Der Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter hat in zahlreichen für Österreich relevanten Industriebranchen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. China gilt inzwischen als weltweit größter Warenproduzent. Besonders stark legten die Importe in technologieintensiven Bereichen wie Datenverarbeitungsgeräten, Elektronik und elektrischen Ausrüstungen zu. Zwischen 2007 und 2023 verdreifachten sich dort die chinesischen Marktanteile.

Analysen für den Zeitraum von 2013 bis 2022 zeigen allerdings, dass sich besonders betroffene österreichische Unternehmen bei Beschäftigung, Wertschöpfung, Arbeitsproduktivität und Exporten nicht nachweisbar schlechter entwickelt haben als andere Betriebe.

Standortverlagerungen gewinnen an Bedeutung

Die aktuelle Industriebefragung deutet jedoch auf einen steigenden Anpassungsdruck hin. Unternehmen, die in einem intensiven Wettbewerb mit chinesischen Anbietern stehen, planen häufiger Produktionsverlagerungen und Personalabbau. Die Wahrscheinlichkeit einer beabsichtigten Standortverlagerung liegt laut Analyse um rund 15 Prozent höher. Ebenso steigt die Wahrscheinlichkeit, Produktionsarbeitsplätze oder die Gesamtbeschäftigung an österreichischen Standorten zu reduzieren.

Rund 30 Prozent aller befragten Industrieunternehmen gaben an, ihre Produktion bis 2030 im Ausland ausbauen zu wollen. Bei Unternehmen mit besonders starker chinesischer Konkurrenz liegt dieser Anteil bei mehr als 40 Prozent. Etwa 35 Prozent planen zudem die Verlagerung zumindest einer Unternehmensfunktion ins Ausland. Am häufigsten betroffen ist die Fertigung.

Als wichtigste Gründe nennen die Unternehmen niedrigere Personalkosten, gefolgt von Energiepreisen, regulatorischen Rahmenbedingungen sowie geringeren Steuern und Abgaben. Als bevorzugte Zielregionen werden Ost- und Südosteuropa sowie Südostasien einschließlich China genannt.

„Der steigende Wettbewerbsdruck trifft auf eine Phase erhöhter Unsicherheit und schwacher Industriekonjunktur und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit von Verlagerungen zulasten der heimischen Produktion“, sagt Manuel Gruber-Német, Ökonom im Büro des Österreichischen Produktivitätsrates der Oesterreichischen Nationalbank in Wien.

Mehr Fokus auf Innovation und Qualität

Die Untersuchung zeigt zugleich Anzeichen für einen Strategiewechsel in der Industrie. Während Unternehmen in den vergangenen Jahren häufig mit geografischer Diversifikation oder Spezialisierung auf den Wettbewerbsdruck reagierten, setzen viele Betriebe nun verstärkt auf die Weiterentwicklung ihres Angebots.

Unternehmen mit starker Konkurrenz aus China planen häufiger eine Verbreiterung oder qualitative Aufwertung ihres Produktportfolios. Gleichzeitig bleibt das Innovationsumfeld angespannt. Laut Wifo-Konjunkturtest lag der Anteil der Unternehmen mit neuen Produkten oder Dienstleistungen im Jahr 2025 bei rund 27 Prozent und damit unter dem Niveau vor den Krisenjahren.

„Das spricht für einen teilweisen Übergang von defensiven zu offensiveren, stärker qualitäts- und innovationsorientierten Marktstrategien. Diese Neuausrichtung erfolgt allerdings in einem weiterhin gedämpften Innovationsumfeld“, sagt Agnes Kügler, Vorstandsmitglied bei ASCII und Ökonomin beim Wifo in Wien.

Standortpolitik im Fokus

Aus den Ergebnissen leiten die Forschenden wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf auf europäischer und nationaler Ebene ab. Auf EU-Ebene gehe es um faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber China, etwa durch einen regelbasierten Einsatz handelspolitischer Instrumente. Darüber hinaus sehen die Autor*innen Investitionen in Forschung und Entwicklung, Qualifikation sowie technologische Kompetenzen als zentrale Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Österreich.

„Wir sehen eine Gabelung: Viele Unternehmen verharren bei ihren Kernkompetenzen und geraten jetzt unter Druck. Andere beginnen stärker auf Innovation und Resilienz zu setzen, um sich im globalen Wettbewerb zu behaupten. Die Wirtschaftspolitik sollte diese Entwicklung durch ihre Standortpolitik unterstützen“, sagt Agnes Kügler. Manuel Gruber-Német ergänzt: „Ein rein defensiver Ansatz reicht nicht aus. Entscheidend ist, dass Unternehmen die Rahmenbedingungen vorfinden, um auf Wettbewerb mit Innovation und technologischer Aufwertung zu reagieren – und nicht mit Verlagerung.“