Die Wirtschaft: Wie bewerten Sie aktuell die Lage der europäischen Automobilindustrie – ist sie in einer strukturellen Krise oder in einer Transformationsphase?

Martin Jahn: Škoda hat sich im ersten Quartal sehr positiv entwickelt. Wir sind weltweit um 14 Prozent gewachsen, in Europa sogar um 17 Prozent. Gleichzeitig sind wir in Europa auf Platz zwei vorgerückt. Auch bei Profitabilität und Kundenzufriedenheit stehen wir sehr gut da. Generell befindet sich die europäische Automobilindustrie aber aus meiner Sicht weniger in einer Krise als vielmehr in einer schwierigen Transformationsphase. Die Branche steht unter großem Druck – durch hohe Kosten, den Umstieg auf Elektromobilität, intensiven Wettbewerb aus China und eine schwächere Nachfrage. Dazu kommen geopolitische Entwicklungen wie der Iran-Krieg, die wiederum die Energie- und Treibstoffpreise beeinflussen. Škoda befindet sich hingegen derzeit in einer sehr guten Position. Wir haben sowohl bei Verbrennern als auch bei Elektroautos ein attraktives Produktportfolio. Unsere Marke entwickelt sich positiv und auch unsere Händler sind profitabel.

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Hat Škoda damit einiges besser gemacht als andere Hersteller, die sich möglicherweise zu stark auf Elektromobilität konzentriert haben?

Für uns war es wichtig, ein balanciertes Portfolio zu haben, das die Kundenwünsche erfüllt: von effizienten Verbrennern, über verschiedene Hybride bis hin zu reinen Elektromodellen. Unsere beiden Elektromodelle Elroq und Enyaq zählen europaweit zu den Top-5-Modellen, in Österreich sogar zu den Top 3. Der Enyaq ist zudem das meistverkaufte Fahrzeug im Flottensegment. Unser drittes E-Modell, der Epiq hatte am 19. Mai Weltpremiere. Und auch bei diesem Modell sind wir zuversichtlich, dass es unsere Kunden überzeugen wird und wird damit unsere Position auf dem Elektroautomarkt weiter ausbauen können.

Wie sehen Sie das geplante Verbrenner-Aus ab 2035? Ist das eher Bedrohung oder Chance?

Wir sehen aktuell, dass die Transformation langsamer verläuft als ursprünglich erwartet. Die automobile Zukunft ist elektrisch. Klar ist aber auch, dass der Umstieg länger dauern wird und wir als Hersteller mehr Flexibilität brauchen. Es gibt derzeit noch große Unterschiede zwischen den Märkten. In Skandinavien oder den Niederlanden steigt die Nachfrage nach Elektroautos stark, in Zentral- und Südeuropa – etwa in Italien oder Spanien – geht die Entwicklung deutlich langsamer voran. Das liegt an Themen wie u.a. öffentlicher Ladeinfrastruktur und Strompreisen. Wir wollen unseren Kunden den Einstieg in die Elektromobilität erleichtern. Deswegen bieten wir unsere Elektromodelle Elroq und Epiq zum gleichen Preis an wie die vergleichbaren Verbrennermodelle.

Welche Rolle spielen Plug-in-Hybride dabei?

Plug-in-Hybride sind definitiv eine Übergangstechnologie. Wie lange diese Übergangsphase dauern wird, hängt stark von der Entwicklung der Batterietechnologie ab – also von Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Kosten. Gleichzeitig spielen bei Plug-in-Hybriden die CO2-Werte eine entscheidende Rolle. Gerade im Flottenbereich hängen steuerliche Vorteile stark von den offiziellen Emissionswerten ab. Diese Faktoren beeinflussen die Kaufentscheidungen der Unternehmen massiv.

Die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern – insbesondere bei Batterien – wird häufig kritisch gesehen. Wie bewerten Sie diese Situation?

Wir bauen in Europa schrittweise Know-how und Kompetenz auf. Der Volkswagen-Konzern investiert deshalb stark in die eigene Batterieproduktion. Und  Škoda verfügt mittlerweile im Konzern über die größte Batteriesystemmontage für Elektroautos. Damit tragen wir dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken.

Hersteller aus China drängen mit hohem Tempo auf den europäischen Markt. Wo sehen Sie deren größte Stärken?

Wir haben großen Respekt vor den chinesischen Marken und beobachten deren Entwicklung sehr genau.
Unsere Antwort auf den Wettbewerb lautet: gute Produkte, hohe Qualität und starker Kundenservice. Der gelebte „Human Touch“-Ansatz spielt für uns eine große Rolle. Unsere Händler sorgen dafür, dass Kunden sowohl beim Kauf als auch im Service ein positives Erlebnis haben. Genau das ist ein wesentlicher Unterschied.