Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik gelten aus Sicht der befragten Interim Manager als wichtige Bausteine für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig bleibe der Mensch der entscheidende Erfolgsfaktor in Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt der Wirtschaftsreport 2026 der Management-Community United Interim, den 15 Expert*innen für Interim Management auf Basis einer Befragung von 550 Interim Managern erstellt haben. „Der Einsatz von KI-Systemen und Robotern ist unerlässlich für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, aber am Ende entscheiden menschliche Fähigkeiten über den Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen“, sagt Harald Schönfeld, Studienleiter bei United Interim in Berlin.
HR gewinnt strategisch an Bedeutung
Nach Einschätzung der Befragten wird das Personalwesen künftig stärker in die Unternehmensstrategie eingebunden. 78 Prozent gehen davon aus, dass Human Resources (HR) an Bedeutung gewinnen wird. 85 Prozent erwarten einen steigenden Einfluss der HR-Strategie auf den Unternehmenserfolg. Zudem sehen 79 Prozent die Vermittlung der Unternehmenskultur als zentrale Aufgabe des Personalwesens.
„Firmenkultur ist längst kein weicher Faktor mehr, sondern ein zentraler Steuerungshebel für wirtschaftlichen Erfolg“, sagt Ulrich Schmidt, Interim Manager bei United Interim in Berlin. Roland Streibich, Interim Manager bei United Interim in Berlin, ergänzt: „Unternehmenskultur entscheidet heute messbar über Produktivität, Bindung und Veränderungsfähigkeit von Organisationen.“
47 Prozent der Befragten sehen KI künftig als wichtigen Bestandteil der Personalarbeit. Nach ihren Angaben soll sie vor allem zur Produktivitätssteigerung und Qualifizierung beitragen, nicht jedoch Beschäftigte ersetzen. 88 Prozent erwarten, dass HR insgesamt digitaler und dynamischer wird.
Weiterbildung als Antwort auf den Fachkräftemangel
Angesichts des Fachkräftemangels messen die Interim Manager dem Talentmanagement hohe Bedeutung bei. 44 Prozent bewerten dieses als sehr wichtig, weitere 41 Prozent als wichtig. Als wichtigste Maßnahme gegen den Mangel an qualifizierten Beschäftigten nennen 81 Prozent die Weiterbildung direkt im Unternehmen.
Auch der Wissenstransfer zwischen den Generationen spielt nach Ansicht der Befragten eine wichtige Rolle. Neben der Weitergabe von Erfahrungswissen älterer Beschäftigter an Jüngere wird auch das sogenannte Reverse Mentoring genannt, bei dem jüngere Mitarbeitende ältere Kolleginnen und Kollegen beispielsweise beim Einsatz neuer Technologien unterstützen.
70 Prozent der Befragten sehen zudem ungenutzte Potenziale bei Frauen in Unternehmen. Weitere Maßnahmen umfassen flexiblere Arbeitszeitmodelle, die gezielte Ansprache jüngerer Generationen über soziale Netzwerke sowie die Rekrutierung internationaler Fachkräfte.
KI soll Routineaufgaben übernehmen
Fast zwei Drittel der Befragten sprechen sich für einen stärkeren Einsatz von KI und Robotik bei Routinetätigkeiten aus. Ziel sei es, Beschäftigte zu entlasten und interne Ressourcen besser zu nutzen. Gleichzeitig empfehlen 58 Prozent den Ausbau von KI-Kompetenzen in Unternehmen. Beim Thema Homeoffice zeigt sich hingegen ein differenziertes Bild. 54 Prozent sprechen sich laut Studie gegen eine weitere Ausweitung der Arbeit von zuhause aus. Begründet wird dies unter anderem mit der Bedeutung persönlicher Zusammenarbeit für Unternehmenskultur, Wissensaustausch und Innovation.
Auch bei Führungsmodellen sehen die Interim Manager den Menschen im Mittelpunkt. 65 Prozent halten empathische Führung für besonders wichtig. Transformative und situative Führungsstile sowie agile Führungsansätze werden ebenfalls häufig genannt. Laut Harald Schönfeld zeigten Modelle wie VUCA, BANI oder PUMA unterschiedliche Perspektiven auf die Anforderungen moderner Führung in einer zunehmend komplexen Arbeitswelt.
Die große Mehrheit der Befragten bewertet darüber hinaus den Einsatz von Interim Managern positiv. 92 Prozent halten außerdem AI-added Management – die Unterstützung von Managemententscheidungen durch KI – für ein zukunftsfähiges Konzept. Nach Angaben der Studienautoren soll KI dabei Führungskräfte unterstützen, nicht ersetzen.