Eine weltweite Studie von Hogan Assessments zeigt eine klare Diskrepanz zwischen den Eigenschaften, die Führungskräfte häufig mitbringen, und jenen Qualitäten, die sich Mitarbeitende von ihnen wünschen. Grundlage sind Daten von mehr als 21.000 Führungskräften sowie eine Befragung von 9.794 Vollzeitbeschäftigten in 25 Märkten.

Die Untersuchung mit dem Titel „The Leadership Divide: Global Insights on Who Leads vs. Who Should“ kommt zu dem Ergebnis, dass es keine Überschneidung zwischen den fünf am häufigsten beobachteten Kompetenzen von Führungskräften und den fünf wichtigsten Erwartungen von Mitarbeitenden gibt.

Unterschiedliche Prioritäten bei Führung

Führungskräfte zeichnen sich laut Studie häufig durch Eigenschaften wie Inspiration, Wettbewerbsorientierung, Präsentationsstärke, Eigeninitiative und Innovationskraft aus. Mitarbeitende hingegen bewerten andere Faktoren als entscheidend für wirksame Führung: Kommunikation, Integrität, Verantwortungsbewusstsein, fundierte Entscheidungsfindung und die Fähigkeit, Teams effektiv zu führen.

„Unternehmen neigen seit jeher dazu, bei Führungskräften Präsenz, Selbstbewusstsein und Ehrgeiz zu belohnen“, sagt Allison Howell, CEO bei Hogan Assessments in Tulsa. „Doch die Mitarbeiter sagen uns, dass sie etwas Grundlegenderes wollen: Führungskräfte, denen sie vertrauen können, die klar kommunizieren und die die Voraussetzungen für den Erfolg ihrer Teams schaffen.“

Kommunikation und Vertrauen im Fokus

Die Ergebnisse zeigen eine hohe Übereinstimmung unter Beschäftigten weltweit: Fast 97 Prozent nennen Kommunikation sowie vertrauensbildende Eigenschaften – darunter Integrität, Verantwortungsbewusstsein und fundierte Entscheidungen – als zentral für erfolgreiche Führung.

Gleichzeitig identifizieren Befragte mehrere Verhaltensweisen, die die Führungswirksamkeit beeinträchtigen können. 72 Prozent sehen emotionale Schwankungen und Unberechenbarkeit kritisch. Weitere negative Faktoren sind laut Studie passive Aggression (62 Prozent), Arroganz und Überheblichkeit (59 Prozent) sowie übermäßige Vorsicht (56 Prozent).

Ein Beispiel für die wahrgenommene Diskrepanz ist das Thema Selbstbewusstsein. Während dieses Merkmal häufig mit beruflichem Erfolg verbunden ist, geben 59 Prozent der Befragten an, dass übersteigertes Selbstbewusstsein als Arroganz wahrgenommen werden kann und sich negativ auf Vertrauen und Motivation auswirkt.

Bedeutung von Teamarbeit

Neben individuellen Eigenschaften legen Mitarbeitende auch Wert auf zwischenmenschliche Aspekte der Führung. Weltweit geben 48 Prozent an, dass Führungskräfte stärker auf Netzwerkaufbau, Teamarbeit und ein Zugehörigkeitsgefühl achten sollten. Diese Aspekte hätten laut Studie bei Führungskräften häufig einen geringeren Stellenwert, obwohl sie aus Sicht der Beschäftigten wesentlich zur Leistungsfähigkeit von Teams beitragen.

Implikationen für Unternehmen

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Organisationen bei der Auswahl und Entwicklung von Führungskräften möglicherweise stärker auf sichtbare Eigenschaften wie Auftreten oder Durchsetzungsfähigkeit achten als auf nachhaltige Führungskompetenzen.

Die Studienautor*innen empfehlen, bei der Identifikation von Führungspotenzial verstärkt auf vertrauensbildende Verhaltensweisen zu achten. Dazu zählen klare Kommunikation, Verantwortungsbewusstsein, Entscheidungsqualität und der Aufbau stabiler Arbeitsbeziehungen. Diese Kriterien könnten künftig stärker in Auswahlprozesse, Coaching-Programme und Leistungsbewertungen einfließen.

„Führungskräftepipelines sind dann am stärksten, wenn Unternehmen die Art und Weise, wie sie Führungskräfte identifizieren und fördern, auf das abstimmen, was die Mitarbeiter tatsächlich schätzen“, so Howell. „Diese Ergebnisse zeigen, dass Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und ein gesundes Urteilsvermögen keine zweitrangigen Eigenschaften sind. Sie sind entscheidend für die Effektivität des Teams und die langfristige Leistungsfähigkeit.“