Der österreichische Wirtschaftsstandort steht nach Einschätzung vieler Unternehmen weiterhin massiv unter Druck. Das zeigt die aktuelle Ausgabe des Deloitte Radar, für die rund 600 Führungskräfte befragt und internationale Wettbewerbsindizes analysiert wurden. Demnach belasten geopolitische Spannungen, hohe Energie- und Finanzierungskosten sowie die anhaltend schwache Konjunktur die heimische Wirtschaft zunehmend.

Im internationalen Wettbewerbsranking des International Institute for Management Development (IMD) liegt Österreich aktuell auf Platz 26 und damit weiterhin hinter Ländern wie der Schweiz, Dänemark oder Schweden. Laut Deloitte verschärft sich die Situation angesichts der aktuellen geopolitischen Entwicklungen zusätzlich.

„Österreichs Wirtschaftsstandort schafft es seit Jahren nicht aus dem Krisenmodus. Im Gegenteil: Im aktuellen Wettbewerbsranking des IMD erreichen wir erneut nur den 26. Platz und verharren deutlich hinter vergleichbaren europäischen Ländern wie der Schweiz, Dänemark oder Schweden“, sagt Harald Breit, CEO von Deloitte Österreich in Wien.

Stimmung bleibt angespannt

Die wirtschaftliche Stimmung unter den befragten Unternehmen bleibt laut Studie angespannt. Jedes zweite Unternehmen sieht sich direkt von den Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten betroffen. Sechs von zehn Unternehmen erwarten negative Folgen für ihre Geschäftstätigkeit. Zudem nennen 61 Prozent hohe Energiekosten als Belastung.

Rund ein Drittel der Befragten bewertet die Stimmung am Wirtschaftsstandort als negativ oder sehr negativ. Lediglich 14 Prozent nehmen die aktuelle Entwicklung positiv wahr. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben zurückhaltend. „Die Lage wird sich weiter zuspitzen – immerhin nimmt die Energiekrise in Folge des Iran-Kriegs gerade erst Fahrt auf“, erklärt Harald Breit.

Bürokratie und Steuern im Fokus

Als größte Schwächen des Standorts nennen die befragten Führungskräfte vor allem überbordende Bürokratie, allgemeine Unsicherheit sowie hohe Steuern und Abgaben. 58 Prozent sehen die Bürokratie als besonders problematisch, 53 Prozent nennen die Unsicherheit als Belastung. Auch die Steuerpolitik wird kritisch bewertet. Im aktuellen IMD-Ranking belegt Österreich laut Deloitte bei der Steuerpolitik Platz 64 von 69 untersuchten Ländern.

„Der Bürokratiedschungel und die Steuerpolitik werden als die größten Belastungsfaktoren wahrgenommen, das ist ein Warnsignal“, sagt Herbert Kovar, Managing Partner Tax & Legal bei Deloitte Österreich in Wien. Als mögliche Gegenmaßnahmen nennen die Unternehmen unter anderem eine Sanierung des Staatshaushalts, Investitionsförderungen sowie mehr Rechtssicherheit. Zudem wird eine weitere Senkung der Lohnnebenkosten gefordert.

Arbeitsmarkt bleibt Herausforderung

Neben Steuerpolitik und Bürokratie sehen viele Unternehmen auch am Arbeitsmarkt erheblichen Handlungsbedarf. 20 Prozent der Befragten beurteilen die Verfügbarkeit von Fachkräften als schlecht. 27 Prozent vergeben bei den Personalkosten schlechte Bewertungen. Auch die Beschäftigung älterer Arbeitnehmender wird kritisch gesehen. Laut Studie vergeben 20 Prozent der Unternehmen hier lediglich die Noten „Genügend“ oder „Nicht genügend“.

„Der österreichische Arbeitsmarkt steht seit Jahren unter Druck. Was es jetzt braucht, sind attraktivere Rahmenbedingungen für ältere Arbeitnehmende, die Attraktivierung von Vollzeitbeschäftigung und das aktive Werben um Fachkräfte im internationalen Umfeld“, erklärt Herbert Kovar. Laut Deloitte besteht insbesondere in fünf Bereichen Reformbedarf: bei den Lohnnebenkosten, am Arbeitsmarkt, beim Bürokratieabbau, bei der Absicherung des Pensionssystems sowie beim Ausbau erneuerbarer Energien.