Es beginnt meist mit einer E-Mail oder einem Anruf. Ein „GEO-Experte“ hat Ihr Unternehmen „analysiert“ und schickt ein aufwendiges PDF: rote Balken, einen Score von 34 von 100, eine Liste dringender Maßnahmen. Das Fazit: Ihre Website sei „nicht KI-ready“, ChatGPT werde Sie deshalb übersehen. Die Lösung gibt es im Paket ab nächster Woche.
Generative Engine Optimization – kurz GEO – ist der Versuch, in den Antworten von ChatGPT, Copilot oder den KI-Übersichten von Google vorzukommen. Ein reales, wichtiges Thema. Doch rund um dieses Thema ist eine Branche entstanden, die mehr Verunsicherung verkauft als Substanz.
Das Muster hinter den Audits
Viele dieser Analysen entstehen in Minuten. Ein Skript liest Ihre Startseite, ein Sprachmodell formuliert die Bewertung, eine Vorlage gießt sie in Form. Das Ergebnis liest sich alarmierend und klingt kompetent. Nur: Fast alle Empfehlungen betreffen genau eine Sache – Ihre eigene Website. FAQ-Abschnitte ergänzen, Schema-Markup einbauen, Überschriften umstellen, Texte „KI-konform“ umschreiben. Das ist nicht falsch. Es ist nur der kleinste Hebel.
Wie eine KI ihre Empfehlung tatsächlich baut
Ein Sprachmodell rankt keine Website. Es synthetisiert eine Antwort aus vielen Quellen – und es misstraut dem, was ein Unternehmen über sich selbst behauptet. Wer auf der eigenen Seite schreibt, er sei „führend“, liefert der KI kein überprüfbares Signal. Überzeugend wird eine Aussage erst, wenn Dritte sie bestätigen: Fachmedien, Vergleichsportale, Foren, Branchenverzeichnisse.
Die Daten sind hier eindeutiger, als der Markt zugibt. Eine Ahrefs-Auswertung über 75.000 Marken zeigt: Wie oft eine Marke im Web erwähnt wird, korreliert deutlich stärker mit ihrer Präsenz in KI-Antworten als klassische Backlinks. Eine Muck-Rack-Analyse führt den Großteil aller KI-Zitationen auf redaktionelle Medien zurück – nicht auf Unternehmensseiten. Und die Überschneidung zwischen Googles Top zehn und den von KI-Systemen zitierten Quellen ist auf rund ein Zehntel gefallen.
Kurz: Den größten Einfluss darauf, ob die KI Sie nennt, haben Orte außerhalb Ihrer Website. Genau diese Orte tauchen im typischen Audit nicht auf.
Das Paradox
Das ist der Kern des Problems. Der Standard-Audit prüft penibel ausgerechnet die Fläche mit dem geringsten Einfluss – die eigene Domain – und ignoriert die Quellen, aus denen die KI ihre Antwort wirklich zieht. Ein Unternehmen erhält einen roten Score, arbeitet die Checkliste ab, ändert Schema und FAQs und wundert sich Monate später, dass sich in ChatGPT nichts bewegt. Weil sich an der einzigen relevanten Stelle nichts geändert hat: an dem, was andere über das Unternehmen sagen.
Dazu kommt ein zweites, unbequemes Detail. KI-Antworten schwanken. Dieselbe Frage liefert an verschiedenen Tagen unterschiedliche Quellen. Ein Score aus einer einzigen Abfrage ist keine Messung, sondern eine Momentaufnahme, die als Wissenschaft verkauft wird.
Woran Sie einen seriösen Audit erkennen
Sie müssen kein Techniker sein, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Drei Fragen genügen.
Erstens: Schaut die Analyse über Ihre Website hinaus? Ein brauchbares Audit zeigt, welche externen Quellen – Medien, Portale, Foren, Wettbewerber – die KI bei Ihren Themen tatsächlich zitiert. Wer nur Ihre Startseite bewertet, darf das „Website-Check“ nennen, nicht „KI-Sichtbarkeits-Analyse“.
Zweitens: Zeigt er echte KI-Antworten? Verlangen Sie die konkreten Fragen, die getestet wurden, und die Antworten samt zitierter Quellen – mit Datum. Ohne diese Rohdaten ist ein Score nicht überprüfbar.
Drittens: Trennt er Beobachtung von Behauptung? „Ihre FAQ-Struktur ist dünn“ ist eine Beobachtung. „Deshalb empfiehlt ChatGPT Sie nicht“ ist eine Vermutung, die man belegen muss – nicht bloß behaupten.
Die drei Warnzeichen unseriöser Anbieter
Auch ohne Technikwissen können Sie die Guten von den Schlechten trennen. Achten Sie auf drei Warnzeichen.
Garantien: Wer verspricht, Sie „in ChatGPT nach vorne“ zu bringen, verkauft eine Sicherheit, die es nicht gibt. Kein externer Dienstleister hat Zugriff auf die internen Systeme von OpenAI, Microsoft oder Google – niemand kann eine Platzierung garantieren.
Tempo: Ein vollständiger Bericht, der in fünf Minuten per Klick entsteht, wurde nicht recherchiert, sondern automatisch generiert. Eine ehrliche Analyse braucht den Blick auf echte KI-Antworten und externe Quellen – und das kostet Zeit.
Angst statt Nachweis: Seriöse Anbieter sprechen über Belege, Quellen und die Grenzen ihrer Aussagen. Unseriöse über rote Balken, Dringlichkeit und ein sofort verfügbares Paket.
Und der ehrlichste Test kostet nichts: Stellen Sie ChatGPT, Copilot und der Google-KI die Kauffragen Ihrer Kund*innen – und sehen Sie nach, wer genannt wird. Wenn es Ihr Wettbewerber ist, liegt die Antwort selten auf seiner Website. Sondern überall dort, wo über ihn gesprochen wird.
Der Autor

Manuel Schmöllerl leitet die HeyFinders Search Agentur und berät B2B-Unternehmen im DACH-Raum zu ihrer KI-Sichtbarkeit. Seine tägliche Arbeit verbindet SEO, GEO und Digital PR zu einem System. Basis dafür: über 25 Jahre Praxis im Suchmaschinenmarketing sowie das von ihm entwickelte Finders-System zur strategischen Positionierung in klassischer und KI-gestützter Suche.