Die Initiative Tausendundein Dach ist seit 2014 im Bereich Photovoltaik (PV) auf österreichischen Gewerbedächern tätig. Nach eigenen Angaben wurden gemeinsam mit rund 400 Betrieben mittlerweile 1.500 Dächer mit einer Gesamtleistung von 30 Megawatt Peak ausgestattet. Nun folgt mit Tausendundein Speicher die Fortsetzung des Projekts.
Das Ziel sind 1.001 Gewerbespeicher bis zum Jahr 2033 mit einer Gesamtkapazität von rund 100 Megawattstunden. Als rechnerische Größe für einen Speicher setzt die Initiative 100 Kilowattstunden an. „Nach dem Kraftakt von Tausendundein Dach fangen wir noch einmal von vorne an“, sagt Cornelia Daniel, Energieexpertin und Initiatorin von Tausendundein Speicher in Wien. „Mit einem Unterschied: Diesmal wissen wir, dass Utopien Realität werden können.“
Erste elf Gewerbespeicher in Betrieb
Vorgestellt wurde die Initiative am 17. September im Wiener Formdepot vor rund 70 Unternehmerinnen und Unternehmern. Neben der Wirtschaftlichkeit von Speichern standen neue Möglichkeiten der Stromvermarktung sowie Themen wie Carports und Wartung auf dem Programm.
Elf Speicher mit einer Gesamtkapazität von rund 900 Kilowattstunden sind laut Initiative bereits in Betrieb – sechs davon in Wien und fünf in Niederösterreich. Die einzelnen Anlagen verfügen derzeit über Kapazitäten zwischen 14 und 240 Kilowattstunden. Die Anschlussleistung bleibt jeweils unter 250 Kilowatt. Dadurch sollen die Anlagen nach Angaben der Initiative in einer vergleichsweise einfachen Anschlusskategorie bleiben. Größere Anlagen seien ebenfalls möglich, erforderten jedoch zusätzliche Verfahren.
Speicher Nummer drei wurde beim Hotel Das Himberg in Niederösterreich installiert und verfügt über 215 Kilowattstunden Kapazität. Eine Energiemanagement-Software soll dort unter anderem eine bestehende Einspeisebegrenzung berücksichtigen. Überschüssiger Solarstrom während der Mittagsspitze kann dadurch im Speicher aufgenommen und später für den Betrieb verwendet werden.
Wirtschaftlichkeit durch mehrere Anwendungen
Die Initiative konzentriert sich auf mittelgroße, in Betriebe integrierte Speicher hinter dem Zählpunkt bestehender PV-Anlagen. Diese könnten nach Angaben der Verantwortlichen mit vergleichsweise geringem Genehmigungsaufwand innerhalb weniger Monate umgesetzt werden. „Ich sehe Großspeicherprojekte, die seit drei bis sechs Jahren in Planung sind und noch immer nicht am Netz“, sagt Daniel.
Für die Planung werden laut Initiative die tatsächlichen Viertelstunden-Lastprofile der jeweiligen Betriebe herangezogen. Die Wirtschaftlichkeit soll dabei nicht nur über einen höheren Eigenverbrauch des selbst erzeugten Solarstroms erreicht werden. Weitere mögliche Effekte sind die Reduktion von Lastspitzen sowie ein zeitlich optimierter Strombezug, bei dem Speicher in Stunden mit niedrigeren Strompreisen geladen werden.
„Speichern durfte man immer. Was sich ändert, ist, dass es sich jetzt rechnen lässt“, sagt Daniel. Durch verfügbare Viertelstundenwerte für zahlreiche Zählpunkte lasse sich genauer berechnen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen eine Verschiebung von Stromverbrauch und -bezug haben könne.
Neue Möglichkeiten für Strom zwischen Betrieben
Zusätzliche Einsatzmöglichkeiten erwartet die Initiative durch Änderungen im Elektrizitätswirtschaftsrecht. Demnach sollen Unternehmen ab 1. Oktober Strom zwischen eigenen Standorten teilen und direkt an andere Betriebe liefern können. Da die gemeinsame Energienutzung viertelstundengenau abgerechnet wird, können Speicher dabei helfen, Erzeugung und Verbrauch zeitlich aufeinander abzustimmen.
Bei Tausendundein Speicher arbeitet das Beratungsunternehmen Dachgold mit dem Photovoltaik-Anbieter 10hoch4 zusammen. Ergänzt wird das Netzwerk durch Unternehmen aus den Bereichen Energiemanagement, Elektromobilität und Energiewirtschaft.
Am 8. Oktober soll zudem der Huawei FusionSolar Truck in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Wien nach Wien-Floridsdorf kommen. Dort soll ein Gewerbespeicher der entsprechenden Größenklasse präsentiert werden. Parallel arbeitet die Initiative an einem digitalen Marktplatz für sogenannte Peer-to-Peer-Verträge, über den Unternehmen künftig Strom direkt untereinander vermarkten können sollen.
