Der Begriff „Technologieoffenheit“ hat in der österreichischen Klima- und Mobilitätsdebatte in den vergangenen Jahren deutlich an Präsenz gewonnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Diskursanalyse des Kontext Instituts. Untersucht wurden laut Institut Pressemeldungen aus der OTS-Datenbank sowie Medienartikel aus der Wiso-Datenbank seit den 1990er-Jahren.
Erste Nennungen in Österreich verzeichnet die Analyse ab 2001, zunächst ohne Bezug zur Klimapolitik. Ab 2017 fand der Begriff laut Kontext erstmals Eingang in ein österreichisches Regierungsprogramm. Einen deutlichen Anstieg registriert das Institut ab 2021: Während „Technologieoffenheit“ 2020 in sieben untersuchten OTS-Meldungen vorkam, waren es 2025 bereits 118 Nennungen.
Begriff vor allem in Mobilitätsdebatte präsent
Nach Auswertung des Kontext Instituts wird „Technologieoffenheit“ heute insbesondere von Interessenvertretungen wie der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), der Industriellenvereinigung (IV) und der eFuel Alliance sowie von ÖVP und FPÖ verwendet. Inhaltlich stehe dabei vor allem die Mobilitätsdebatte im Vordergrund. Die Einordnung, wonach der Begriff zur Verzögerung klimapolitischer Maßnahmen eingesetzt werde, ist eine Schlussfolgerung des Instituts.

„‚Technologieoffenheit‘ liefert positive Versprechen: Wettbewerbsfähigkeit, Leistbarkeit, Freiheit. Einige wenige haben den Begriff aber instrumentalisiert, um Verbrenner-Autos entgegen dem technischen Fortschritt und der globalen Marktentwicklungen am Leben zu halten“, sagt Tina Deutsch, Vorständin des Kontext Instituts. Nach ihrer Einschätzung habe diese Debatte auch zum Rückstand der europäischen Autoindustrie bei Elektroautos beigetragen.
Diese Kausalität ist allerdings nicht Gegenstand eines Nachweises zur wirtschaftlichen Entwicklung der europäischen Autoindustrie, sondern Teil der Interpretation der Diskursanalyse. Die aktuelle Lage der Branche wird von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, darunter Absatzentwicklung, Kosten, Wettbewerb, Regulierung und der technologische Wandel.
EU diskutiert neue Spielräume ab 2035
Auch die europäischen CO2-Vorgaben für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge spielen in der Debatte eine zentrale Rolle. Die derzeit geltende EU-Verordnung sieht für Neufahrzeuge ab 2035 weiterhin eine Reduktion der CO2-Flottenemissionen um 100 Prozent vor. Die Europäische Kommission hat allerdings im Dezember 2025 eine Änderung vorgeschlagen. Demnach soll das Ziel ab 2035 auf eine Reduktion der Auspuffemissionen um 90 Prozent angepasst werden; die verbleibenden Emissionen könnten unter bestimmten Voraussetzungen kompensiert werden. Damit könnten auch Plug-in-Hybride, Range Extender und Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nach 2035 eine Rolle spielen. Über den Vorschlag wird auf EU-Ebene noch beraten.
Damit ist die Aussage, die EU sei bereits vom „Ende der Autoabgase 2035“ abgerückt, zu relativieren: Die geltende Regelung schreibt weiterhin das 100-Prozent-Reduktionsziel vor. Die Kommission schlägt eine Lockerung vor, die jedoch noch das Gesetzgebungsverfahren durchläuft.
Institut fordert „Technologieklarheit“
Das Kontext Institut sieht in der Verwendung von „Technologieoffenheit“ ein Beispiel für sogenannte Verschleppungsstrategien. Dabei würden positiv besetzte Begriffe mit Argumenten zu Wettbewerbsfähigkeit, Kosten oder individueller Freiheit verbunden und anschließend in politischen und institutionellen Debatten verankert. Das Institut beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit solchen Mustern im österreichischen Klimadiskurs.
Als Alternative schlägt Kontext den Begriff „Technologieklarheit“ vor. Technologieoffenheit habe laut Deutsch vor allem in frühen Forschungsphasen ihre Berechtigung, wenn noch nicht feststehe, welche Technologie sich für einen bestimmten Einsatzzweck am besten eigne. Für den Individualverkehr sieht das Institut dagegen klare Vorteile batterieelektrischer Fahrzeuge gegenüber E-Fuels.
„Für die Zukunft des Individualverkehrs ist diese Frage beantwortet: E-Autos sind deutlich effizienter als E-Fuels und günstiger im Betrieb, weniger reparaturbedürftig und künftig auch als Stromspeicher nutzbar“, sagt Tina Deutsch, Vorständin des Kontext Instituts. Aus Sicht des Instituts brauche es deshalb in der politischen Diskussion stärker eine Einordnung unterschiedlicher Technologien nach Effizienz, Kosten und Einsatzgebiet.
