Rund 26 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Europa berichten laut einer aktuellen Analyse über erhebliche Schwierigkeiten beim Zugang zu Kapital. Besonders deutlich zeigt sich die Diskrepanz zwischen dem Bedarf an klassischen Finanzierungsformen und deren tatsächlicher Nutzung. Zwar halten rund 50 Prozent der Unternehmen Bankkredite für relevant, tatsächlich nutzen diese jedoch nur 14 Prozent.

Auch Eigenkapital spielt in der Praxis eine vergleichsweise geringe Rolle. Zwölf Prozent der Unternehmen sehen darin eine wichtige Finanzierungsquelle, effektiv genutzt wird sie allerdings nur von rund einem Prozent der Betriebe. In Österreich liegt die Eigenkapitalquote von KMU laut Oesterreichischer Nationalbank und KMU Forschung Austria durchschnittlich zwischen 32 und 37 Prozent.

Alternative Finanzierungsmodelle wachsen

„Wir sehen eine strukturelle Verschiebung im Finanzierungsmarkt. Klassische Instrumente stoßen zunehmend an ihre Grenzen, während alternative Finanzierungsformen im österreichischen Mittelstand an Relevanz gewinnen“, sagt Daniel Horak, Geschäftsführer von Conda in Wien.

Zusätzlich verschärfen hohe Zinsen und das schwache Wirtschaftswachstum die Situation vieler Unternehmen. Kredite würden dadurch nicht nur teurer, sondern auch restriktiver vergeben. Unternehmen seien daher zunehmend gefordert, ihre Finanzierungsstrategien breiter aufzustellen.

Alternative Modelle wie digitale Finanzierungsplattformen sollen hier zusätzliche Möglichkeiten schaffen. Laut Angaben des Unternehmens überschreitet der europäische Markt für alternative Finanzierungen mittlerweile ein Volumen von einer Milliarde Euro. Rund 1,7 Millionen Investorinnen und Investoren sowie mehr als 150 regulierte Plattformen seien europaweit aktiv.

Unternehmen suchen mehr Flexibilität

Über Plattformen wie Conda könnten Unternehmen Finanzierungen etwa über Anleihen, Nachrangdarlehen, digitale Aktien oder Wandelanleihen strukturieren. Ziel sei es laut Anbieter, Finanzierungen flexibler und unabhängiger vom klassischen Bankensystem zu gestalten. „Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, Finanzierungen nicht nur zu sichern, sondern strategisch zu gestalten. Wir bieten mit unserer Plattform hier eine sinnvolle Ergänzung, insbesondere wenn Geschwindigkeit, Flexibilität und Diversifizierung eine Rolle spielen“, so Horak.

Wie alternative Finanzierungen in der Praxis eingesetzt werden, zeigen laut Aussendung unter anderem österreichische Unternehmen wie die Familux Resorts. Die Hotelgruppe habe über die Plattform innerhalb von vier Tagen fünf Millionen Euro Finanzierungskapital aufgenommen. „Für Familux Resorts war die Entscheidung für Conda keine Frage des Kapitalzugangs. Es ging viel mehr darum, den klassischen Eigenkapitalgeber zu ersetzen, der deutlich höhere Renditeerwartungen mitbringt“, sagt Julian Mayer, Co-CEO der Familux Gruppe.

Auch das auf Frauengesundheit spezialisierte Unternehmen ProFem setzt laut Aussendung auf alternative Finanzierungsmodelle. „Wir wollten unsere Finanzierung breiter aufstellen und unabhängiger von einzelnen Kapitalgebern werden. Die Möglichkeit, direkt mit einer Vielzahl an Investorinnen und Investoren zu arbeiten, hat uns nicht nur finanziell, sondern auch strategisch weitergebracht“, sagt Marion Noe, Geschäftsführerin von ProFem in Wien.

EU-Regulierung erleichtert grenzüberschreitende Finanzierung

Unterstützt werde diese Entwicklung auch durch die europäische Crowdfunding-Verordnung. Mit dem sogenannten European Crowdfunding Service Providers Regulation (ECSPR) sei erstmals ein einheitlicher Rechtsrahmen für grenzüberschreitende Finanzierungen geschaffen worden. Laut Aussendung erfolgen bereits rund 17 Prozent der Finanzierungen länderübergreifend.

„Wir gehen davon aus, dass alternative Finanzierungen in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen werden. Sie werden das bestehende System nicht ersetzen, aber entscheidend dazu beitragen, die Finanzierungslücke im Mittelstand zu schließen und den Kapitalmarkt insgesamt resilienter zu machen“, sagt Horak.