Mit der „Initiative Digitale Souveränität“ haben sich A1 Telekom, Anexia, Erste Bank, Keba Group, Spar ICS, Umdasch Group und Vienna Insurance Group zu einer branchenübergreifenden Plattform zusammengeschlossen. Wie die Initiatoren mitteilen, soll die Initiative dazu beitragen, Österreich und Europa technologisch unabhängiger, innovativer und widerstandsfähiger zu machen.
Im Mittelpunkt stehen laut Aussendung europäische Technologien, europäisches Know-how und europäische Werte. Besonderes Augenmerk liege auf dem Schutz kritischer Infrastruktur. Die Initiative verstehe sich dabei nicht als Forderung nach Abschottung, sondern als Beitrag zur Sicherung europäischer Handlungsfähigkeit und zur Verringerung strategischer Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern.
Technologische Handlungsfähigkeit stärken
Die Initiative nennt fünf zentrale Handlungsfelder: Innovation und Wertschöpfung, Sicherheit und Vertrauen, Unabhängigkeit und Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit sowie die Verankerung europäischer Werte wie Datenschutz, Transparenz und Menschenrechte in digitalen Technologien.
Thomas Arnoldner, Deputy CEO der A1 Group in Wien, verweist auf die Bedeutung europäischer Cloud-Infrastrukturen. Digitale Souveränität bedeute aus seiner Sicht nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit und europäische Alternativen, insbesondere bei kritischen Daten. Mit souveränen Cloud-Lösungen wolle das Unternehmen dazu einen Beitrag leisten.
Auch Alexander Windbichler, CEO der Anexia Group in Klagenfurt, sieht europäische Technologien als strategisch relevant. Er spricht sich für offene Schnittstellen und klare Rahmenbedingungen im Cloud-Umfeld aus, um Wettbewerb und Anbieterpluralität zu fördern. Österreich und Europa verfügten über Unternehmen mit entsprechender Expertise, die digitale Souveränität aktiv mitgestalten könnten.
Innovation und KI als Wettbewerbsfaktor
Gerda Holzinger-Burgstaller, CEO der Erste Bank in Wien, betont die Bedeutung von Innovationen, Investitionen und technologischen Kompetenzen. Mit Blick auf künftige Entwicklungen sei es sinnvoll, sich frühzeitig mit neuen Anforderungen auseinanderzusetzen. Als Beispiel nennt sie Anwendungen im Bereich der Quantensicherheit.
Für Christoph Knogler, CEO der Keba Group in Linz, spielt Künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen. Österreich habe bei der Nutzung entsprechender Technologien Aufholbedarf. Erfolgsentscheidend sei es, Künstliche Intelligenz in Unternehmensstrategien und Führungsverantwortung zu verankern. Gleichzeitig empfiehlt er, kritische Prozesse möglichst auf Infrastruktur zu betreiben, über die Unternehmen unabhängig verfügen können.
Andreas Kranabitl, Geschäftsführer von Spar ICS in Salzburg, verweist auf die Rolle digitaler Plattformen im Handel. Anwendungen wie digitale Kundenservices oder Self-Check-out-Lösungen würden zeigen, wie wichtig leistungsfähige technologische Grundlagen seien. Die Erfahrungen aus dem Handelsumfeld wolle das Unternehmen in die Weiterentwicklung digitaler Souveränität einbringen.
Standort Europa im Fokus
Wolfgang Litzlbauer, Vorstandsvorsitzender der Umdasch Group in Amstetten, sieht digitale Souveränität als Teil einer globalen Strategie mit lokaler Umsetzung. Digitalisierung sei zwar ein globales Thema, Unternehmen müssten jedoch in ihren Märkten jederzeit eigenständig handlungsfähig bleiben. Dafür seien neben technologischen Lösungen auch Investitionen in Aus- und Weiterbildung notwendig.
Harald Schabernack, Chief Information Officer der Vienna Insurance Group in Wien, bezeichnet digitale Souveränität als Chance für eigenständige Innovationen in Europa. Europäische Lösungen könnten dazu beitragen, die Kontrolle über Technologien und Daten zu bewahren und gleichzeitig Innovationskraft zu stärken.
Die Initiative versteht sich nach eigenen Angaben als Impulsgeber für Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Geplant sind Diskussionsveranstaltungen sowie die Einbringung eines Positionspapiers in öffentliche und politische Debatten.