Die aktuelle Frühjahrsumfrage von Creditreform unter rund 1.400 mittelständischen Unternehmen in Österreich weist für das Geschäftsklimabarometer einen Wert von minus 3,8 Punkten aus. Damit liegt der Index weiterhin im negativen Bereich, hat sich jedoch von den Tiefständen der vergangenen Jahre etwas erholt.

„Die österreichische Wirtschaft befindet sich in einer Phase der fragilen Stabilisierung. Zwar sind erste Erholungszeichen erkennbar, doch dominiert weiterhin die Unsicherheit – insbesondere aufgrund des Nahostkonflikts und steigender Energiepreise. Die erhoffte konjunkturelle Trendwende lässt weiter auf sich warten“, sagt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer beim Österreichischen Verband Creditreform in Wien.

Mehr Auftragsrückgänge als Zuwächse

Die Auftragslage bleibt angespannt. 35,4 Prozent der befragten Unternehmen meldeten sinkende Auftragsbestände, während nur 13,9 Prozent Zuwächse verzeichneten. Auch bei den Umsätzen überwiegt die negative Entwicklung: 36,1 Prozent berichteten von Rückgängen, lediglich 14,9 Prozent konnten steigende Erlöse erzielen.

Für die kommenden Monate erwarten 21,3 Prozent der Unternehmen sinkende Auftragseingänge. Nur 17,3 Prozent rechnen mit einer Verbesserung. Positive Erwartungen zeigen sich vor allem im Dienstleistungsbereich, während das Bauwesen besonders pessimistisch bleibt.

„Im heurigen Jahr dürften die Auswirkungen des Nahostkonflikts das Wirtschaftswachstum dämpfen und die Geschäftserwartungen im Mittelstand bleiben verhalten. Zwar haben sie sich im Vergleich zum Vorjahr etwas aufgehellt, insgesamt überwiegt jedoch weiterhin der Pessimismus“, so Weinhofer.

Inflation und Investitionszurückhaltung

22,0 Prozent der Unternehmen planen in den kommenden Monaten Preiserhöhungen. Das sind mehr als im Vorjahr. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend im Bauwesen und im Handel. Creditreform erwartet dadurch eine Inflationsrate oberhalb der Zielmarke der Europäischen Zentralbank von rund zwei Prozent.

Gleichzeitig bleibt die Investitionsbereitschaft schwach. Nur 30,9 Prozent der Betriebe planen Investitionen, zwei Drittel davon ausschließlich als Ersatzinvestitionen. Besonders im Bauwesen ist die Zurückhaltung deutlich. Die Beschäftigungsentwicklung bleibt ebenfalls verhalten. Während 13,1 Prozent Personal aufbauen wollen, planen 16,3 Prozent einen Stellenabbau.

Eigenkapital schrumpft, Forderung nach Entlastung wächst

Die Eigenkapitalbasis vieler Unternehmen steht zunehmend unter Druck. 20,1 Prozent der befragten Betriebe verfügen nur noch über eine Eigenkapitalquote von maximal zehn Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil jener Unternehmen mit einer Quote von mehr als 30 Prozent auf 40,8 Prozent.

„Die schwache Ertragslage ist ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung. Sinkende Eigenkapitalquoten schwächen die wirtschaftliche Substanz der Unternehmen und Liquiditätsengpässe müssen zunehmend über Fremdfinanzierung ausgeglichen werden“, erklärt Weinhofer.

79,0 Prozent der Unternehmen nennen Bürokratieabbau als wichtigste wirtschaftspolitische Forderung. Dahinter folgen Energiekosten mit 64,2 Prozent sowie der Fachkräftemangel mit 59,8 Prozent. Auch die Inflation wird von 56,8 Prozent der Betriebe als zentrales Problem genannt.