prozent konnten zuletzt ein Umsatzplus verzeichnen. Als einen Faktor nennt die Erhebung das veränderte Konsumverhalten: 51 Prozent der Betriebe geben an, dass Privatpersonen heute weniger Geld ausgeben als noch vor drei Jahren.

Für das Gesamtjahr 2026 erwarten 55 Prozent der Unternehmen einen Gewinn. 28 Prozent rechnen mit einer „schwarzen Null“, neun Prozent mit einem Verlust. Bei weiteren acht Prozent ist der Jahresausgang noch offen. Zum Vergleich: 2021 hatten noch 63 Prozent der befragten Unternehmen das Geschäftsjahr mit Gewinn abgeschlossen.

„Gelingt es einem Unternehmen nur knapp, schwarze Zahlen zu schreiben, ist das ein Alarmzeichen. Denn in diesen Fällen könnte sich bei weiteren Preiserhöhungen, Umsatzverlusten oder gröberen Zahlungsausfällen rasch die Existenzfrage stellen“, sagt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding in Wien.

Firmenkunden brauchen vier Tage länger

Die angespannte wirtschaftliche Situation spiegelt sich auch im Zahlungsverhalten wider. Während 2021 noch 84 Prozent der Befragten von einer verbesserten beziehungsweise unverändert guten Zahlungsmoral berichteten, sind es aktuell 73 Prozent. Insgesamt wird jede fünfte Rechnung nicht innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels beglichen.

„Dass bereits jede fünfte Rechnung nicht fristgerecht bezahlt wird, ist Ausdruck der finanziellen Schwierigkeiten der vergangenen Jahre. Zahlungsziele werden zunehmend ausgereizt und immer häufiger überschritten“, sagt Walter Koch, Geschäftsführer beim KSV1870 Forderungsmanagement in Wien. Vor allem in höheren Preissegmenten komme es laut Koch zudem häufiger zu Totalausfällen als noch vor einigen Jahren.

Bei Firmenkunden werden 77 Prozent der Rechnungen pünktlich bezahlt. Die durchschnittliche Zahlungsdauer erhöhte sich binnen eines Jahres um vier auf 29 Tage und liegt damit laut KSV1870 auf dem höchsten Niveau seit 2019.

Bei der öffentlichen Hand werden 78 Prozent der Rechnungen fristgerecht beglichen. Der Bund benötigt im Durchschnitt unverändert 36 Tage, die Länder 32 Tage und die Gemeinden 27 Tage. Länder und Gemeinden brauchen damit jeweils einen Tag länger als 2025. Als häufigsten Grund für verspätete Zahlungen der öffentlichen Hand nennen 65 Prozent der Befragten Ineffizienzen in der Verwaltung.

Privatpersonen zahlen schneller

Entgegen dem allgemeinen Trend hat sich das Zahlungsverhalten von Privatkundinnen und Privatkunden verbessert. 86 Prozent ihrer Rechnungen werden pünktlich bezahlt. Im Durchschnitt begleichen Privatpersonen offene Forderungen nach 13 Tagen und damit zwei Tage schneller als im Vorjahr. Ihr durchschnittliches Zahlungsziel liegt bei zwölf Tagen.

Für 2027 bleiben die Erwartungen dennoch gedämpft. 53 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer unverändert guten oder verbesserten Zahlungsmoral. 31 Prozent erwarten hingegen eine Verschlechterung. Besonders pessimistisch sind laut Erhebung Betriebe aus Gastronomie und Beherbergung sowie aus Verkehr und Lagerei.