Im Zuge der geplanten Reform der EU-Unternehmensbesteuerung durch den sogenannten „Tax Omnibus“ der Europäischen Kommission analysiert eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) die Wirkung bestehender Anti-Steuervermeidungsmaßnahmen in Österreich. Untersucht wurde, wie multinationale Unternehmen auf verschiedene steuerliche Regelungen reagieren und welche Auswirkungen diese auf Gewinnverlagerung und wirtschaftliche Aktivität haben.

Für die Untersuchung werteten die Forschenden administrative Körperschaftsteuerdaten von mehr als 800 multinationalen Unternehmen in Österreich aus. Die Studie entstand im Rahmen eines von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) finanzierten Projekts. „Die Studie vergleicht die Wirkung von drei Anti-Steuervermeidungsmaßnahmen, die in Österreich zwischen 2014 und 2019 schrittweise eingeführt wurden“, erklärt Harald Amberger, Professor an der WU Wien und Mitautor der Studie.

Zielgerichtete Maßnahmen zeigen Wirkung

Analysiert wurden unter anderem Abzugsverbote konzerninterner Zins- und Lizenzzahlungen, neue Transparenzpflichten für große multinationale Unternehmen sowie strengere Regelungen für Gewinne in niedrig besteuerten Auslandsgesellschaften.

Besonders wirksam seien laut Studie zielgerichtete Regelungen, die konkrete Steuervermeidungspraktiken adressieren. Nach Einführung der Abzugsverbote für konzerninterne Zins- und Lizenzzahlungen sei das in Österreich ausgewiesene steuerpflichtige Einkommen betroffener Unternehmen signifikant gestiegen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass zielgerichtete Maßnahmen gegen Gewinnverlagerung ins Ausland wirksam sein können“, sagt Stefanie Pendl, Forscherin an der WU Wien. Hinweise auf ein Ausweichen der Unternehmen auf alternative Steuervermeidungspraktiken fanden die Forschenden laut Studie nicht.

Ausnahmen könnten gegenteilige Effekte auslösen

Anders beurteilt die Studie breiter angelegte transparenzbasierte Maßnahmen oder Regelungen mit sogenannten Substanz- beziehungsweise Aktivitätsausnahmen. Diese ermöglichen es Unternehmen, Anti-Steuervermeidungsregeln zu umgehen, wenn sie wirtschaftliche Aktivitäten in Niedrigsteuerländern nachweisen können.

Den Ergebnissen zufolge erhöhten betroffene Konzerne nach Einführung solcher Ausnahmen ihre wirtschaftliche Aktivität in Niedrigsteuerländern. Gleichzeitig sank das in Österreich zu versteuernde Einkommen der betroffenen Unternehmen. „Bestimmte Ausnahmeregelungen können damit die Gewinnverlagerung ins Ausland sogar begünstigen“, so Harald Amberger von der WU Wien. Hochsteuerländer wie Österreich könnten dadurch nicht nur Steuereinnahmen, sondern auch reale wirtschaftliche Aktivität verlieren.

Die Studienergebnisse liefern damit empirische Hinweise für die laufende Diskussion über die Reform der EU-Unternehmensbesteuerung und die Wirksamkeit bestehender Anti-Steuervermeidungsinstrumente.

Veranstaltung zur globalen Mindeststeuer

Das Thema globale Mindeststeuer und internationale Steuervermeidung steht auch im Mittelpunkt der Veranstaltung „WU matters. WU talks.“ am 10. Juni 2026. Harald Amberger hält dort eine Keynote zu aktuellen Fragen rund um Wirksamkeit, Umsetzung und Zukunft der globalen Mindeststeuer.