Die Arbeitswelt verändert sich kontinuierlich. Neue Formen der Zusammenarbeit und Arbeitsorganisation stellen die Mitarbeitenden der Unternehmen immer wieder vor neue Herausforderungen, die auch potenzielle Belastungen für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden sind. Deshalb sollten Führungskräfte, die sich der Vision Zero – also dem Ziel, arbeitsbedingte Erkrankungen in ihrem Umfeld konsequent zu vermeiden – verpflichtet fühlen, solche Veränderungen und Entwicklungen aufmerksam beobachten und gemeinsam mit ihren Teams hierfür geeignete Lösungen suchen.

Verflucht, an meinem Arbeitsplatz ist es extrem heiß

Zu den neuen Herausforderungen zählen auch die aufgrund des Klimawandels in den Sommermonaten gehäuft auftretenden Hitzewellen. Diese führen dazu, dass die Temperaturen an vielen Arbeitsstätten

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  • temporär ins Unerträgliche steigen,
  • das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeitenden belasten sowie
  • hre Konzentrations- und Leistungsfähigkeit mindern.

Häufige Hitzefolgen sind zudem Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Erschöpfung und Gereiztheit.

Die Belastungen unterscheiden sich an den verschiedenen Arbeitsplätzen jedoch erheblich: In Büros sind zwar häufig schlecht klimatisierte Räume ein Problem; in Produktionshallen, Werkstätten sowie auf Baustellen sind die Beschäftigten jedoch häufig noch deutlich höheren Temperaturen ausgesetzt.

Führung beginnt mit Zuhören

Führungskräfte, die sich dem Wohlergehen ihrer Mitarbeitenden – also Vision Zero – verpflichtet fühlen, sollten die Hitzebelastung nicht nur als ein organisatorisches Problem, sondern auch als ein gemeinsames Thema der Sicherheit, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit betrachten. Deshalb sollten sie mit ihren Mitarbeitenden eigeninitiativ in einen offenen Dialog hierüber treten. Geeignete Fragen hierfür sind:

  • Wie stark beeinträchtigen die aktuellen Temperaturen Sie und Ihre Arbeit?
  • Welche Faktoren sowie Tätigkeiten belasten Sie besonders stark?
  • Was hilft Ihnen persönlich, die Hitze besser zu ertragen?
  • Welche Maßnahmen würden Ihr Wohlbefinden steigern und Ihre Leistungsfähigkeit verbessern?
  • Welche Lösungen lassen sich kurzfristig und welche dauerhaft umsetzen?

Ein solcher Austausch signalisiert den Mitarbeitenden ein Wahrnehmen ihrer Person und Wertschätzung. Er schafft zudem die Grundlage für das Erarbeiten praktikabler Lösungen sowie Gegenmaßnahmen, die von den Mitarbeitenden mitgetragen werden.

Gemeinsam Lösungen entwickeln

Nicht jede potenzielle Maßnahme eignet sich für jeden Arbeitsplatz. Deshalb empfiehlt sich ein gemeinsamer Blick darauf, welche Lösungen sowohl den Bedürfnissen der Mitarbeitenden als auch des Betriebs gerecht werden.

In den Bürobereichen lassen sich oft bereits mit überschaubarem Aufwand deutliche Verbesserungen erzielen. Hierzu zählen:

  • das kostenlose Bereitstellen von gekühltem Trinkwasser und anderer alkoholfreier Getränke,
  • Wasserspender oder Getränkestationen in unmittelbarer Arbeitsplatznähe,
  • Ventilatoren oder mobile Klimageräte dort, wo dies technisch möglich ist,
  • wirksamer Sonnenschutz durch Jalousien, Rollläden oder Sonnenschutzfolien,
  • konsequentes Lüften in den frühen Morgenstunden,
  • das Reduzieren zusätzlicher Wärmequellen, zum Beispiel durch das Abschalten ungenutzter Geräte,
  • eine Lockerung der Bekleidungsvorgaben, soweit dies betrieblich möglich ist,
  • flexiblere Arbeitszeiten mit einem früheren Arbeitsbeginn,
  • verstärkte Homeoffice-Nutzung, sofern dort bessere Arbeitsbedingungen bestehen,
  • Verlagerung besonders anspruchsvoller Denk- und Planungsaufgaben in die kühleren Tageszeiten.

Mögliche Maßnahmen in der Produktion und in Werkstätten

In Produktionsbereichen stehen meist teils andere Lösungen im Vordergrund:

  • zusätzliche Trinkstationen mit gekühlten Getränken,
  • regelmäßige Trinkpausen und Erinnerung an ein ausreichendes Trinken,
  • mehr Erholungspausen in gekühlten oder schattigen Bereichen,
  • mobile Kühlanlagen oder leistungsfähige Ventilationssysteme,
  • technische Abschirmung besonders heißer Maschinen,
  • Anpassung der Arbeitsabläufe und Verlagerung der Schichtzeiten in kühlere Tageszeiten,
  • früherer Schichtbeginn während der Hitzeperioden,
  • geeignete leichte Arbeitskleidung mit guter Atmungsaktivität, soweit der Arbeitsschutz dies zulässt,
  • verstärkte Beobachtung von Anzeichen einer Überhitzung sowie klare Regelungen zum Umgang mit hitzebedingten Beschwerden.

Lösungen entstehen im Dialog

Meist stiften nicht einzelne Maßnahmen, sondern eine Kombination von ihnen den größten Nutzen. Führungskräfte sollten deshalb mit ihren Teams überlegen:

  • Welche Maßnahmen lassen sich sofort umsetzen?
  • Welche organisatorischen Veränderungen wären sinnvoll?
  • Welche Investitionen zahlen sich kurz- beziehungsweise langfristig aus?
  • Welche Erfahrungen haben einzelne Mitarbeitende bereits gesammelt?
  • Welche Ideen können wir von anderen Unternehmen oder Bereichen übernehmen?

Die Praxis zeigt: Führungskräfte, die ihre Mitarbeitenden an der Lösungssuche beteiligen, erhalten oft überraschend viele praxisnahe Vorschläge. Zudem steigt die Akzeptanz der beschlossenen Maßnahmen erheblich.

Gesundheit und Wirtschaftlichkeit schließen sich nicht aus

Bei Lösungen, die gewisse Investitionen erfordern, befürchten Unternehmen oft zunächst höhere Kosten. Die Erfahrungen im Bereich Gesundheitsvorsorge beziehungsweise Betriebliches Gesundheitsmanagement zeigen jedoch, dass vorbeugende Maßnahmen meist wirtschaftlich sinnvoll sind – speziell bei Herausforderungen wie den Hitzewellen, bei denen klar ist: Sie kehren wieder.

Mitarbeitende, die beispielsweise ausreichend trinken, bei angenehmeren Temperaturen arbeiten und ihre Arbeitszeit flexibel den Gegebenheiten anpassen können, bleiben auch bei extremen Außentemperaturen leistungsfähiger, machen weniger Fehler und fallen seltener aufgrund hitzebedingter Beschwerden aus. Zudem profilieren sich ihre Unternehmen durch ihre Vorsorgemaßnahmen als verantwortungsbewusste Arbeitgeber.

Vision Zero: Vorbereitet auf neue Risiken

Der Klimawandel zeigt beispielhaft, dass sich auch die Anforderungen im Bereich Gesundheitsvorsorge beziehungsweise Betriebliches Gesundheitsmanagement ständig verändern. Neue Belastungen entstehen meist schleichend und erfordern mit der Zeit immer dringlicher Lösungen. Führungskräfte, die den Vision-Zero-Gedanken leben, warten deshalb nicht, bis massive gesundheitliche Probleme auftreten. Sie suchen vielmehr frühzeitig das Gespräch mit ihren Mitarbeitenden, nehmen deren Bedürfnisse und Erfahrungen ernst und entwickeln mit ihnen Lösungen, die die Gesundheit und Leistungsfähigkeit und -bereitschaft gleichermaßen fördern.

Auch bezogen auf das Thema Hitzewellen gilt: Eine gute Führung zeigt sich unter anderem darin, dass sie einen Dialog ermöglicht, der die unterschiedlichen Interessen zusammenführt und gemeinsam praktikable Gegen- beziehungsweise Präventionsmaßnahmen entwickelt. So entsteht mit der Zeit eine Unternehmenskultur, in der Gesundheit kein Zufall ist, sondern das Ergebnis eines kontinuierlichen Austauschs und gemeinsamer Verantwortung.


Die Autor*innen

Thomas Achim Werner, Elke Katharina Meyer und Frank Nesemann,.
v.l.n.r. Thomas Achim Werner, Elke Katharina Meyer und Frank Nesemann,.© Positivity Guides

Zu den Autor*innen: Elke Katharina Meyer, Frank Nesemann und Thomas Achim Werner – bilden gemeinsam das Führungsteam der Unternehmensberatung Positivity Guides eGbR, Berlin/Braunschweig, die auf das Themenfeld Positive Führung und Positive Leadership spezialisiert ist. Unter der Mailadresse kontakt@positivity-guides.de können Interessierte den Guide „Positive Leadership – Key to VISION ZERO“ bei den Positivity Guides anfragen.