Wer schon länger im Internet unterwegs ist, erinnert sich vermutlich noch an die Zeit, als Suchmaschinen voller kopierter Inhalte, künstlich erzeugter Landingpages und gekaufter Backlinks waren. Websites wurden nicht für Menschen gebaut, sondern ausschließlich für Suchmaschinen. Für seriöse Unternehmen war das ein erheblicher Nachteil, weil sie mit unzähligen manipulativen Projekten konkurrieren mussten.

Google hat über viele Jahre enorme Ressourcen investiert, um genau diese Probleme in den Griff zu bekommen. Mit Systemen wie Panda, RankBrain und später Spambrain wurden minderwertige Inhalte, künstlich aufgebaute Linknetzwerke und zahlreiche Manipulationsversuche zuverlässig erkannt. Im Kern waren das bereits KI-Systeme, lange bevor der Begriff durch ChatGPT und andere Sprachmodelle populär wurde. Während Openai erst gegründet wurde, setzte Google Machine-Learning-Verfahren bereits produktiv ein.

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Das Ergebnis sehen wir heute in der Praxis. Ein Installateur aus Wien oder ein Dachdecker aus Salzburg konkurriert bei Google in der Regel nicht mehr mit Hunderten dubiosen Websites, sondern mit wenigen ernsthaften Mitbewerbern. Genau deshalb funktioniert die klassische Google-Suche trotz Milliarden indexierter Seiten nach wie vor erstaunlich gut.

KI beginnt bei der Auswahl wieder deutlich früher

Bei aktuellen KI-Systemen beobachte ich jedoch eine andere Entwicklung. Ob ChatGPT, Perplexity oder Googles AI Overviews: Alle müssen riesige Informationsmengen verarbeiten und daraus innerhalb kürzester Zeit Unternehmen auswählen, die in einer Antwort erscheinen sollen.

Viele der aufwendig entwickelten Qualitätsfilter, die Google über Jahre aufgebaut hat, scheinen dabei bislang nur eingeschränkt zum Tragen zu kommen. Dadurch werden teilweise wieder Websites sichtbar, die in der klassischen Google-Suche längst stark an Bedeutung verloren haben. Dazu gehören beispielsweise Seiten mit Hunderten nahezu identischen Landingpages, aggressiv optimierte SEO-Projekte, künstlich aufgebaute Sichtbarkeit oder gekaufte Backlinks. Methoden also, die Google mit enormem technischem Aufwand über viele Jahre immer besser in den Griff bekommen hat.

Das eigentliche Problem ist Sichtbarkeit

Viele Unternehmen glauben heute, dass die beste Website automatisch auch von KI-Systemen empfohlen wird. Genau das halte ich für das größte Missverständnis. Bevor eine KI überhaupt bewerten kann, welches Unternehmen die beste Leistung bietet, muss sie dieses Unternehmen zunächst wahrnehmen. Erst danach beginnt überhaupt ein Qualitätsvergleich. Dadurch verändert sich auch der Wettbewerb. Während ein Handwerksbetrieb bei Google häufig mit wenigen direkten Mitbewerbern konkurriert, können es in KI-Systemen plötzlich deutlich mehr sein. Wer durch aggressive Suchmaschinenoptimierung oder eine größere digitale Präsenz früher in die Auswahl gelangt, wird möglicherweise berücksichtigt, obwohl seine Leistung objektiv nicht besser ist.

Das bedeutet nicht, dass Qualität unwichtig wird. Im Gegenteil: Qualität bleibt entscheidend. Sie hilft jedoch erst dann, wenn ein Unternehmen überhaupt Teil der Auswahl ist. Sichtbarkeit wird damit zur Voraussetzung für jede weitere Bewertung. Ein weiterer Aspekt wird dabei häufig unterschätzt. KI verarbeitet nicht eine Website, sondern Millionen. Jede eingesparte Sekunde reduziert Rechenleistung, Energieverbrauch und Kosten. Solange Rechenzentren wirtschaftlich arbeiten müssen, wird Effizienz eine immer größere Rolle spielen. Genau deshalb gehe ich davon aus, dass technische Faktoren wie Ladegeschwindigkeit und eine schlanke Webseitenstruktur künftig noch stärker an Bedeutung gewinnen werden als bisher.

Geschwindigkeit wird zum Wettbewerbsfaktor

Bisher reichte es vielen Unternehmen, überhaupt eine Website zu besitzen. Selbst einfache Webvisitenkarten wurden von Google zuverlässig gefunden und in den Suchergebnissen angezeigt. Eine langsame Website kostete zwar Besuchende, weil niemand zehn Sekunden auf den Seitenaufbau warten möchte, grundsätzlich blieb das Unternehmen jedoch sichtbar. Bei KI-Systemen verändert sich dieses Prinzip grundlegend. Wer heute beispielsweise nach einem Architekturbüro in Wien fragt, erhält keine Trefferliste mit mehreren Seiten, sondern eine kleine Auswahl. Wer darin nicht erscheint, existiert für Nutzende praktisch nicht. Die Chance, später doch noch entdeckt zu werden, weil jemand weitere Suchergebnisse durchsieht, entfällt weitgehend.

Deshalb gewinnt die technische Qualität einer Website erheblich an Bedeutung. Nicht, weil ein schneller Internetauftritt automatisch das bessere Unternehmen repräsentiert, sondern weil Geschwindigkeit für die Betreiber großer KI-Systeme ein wirtschaftlicher Faktor ist. Jede Website, die schneller gelesen, verarbeitet und eingeordnet werden kann, spart Rechenleistung, Energie und damit Kosten. Eine detaillierte Qualitätsbewertung, wie Google sie über viele Jahre mit seinen komplexen Filtersystemen aufgebaut hat, wäre für jede einzelne Anfrage derzeit kaum wirtschaftlich darstellbar.

Hinzu kommt ein weiterer Vorteil, den Google bis heute besitzt: enorme Mengen realer Nutzungsdaten. Die Suchmaschine erkennt seit Jahren, ob Suchende nach einem Klick schnell wieder zu den Suchergebnissen zurückkehren, ob sie ihre Suche verändern oder ob sie offenbar gefunden haben, wonach sie gesucht haben. Darüber hinaus fließen anonymisierte Nutzungsdaten aus dem Chrome-Browser und den Core Web Vitals in die Bewertung von Websites ein. Diese Informationen helfen Google dabei, Suchergebnisse kontinuierlich zu verbessern. Aktuelle KI-Systeme verfügen über vergleichbare Datengrundlagen bislang nicht oder nutzen sie zumindest nicht in derselben Tiefe.

Deshalb überrascht es auch nicht, dass sich die Ergebnisse klassischer Google-Suchen und KI-Antworten teilweise deutlich unterscheiden. Selbst Google scheint die aufwendig entwickelten Bewertungssysteme bislang nicht vollständig in Gemini oder die AI Overviews integriert zu haben.

Weniger Technik, mehr Inhalt

Viele moderne Websites bestehen heute aus großen Mengen Javascript, verschachteltem HTML und zahlreichen Animationen. Das sieht eindrucksvoll aus, erzeugt technisch jedoch erheblichen Ballast. Für Besuchende ist das meist kaum sichtbar. Für Suchmaschinen und KI-Systeme dagegen schon. Je mehr unnötiger Code verarbeitet werden muss, desto länger dauert es, bis die eigentlichen Inhalte erreicht werden. Deshalb werden technisch schlanke Websites künftig noch stärker profitieren als bisher. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Effekte einzubauen, sondern Informationen schnell und eindeutig bereitzustellen. Aus meiner Sicht werden deshalb einige Grundprinzipien wichtiger denn je: klare Überschriften, saubere HTML-Strukturen, möglichst wenig unnötiger Code und Inhalte, die direkt erkennbar machen, wer ein Unternehmen ist, was es anbietet und in welcher Region es tätig ist.

Gerade für Handwerksbetriebe ist das entscheidend. Eine KI sollte nicht erst interpretieren müssen, ob ein Unternehmen Heizungsbauer in Linz oder Installateur in Graz ist. Solche Informationen gehören gut sichtbar in den eigentlichen Inhalt der Website und nicht ausschließlich ins Impressum oder in den Footer. Je eindeutiger diese Angaben formuliert sind, desto leichter können KI-Systeme das Unternehmen den passenden Anfragen zuordnen.

Vertrauen wird zum entscheidenden Signal

Neben der Technik gewinnt Vertrauen weiter an Bedeutung. Das gilt nicht nur für potenzielle Kundschaft, sondern zunehmend auch für KI-Systeme. Referenzen, Qualifikationen, echte Bewertungen, Ansprechpersonen, vollständige Kontaktdaten und transparente Unternehmensinformationen tragen dazu bei, ein glaubwürdiges Gesamtbild zu erzeugen. Ebenso wichtig bleiben Backlinks. Ergänzend werden aus meiner Sicht jedoch seriöse Erwähnungen in Branchenverzeichnissen, Innungen, Verbänden, Fachmedien oder bei Partnerunternehmen zunehmend an Gewicht gewinnen. Je häufiger ein Unternehmen in einem vertrauenswürdigen Umfeld auftaucht, desto einfacher entsteht ein konsistentes Bild seiner Kompetenz.

SEO verschwindet nicht

Früher reichte es häufig aus, eine technisch saubere Website zu betreiben und die klassischen Regeln der Suchmaschinenoptimierung einzuhalten. Heute muss eine Website deutlich mehr leisten. Sie muss schnell sein, technisch sauber aufgebaut sein, klare Informationen liefern und einer KI innerhalb kürzester Zeit vermitteln, wer das Unternehmen ist, was es anbietet und warum es für eine Empfehlung infrage kommt.

Wer heute ausschließlich für Google optimiert, richtet den Blick auf die Vergangenheit. Wer morgen gefunden werden möchte, muss Websites entwickeln, die sowohl Menschen als auch KI-Systeme unmittelbar verstehen können. Genau darin wird sich in den kommenden Jahren entscheiden, welche Unternehmen online sichtbar bleiben und welche trotz hervorragender Arbeit kaum noch wahrgenommen werden.

Damit verändert sich auch der Blick auf Marketingbudgets. Früher genügte es häufig, nicht auf Platz eins zu stehen. Viele Interessierte arbeiteten sich durch mehrere Suchergebnisseiten und fanden trotzdem den passenden Anbieter. Diese zweite Chance verschwindet zunehmend. Wer in einer KI-Auswahl nicht erscheint, wird häufig gar nicht mehr wahrgenommen.

Gerade kleinere Unternehmen sollten deshalb nüchtern prüfen, wo ihr Budget den größten Nutzen erzielt. In manchen Fällen wird eine technisch hochwertige Website die richtige Investition sein. In anderen Fällen kann eine Präsenz in etablierten Fachmedien oder Printpublikationen derzeit eine deutlich verlässlichere Sichtbarkeit schaffen. Nicht, weil Websites an Bedeutung verlieren, sondern weil Sichtbarkeit im KI-Zeitalter zunehmend zu einem Alles-oder-nichts-Prinzip wird.

Sieben Dinge, die Handwerksbetriebe über SEO wissen müssen

  1. Vertrauen zählt auch für Maschinen. Echte Bewertungen, Backlinks, Erwähnungen in Branchenverzeichnissen, Verbänden und Fachmedien stärken das digitale Gesamtbild eines Unternehmens und erleichtern KI-Systemen die Einordnung.
  2. SEO ist nicht tot. Die Anforderungen steigen. Suchmaschinenoptimierung bleibt die Grundvoraussetzung dafür, dass KI-Systeme ein Unternehmen überhaupt in Betracht ziehen.
  3. Sichtbarkeit kommt vor Qualität. Bevor eine KI bewertet, wer der beste Anbieter ist, muss sie ein Unternehmen erst wahrnehmen. Wer nicht in der Auswahl erscheint, wird nie empfohlen, egal wie gut die Leistung ist.
  4. KI-Systeme filtern anders als Google. Die aufwendigen Qualitätsfilter, die Google über Jahre entwickelt hat, kommen in aktuellen KI-Systemen bislang nur eingeschränkt zum Einsatz. Aggressive SEO-Methoden, die Google längst abgewertet hat, können dort vorübergehend wieder wirken.
  5. Geschwindigkeit ist kein Nice-to-have mehr. KI-Crawler sind ungeduldig. Wer nicht binnen weniger Sekunden antwortet, wird übersprungen. Eine langsame Website ist im KI-Zeitalter eine unsichtbare Website.
  6. Schlanker Code schlägt aufwendiges Design. Javascript-lastige Baukastensysteme und verschachteltes HTML sind für KI-Systeme schwer zu verarbeiten. Klare Strukturen, sauberer Code und eindeutige Inhalte auf der Startseite sind entscheidender als visuelle Effekte.
  7. Standort und Leistung gehören in den sichtbaren Inhalt. Eine KI sollte nicht erst im Impressum oder Footer suchen müssen, was ein Unternehmen anbietet und wo es tätig ist. Diese Informationen gehören prominent auf die Startseite.

Über den Autor

Daniel Wom
© Privat

Daniel Wom ist Senior Full-Stack-Developer sowie SEO- und Performance-Spezialist mit über 18 Jahren Berufserfahrung. Sein Portfolio erstreckt sich auf über 500 Projekte, die von kleinen KMU bis hin zu internationalen Medienplattformen und Konzernen reichen. In seiner täglichen Praxis verbindet er saubere technische Architekturen mit den modernen Anforderungen von Suchmaschinen und KI-Systemen, um maximale Ladegeschwindigkeit und Sichtbarkeit zu garantieren.