„Wir möchten, dass künftig die Arbeitswelt so gestaltet ist, dass kein Mitarbeitender mehr arbeitsbedingt erkrankt.“ Diesen Wunsch haben immer mehr Personen und Organisationen und werden zu Verfechtern der Vision Zero.
Die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage ist in vielen Unternehmen in den zurückliegenden Jahren rasant gestiegen – auch, weil der Arbeitsalltag in vielen Betrieben aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zumindest gefühlt immer stressiger wird.
Entsprechend stark stieg die Zahl der Verfechter der Präventionsstrategie Vision Zero. Hierbei handelt es sich um eine von der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (ISSA) entwickelte globale Strategie zum Vermeiden unter anderem von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, die die drei Dimensionen Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeitenden umfasst.
Die Anhänger dieser Strategie
- sind überzeugt, dass alle arbeitsbedingten Erkrankungen – auch die psychischen – vermeidbar sind, und
- verfolgen gemeinsam das ambitionierte Ziel, eine Arbeitswelt ohne Arbeitsunfälle sowie arbeitsbedingte Erkrankungen gleich welcher Art zu schaffen.
Die sieben Goldenen Regeln der Vision Zero
Die Strategie Vision Zero orientiert sich an sieben Golden Rules (Goldenen Regeln), die als Leitfaden für Arbeitgebende, Führungskräfte und Mitarbeitende zum Aufbau einer starken Präventionskultur in ihrer Organisation dienen.
Golden Rule 1: Take Leadership – Demonstrate Commitment
(Führung übernehmen – Engagement demonstrieren)
Das Management beziehungsweise die Führung muss mit gutem Beispiel vorangehen. Die Führungskräfte sind direkt für die Sicherheit am Arbeitsplatz verantwortlich und sollten ihr Engagement für das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden aktiv unter Beweis stellen, unter anderem indem sie die nötige Zeit, das erforderliche Budget und Personal hierfür bereitstellen.
Golden Rule 2: Identify Hazards – Control Risks
(Gefahren erkennen – Risiken kontrollieren)
Das Management und die Führungskräfte sollten regelmäßig Risikobewertungen durchführen, um potenzielle Gefahren systematisch zu erkennen, bevor es zu Unfällen, Erkrankungen sowie Personal- und eventuell Produktionsausfällen kommt. Ein proaktives, präventives Handeln ist der beste Weg, die Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz zu minimieren.
Golden Rule 3: Define Targets – Develop Programmes
(Ziele definieren – Programme entwickeln)
Wichtig sind klar definierte Entwicklungsziele zum Fördern der Sicherheit und Gesundheit – mit Fristen. Die Führungskräfte sollten hierauf aufbauend konkrete Aktionspläne und Maßnahmen entwerfen, deren Wirksamkeit anhand von Leistungskennzahlen messen sowie die Fortschritte an das Team kommunizieren.
Golden Rule 4: Ensure a Safe and Healthy System – Be Well-Organized
(Ein sicheres und gesundes System gewährleisten – gut organisiert sein)
Das Management und die Führungskräfte sollten eine zielführende Arbeitsschutzorganisation mit klaren Verantwortlichkeiten aufbauen. Diese sollte auch sicherstellen, dass alle Vorgesetzten – top-down – wie erforderlich geschult sind und die zur Zielerreichung nötigen Rahmenbedingungen existieren.
Golden Rule 5: Ensure Safety and Health in Machines, Equipment and Workplaces
(Sicherheit und Gesundheit an Maschinen, Anlagen und Arbeitsplätzen gewährleisten)
Sichergestellt muss auch sein, dass alle Maschinen, Werkzeuge und Anlagen den Sicherheitsstandards entsprechen. Des Weiteren muss ein ergonomisch optimal gestaltetes Arbeitsumfeld existieren – unter anderem mit einer angemessenen Beleuchtung, einem wirksamen Schutz vor Gefahrstoffen und zuverlässigen Notfallsystemen.
Golden Rule 6: Improve Qualifications – Develop Competence
(Die Qualifikationen verbessern – die nötigen Kompetenzen entwickeln)
Wichtig für die Zielerreichung ist zudem eine kontinuierliche, praxisorientierte Weiterbildung der Mitarbeitenden und Führungskräfte. Die Mitarbeitenden müssen über das für sie erforderliche aktuelle Know-how im Bereich Prävention und Gesundheitsschutz verfügen. Dies ist unerlässlich für das Aufrechterhalten sicherer Arbeitspraktiken und einer geschützten Arbeitsumgebung.
Golden Rule 7: Invest in People – Motivate by Participation
(In die Mitarbeitenden investieren – ihre Motivation durch Beteiligung steigern)
Das Fördern und Gestalten der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes sollte als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden werden. Die Führungskräfte sollten ihr Team zur Partizipation ermächtigen und befähigen sowie einen Führungsstil praktizieren, der zu einer aktiven Teilhabe motiviert.
Sich der Vision Zero Schritt für Schritt nähern
Entscheidend für das Realisieren der Vision Zero beziehungsweise dafür, dass eine Organisation sich diesem Ziel sukzessive nähert, ist eine Führung, die Orientierung gibt und das Verhalten gezielt verändert und beeinflusst. Das bringt die erste der sieben Golden Rules der Vision Zero „Take Leadership – Demonstrate Commitment“ auf den Punkt. Denn die Führungskräfte in den Unternehmen prägen – top-down – weitgehend die Rahmenbedingungen des Arbeitens ihrer Mitarbeitenden. Folglich haben sie auch einen Einfluss auf deren Wohlbefinden.
Also können sie, sofern bei ihnen ein Umdenken erfolgt und sie beim Führen verstärkt auf solche Positive-Leadership-Maximen wie
- Vertrauen und Wertschätzung,
- Sinnstiftung und Motivation,
- Förderung der individuellen Stärken sowie
- offene Kommunikation und psychologische Sicherheit
setzen, in ihrem Bereich auch ein Arbeitsumfeld kreieren, in dem Mitarbeitende sich wohler und sicherer fühlen und deshalb auch seltener erkranken.
Guide zum Realisieren der Vision Zero
Ein solches Führungsverständnis findet immer mehr Anhänger. Doch die Praxis zeigt: Ein entsprechendes Führungsverhalten im Arbeits- beziehungsweise Betriebsalltag nachhaltig zu zeigen, fällt vielen Führungskräften nicht leicht. Sie benötigen hierbei Unterstützung, zum Beispiel mittels
- Führungsleitlinien, die den Weg zum Ziel beschreiben
- Coachings, in denen sie ihr Führungsverhalten reflektieren,
- Trainings, in denen sie neue Verhaltens- beziehungsweise Reiz-Reaktions-Muster einüben,
- Foren, die dem Erfahrungsaustausch dienen.
Deshalb hat die ISSA mit Unterstützung der Positivity Guides einen internationalen Guide mit dem Titel „Positive Leadership – Key to Vision Zero“ entwickelt, der die erste Regel „Take Leadership – Demonstrate Commitment“ erstmals konkret und im Führungsalltag sichtbar sowie trainierbar macht. Dieser Guide ist in sechzehn Sprachen verfügbar und stellt ein wertvolles Tool dar, um die Vision Zero über Führung wirksam im Betriebs- beziehungsweise Führungsalltag umzusetzen. Gerne senden wir Ihnen diesen auf Anfrage.
Die Autor*innen

Zu den Autoren: Die drei Autoren – Elke Katharina Meyer, Frank Nesemann und Thomas Achim Werner – bilden gemeinsam das Führungsteam der Unternehmensberatung Positivity Guides eGbR, Berlin/Braunschweig, die auf das Themenfeld Positive Führung und Positive Leadership spezialisiert ist. Unter der Mailadresse kontakt@positivity-guides.de können Interessierte den Guide „Positive Leadership – Key to VISION ZERO“ bei den Positivity Guides anfragen.