Mit den anhaltenden Hitzewellen in Europa rückt auch deren Einfluss auf den Arbeitsalltag stärker in den Fokus. Nach Einschätzung von Hogan Assessments, einem Anbieter von Persönlichkeitsanalysen und Führungskräfteentwicklung, können hohe Temperaturen bestehende Belastungen in Unternehmen verstärken. Dazu zählen unter anderem Unsicherheiten durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), Veränderungsmüdigkeit, kleinere Teams sowie die Folgen von Burnout.

Hinzu kommt ein rückläufiges Mitarbeiterengagement. Der aktuelle „State of the Global Workplace“-Bericht des Beratungsunternehmens Gallup zeigt, dass das weltweite Engagement der Beschäftigten im zweiten Jahr in Folge gesunken ist. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Führungskräften aus: Ihr Engagement sank laut Bericht von 27 Prozent auf 22 Prozent.

Emotionale Belastung nimmt zu

Neben organisatorischen Herausforderungen könne auch die Hitze selbst die Leistungsfähigkeit beeinflussen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) können hohe Temperaturen Konzentration und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen sowie Ermüdung verstärken. Demnach sinkt die Produktivität mit jedem zusätzlichen Grad Hitzebelastung oberhalb bestimmter Schwellenwerte um zwei bis drei Prozent. Rund 30 Prozent der Beschäftigten, die regelmäßig Hitzestress ausgesetzt sind, berichten laut WHO von Produktivitätseinbußen.

Vor diesem Hintergrund könnten Spannungen im Arbeitsalltag schneller eskalieren. Insbesondere Menschen mit einer eher impulsiven oder leicht reizbaren Persönlichkeit seien in Stresssituationen anfälliger für emotionale Reaktionen, so Hogan Assessments.

„Leidenschaft zu zeigen verhindert, dass ein Berufstätiger emotionslos, gleichgültig oder desinteressiert wirkt. Doch das Zeigen emotionaler Höhen und Tiefen ist am Arbeitsplatz nicht immer hilfreich. Wenn Stress dazu führt, dass Emotionen hochkochen, müssen Mitarbeiter die Art und Weise anpassen, wie sie negative Gefühle kommunizieren“, sagt Jessie McClure, Senior Consultant und Teamleiterin bei Hogan Assessments.

Resilienz durch Selbstreflexion stärken

Nach Einschätzung des Unternehmens können Betroffene lernen, emotionale Reaktionen besser zu steuern. Dazu gehöre es, persönliche Auslöser für Frustration frühzeitig zu erkennen und in belastenden Situationen bewusst innezuhalten. Dies könne helfen, Konflikte zu vermeiden und unbeabsichtigte Auswirkungen auf Kolleg*innen zu reduzieren.

Für Unternehmen gehe es deshalb nicht nur darum, Beschäftigten an heißen Tagen ein angenehmes Arbeitsumfeld zu bieten. Ebenso wichtig sei es, die emotionale Belastung in Phasen hoher Unsicherheit und Veränderung im Blick zu behalten. Denn zusätzliche Stressfaktoren könnten bestehende Herausforderungen im Arbeitsalltag weiter verschärfen.