Im ersten Halbjahr 2026 mussten in Österreich 3.401 Unternehmen Insolvenz anmelden. Das entspricht einem Rückgang von 2,6 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, wie aus der aktuellen Hochrechnung des KSV1870 hervorgeht. Im Schnitt waren das knapp 19 Betriebe pro Tag. Die vorläufigen Passiva belaufen sich auf rund 4,2 Milliarden Euro, ein Minus von 4,2 Prozent. Betroffen sind seit Jahresbeginn 9.800 Arbeitnehmer*innen sowie 23.500 Gläubiger.

Der leichte Rückgang sei ein positives Signal, so der KSV1870, dennoch verbleibe die Zahl der Firmenpleiten auf einem unverändert hohen Niveau. Österreichische Unternehmen sehen sich weiterhin mit einer Kombination aus konjunkturellen, finanziellen, geopolitischen und strukturellen Risiken konfrontiert. Besonders problematisch sei, dass mehrere Belastungen gleichzeitig auftreten – etwa die schwache Konsumnachfrage, hohe Finanzierungskosten und steigende Personalkosten.

Unterschiedliche Entwicklungen in den Bundesländern

Die Entwicklung der Insolvenzzahlen fällt in den Bundesländern sehr unterschiedlich aus. Den stärksten Anstieg verzeichnet Vorarlberg mit plus 38 Prozent auf 101 Fälle. Den deutlichsten Rückgang gibt es in Tirol mit minus 30,9 Prozent auf 152 Fälle. In Wien, dem mit Abstand größten Insolvenzstandort, sank die Zahl der Firmenpleiten um 4,6 Prozent auf 1.291 Fälle.

Handel und Bau führen, Gastronomie mit Zuwachs

Die meisten Insolvenzen verzeichnen weiterhin der Handel mit 553 Verfahren und das Baugewerbe mit 495 Fällen. In beiden Branchen ist es seit Jahresbeginn zu einem leichten Rückgang gekommen: im Handel um 6,3 Prozent, im Baugewerbe um 2,8 Prozent.

Die Situation in der Gastronomie und Beherbergung hat sich hingegen weiter zugespitzt. Mit 441 Unternehmensinsolvenzen ist sie die drittstärkste betroffene Branche und verzeichnet als einzige der drei größten Sektoren einen Anstieg um 8,4 Prozent. Hohe Betriebskosten, fehlendes Personal und strukturelle Probleme mit geringen Gewinnmargen sowie starker Konkurrenzkampf seien eine Mixtur, die für viele Betriebe nicht mehr zu stemmen sei, so die Analyse des KSV1870.

Nichteröffnete Verfahren nehmen zu

Während sowohl die Zahl der Unternehmensinsolvenzen als auch jene der eröffneten Verfahren (minus 8,6 Prozent) gesunken sind, steigt im Gegenzug die Zahl der mangels Masse nicht eröffneten Fälle. Im ersten Halbjahr 2026 haben sich diese um 7,3 Prozent auf insgesamt 1.414 Fälle erhöht.

„Je mehr solcher nicht eröffneten Verfahren vorliegen, desto schwieriger wird es auch für finanziell gesunde Unternehmen, ihre wirtschaftliche Stabilität langfristig zu halten“, sagt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Prognose für Gesamtjahr

Ob der aktuelle Rückgang auf das zu Jahresbeginn im Rahmen des Betrugsbekämpfungsgesetzes 2026 de facto wieder eingeführte Instrument des Klassenkonkurses zurückzuführen ist, bleibt abzuwarten. Aus Sicht des KSV1870 erscheint es realistisch, dass am Jahresende 2026 das Vorjahresergebnis von rund 6.800 Firmenpleiten in Österreich nicht überschritten werden dürfte.