Das geht aus der dritten Ausgabe des Klimadiskurs-Monitorings des Kontext Instituts hervor. Die Analyse basiert auf einer repräsentativen Stichprobe klimapolitischer Aussagen, die vom Analyseunternehmen Foresight ausgewertet wurden. Demnach wurde im Jahr 2025 in den untersuchten Medien um ein Viertel weniger über Klimapolitik berichtet als noch 2023.
Trotz der rückläufigen medialen Präsenz bleibt der Diskurs laut Studie überwiegend konstruktiv. Gleichzeitig verschieben sich die inhaltlichen Schwerpunkte: Besonders stark an Bedeutung gewonnen hat die Verbindung von Klimapolitik mit wirtschafts- und standortpolitischen Fragestellungen.
Energie im Konsens, Mobilität im Rückstand
Energiethemen dominieren weiterhin die Klimadebatte und machen 34 Prozent aller analysierten Aussagen aus. Sie werden laut Monitoring überwiegend konstruktiv diskutiert. Die Notwendigkeit von Klimaschutz und insbesondere der Energiewende werde inzwischen von den meisten relevanten Akteursgruppen anerkannt, so das Institut.
„Die aktuelle Energiekrise zeigt, dass wir uns schnellstmöglich aus der Öl- und Gasabhängigkeit befreien müssen. Das erfordert einen nationalen Kraftakt – und es erfordert konstruktiven Diskurs, in dem Ökologisierung und Wirtschaftspolitik gemeinsam gedacht werden“, sagt Tina Deutsch, Vorständin beim Kontext Institut in Wien.
Im Gegensatz dazu gilt der Mobilitätsbereich als besonders konfliktgeladen: 52 Prozent der Aussagen werden laut Studie als „verschleppend“ eingeordnet. Hier dominierten weiterhin uneinheitliche Positionen und kurzfristige Lösungsansätze.
Unternehmen gewinnen an Einfluss
Politische Akteur*innen prägen den Diskurs weiterhin am stärksten und sind für 36 Prozent der Aussagen verantwortlich. Die Wissenschaft steuert 18 Prozent bei und gilt mit einem Anteil von 92 Prozent konstruktiver Beiträge als wichtigste sachorientierte Stimme.

Unternehmen gewinnen laut Analyse deutlich an Einfluss, während zivilgesellschaftliche Akteur:innen an Sichtbarkeit verlieren. In wirtschafts- und energiepolitischen Fragen beteiligen sich Unternehmen demnach zunehmend aktiv an der Debatte, wobei ihre Beiträge teilweise als verzögernd eingeordnet werden.
Auch auf Parteiebene zeigen sich Unterschiede: Während die Grünen laut Studie den konstruktiven Diskurs prägen, wird der verschleppende Anteil vor allem von der FPÖ dominiert. Die ÖVP äußert sich demnach konstruktiv zu Energiethemen, bringt jedoch häufiger wirtschaftspolitische Risikoargumente ein. SPÖ und Neos spielen eine geringere Rolle im untersuchten Diskurs.
Standortpolitik als neues Leitthema
Wirtschafts- und Standortfragen machen mittlerweile 13 Prozent der analysierten Aussagen aus und verzeichnen damit den größten Zuwachs seit 2023. Der Diskurs in diesem Bereich sei überwiegend konstruktiv und stelle die Chancen der ökologischen Transformation für Wohlstand und Versorgungssicherheit in den Vordergrund, wie Studienautorin Anna Pixer vom Kontext Institut in Wien erläutert.
„Der Diskurs über Wirtschafts- und Standortpolitik in Verbindung mit Klimapolitik ist überwiegend konstruktiv und stellt die Chancen der Ökologisierung für Wohlstand und Sicherheit in den Mittelpunkt. Im verschleppenden Diskurs dominieren dagegen Ängste vor Veränderung und kurzfristige wirtschaftliche Risiken“, sagt Anna Pixer, Studienautorin beim Kontext Institut in Wien.

Auch technologisch stehen erneuerbare Energien im Fokus: 41 Prozent der technologiebezogenen Aussagen entfallen auf deren Ausbau, etwa bei Windkraft, Wasserkraft und Photovoltaik.
Geografisch konzentriert sich der Diskurs überwiegend auf Österreich, das 63 Prozent der Aussagen mit Ortsbezug ausmacht. Aussagen zu internationalen Entwicklungen, insbesondere zur Europäischen Union sowie zu Ländern wie den USA und Deutschland, werden laut Studie überdurchschnittlich häufig kritisch oder verzögernd bewertet.