Ayvens in Österreich ist Teil der Ayvens Gruppe. Mit mehr als 13.000 Mitarbeitern in 41 Ländern, 3,1 Millionen verwalteten Fahrzeugen und der weltweit größten Mehrmarken-Elektrofahrzeugflotte ist Ayvens ein weltweit führender Anbieter nachhaltiger Mobilität.

Die Wirtschaft: Durch die Verschmelzung von zwei führenden Anbietern nachhaltiger Mobilität ist mit Ayvens ein wahrer Global Player entstanden. Was waren die Gründe und Ziele der Fusion, welche Synergien konnten realisiert werden und wie haben sich Dienstleistungsportfolio, Bereiche und Zielgruppen verändert?

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Lorenz Loidl: Der Zusammenschluss hatte ein klares Ziel: mehr Schlagkraft, mehr Größe und mehr Tempo bei Digitalisierung und E-Mobilität. Für Österreich ist das vor allem deshalb wichtig, da Unternehmen heute einen Partner brauchen, der Finanzierung, Fuhrparkservice und Beratung aus einer Hand liefern kann. Was man heute sieht: Ayvens ist breiter aufgestellt denn je. Neben klassischem Full-Service-Leasing geht es noch stärker um Fuhrparkmanagement, flexible Modelle, E-Mobilitäts-Beratung und digitale Services.

Welche Veränderungen und Trends sehen Sie beim Portfolio und Geschäftsmodell?

Das Geschäftsmodell verschiebt sich von der reinen Fahrzeugfinanzierung hin zu einem daten- und servicegetriebenen Mobilitätsmodell. Kunden erwarten heute eine Kombination aus Finanzierung, Fuhrparksteuerung, Fahrerservices, digitalem Reporting, Remarketing, Beratung zu E-Mobilität und zunehmend auch flexiblen Vertragsmodellen. Unternehmen wollen vor allem planbare Kosten und wenig administrativen Aufwand. Genau deshalb sind Full-Service-Modelle und gutes Fuhrparkmanagement so gefragt. Ein weiterer Trend: Profitabilität vor Volumen. Der Markt steuert heute bewusster nach Rendite, Asset-Risiko und Restwertqualität. Das bedeutet weniger blindes Wachstum, dafür mehr TCO-Logik, höhere Restwertdisziplin und maßgeschneidertere Mobilitätslösungen.

Wie entwickelt sich der Flotten- und Mobilitätsmarkt in Europa und Österreich? Haben sich die Investitionsentscheidungen der Unternehmen verändert?

Europaweit sieht man eine Stabilisierung des Marktes, aber mit deutlicher Verschiebung nach Antriebsarten. Unternehmen investieren weiter, aber selektiver – nicht mehr primär nach Listenpreis, sondern nach Gesamtbetriebskosten (TCO), steuerlichen Rahmenbedingungen und Nutzungsprofilen. Österreich ist hier ein guter Gradmesser: Unternehmen investieren weiterhin in Mobilität, aber viel genauer als bisher. Das macht sich auch im Markt bemerkbar. 2025 wurden in Österreich 284.978 Pkw neu zugelassen, das waren 12,3 Prozent mehr als 2024. Gleichzeitig haben alternative Antriebe stark zugelegt; rein elektrische Pkw kamen auf 60.651 Neuzulassungen und 21,3 Prozent Marktanteil. Für viele Firmen ist Leasing dabei der einfache Weg, da die Kosten planbar bleiben und das Unternehmen liquiditätsfreundlich arbeiten kann. Dazu passt auch, dass die Leasingquote für betrieblich genutzte Fahrzeuge in Österreich 2025 bei 67,4 Prozent lag.

Welche Entwicklungen sehen Sie im Fuhrparkmanagement durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz?

KI wird das Fuhrparkmanagement vor allem operativ und analytisch verändern: bei Prognosen zu Wartung und Ausfällen, bei der Erkennung von Schaden- und Risikomustern, in der Kostenoptimierung, im Reporting und in der besseren Steuerung von Fahrer- und Fahrzeugdaten. Praktisch heißt das: weniger Reibung im Tagesgeschäft, schnellere Entscheidungen und präzisere Steuerung über TCO, Verfügbarkeit und CO₂. Gleichzeitig gilt: KI ist nicht nur ein Effizienzthema, sondern auch ein Governance-Thema. Wer KI sinnvoll nutzen will, braucht belastbare Daten, nachvollziehbare Prozesse, hohe Cybersecurity-Standards und menschliche Aufsicht in entscheidenden Punkten.

Welche digitalen Services erwarten Kunden künftig?

Kundinnen und Kunden im Firmenbereich wollen vor allem einfache Abläufe. Sie erwarten, dass Bestellung, Status, Rechnungen, Schadenmeldung und Service so digital wie möglich funktionieren. Kurz gesagt: weniger E-Mails, weniger Papier, mehr Selbstservice und schnelle Antworten. Für Österreich heißt das auch: Digitale Services müssen nicht fancy sein – sie müssen im Alltag funktionieren und Zeit sparen.

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Elektromobilität in Europa und welche regionalen Unterschiede beobachten Sie?

Die Nachfrage nach Elektromobilität wächst in Europa weiter, aber nicht gleichmäßig. Nord- und Westeuropa liegen bei EV-Reife, Ladeinfrastruktur und steuerlichen Anreizen klar vorne, während Süd- und Osteuropa langsamer aufholen. In Österreich ist das Thema aber klar im Markt angekommen. Ladeinfrastruktur, steuerliche Vorteile und bessere Modell-Auswahl helfen dabei. Ayvens stuft Österreich im neuen Mobility Guide 2026 als einen der führenden E-Mobilitätsmärkte in Europa ein. Das passt auch zu den Zulassungszahlen und zur Realität in vielen Firmenfuhrparks, bei Dienstwagen und Firmenflotten wird E-Mobilität immer mehr von einer Ausnahme zu einer normalen und vor allem wirtschaftlichen Entscheidung.

Welche Rolle spielen Leasinggesellschaften bei der Elektrifizierung von Unternehmensflotten?

Leasinggesellschaften sind in der Elektrifizierung ein wichtiger Beschleuniger, da sie Finanzierung, Technologie- und TCO-Kompetenz sowie das Management von Restwert- und Prozessrisiken zusammenbringen. Unternehmen wollen heute nicht nur ein E-Fahrzeug bestellen, sondern verstehen, welches Modell zum Einsatzzweck passt, wie die Ladeinfrastruktur aussieht und wie sich Steuern und Förderungen auswirken. Die Rolle der Leasinggesellschaft ist deshalb zunehmend beratend und integrierend: Sie macht aus technischer und regulatorischer Komplexität eine kalkulierbare Monatsrate und eine belastbare Mobilitätsentscheidung.

Welche Auswirkungen haben chinesische Automarken auf die europäische Autoindustrie und das Leasinggeschäft? Wie hoch ist ihre Akzeptanz im Flottengeschäft?

Chinesische Marken erhöhen den Wettbewerbsdruck auf die europäische Industrie spürbar – vor allem über Preis, Entwicklungsgeschwindigkeit und starke Positionen bei elektrischen Antrieben. Für das Leasinggeschäft ist das spannend, aber man muss genau hinsehen. Entscheidend ist nicht nur der Kaufpreis, sondern vor allem auch Service, Teileversorgung, Restwert und die Frage, wie gut das Fahrzeug im Flottenalltag funktioniert. Für Firmenkunden zählt am Ende vor allem, ob das Auto verlässlich und wirtschaftlich ist.

Welche Auswirkungen werden autonomes Fahren und die weitere Entwicklung der Mobilität in Europa auf das Flottengeschäft haben?

Autonomes Fahren wird das Flottengeschäft schrittweise verändern, nicht abrupt. Kurz- bis mittelfristig sind für Fuhrparks vor allem zusätzliche Assistenzsysteme, neue Sicherheitsstandards, mehr Sensorik, Software-Updates, Cybersecurity und Datenmanagement relevant. Das bedeutet für Fuhrparks: Fahrzeuge werden technischer, Updates wichtiger und Prozesse rund um Service und Sicherheit komplexer. Der große Umbruch kommt also nicht über Nacht – aber die Richtung ist klar.

Lorenz Loidl von Ayvens
Lorenz Loidl, Commercial Director Ayvens Austria © Ayvens

Unternehmen investieren weiterhin in Mobilität, rechnen aber genauer als früher.