Im August haben zwei Testreihen auf handwerkundbau.at und automotive.at ein widersprüchliches Bild ergeben. Bei Installateuren wechselte die KI-Suchmaschine Perplexity ihre Empfehlungen von Abfrage zu Abfrage fast vollständig, bei freien KFZ-Werkstätten nannte sie viermal hintereinander denselben Kern. Beides geschah innerhalb weniger Minuten, beides nur in einem System. Offen blieb, ob das auch für ChatGPT und den Google KI-Modus gilt und ob es über Wochen hält.
Deshalb folgt die Fortsetzung: Zwischen 18. August und 28. September habe ich an sieben Terminen dieselben drei Fragen gestellt: nach einem Installateur für eine Badsanierung, einer freien KFZ-Werkstatt für ein Service und einem Tischler für Möbel nach Maß, jeweils in Wien und wörtlich gleich. Die Fragen gingen an Perplexity, ChatGPT und den Google KI-Modus; jede Antwort samt Quellen wurde gesichert. Insgesamt waren es 53 Abfragen. Ab 31. August liefen alle drei Systeme an fünf Terminen parallel. Auf diese fünf Wochen beziehen sich die Zahlen.
Jedes System hat seine eigene stabile Branche
Die Werkstätten-Stabilität vom August hat gehalten, aber nur bei Perplexity: Zwei Werkstätten standen dort in allen fünf Wochen in der Antwort, zwei weitere in vier. Google nannte in derselben Branche 19 verschiedene Betriebe in fünf Antworten. Dafür hielt Google bei den Tischlern einen Kern, den Perplexity dort nicht hatte: Zwei Tischlereien wurden in allen fünf Wochen genannt, während Perplexity 33 verschiedene Betriebe nannte. Bei den Installateuren hatte keines der drei Systeme einen Kern.
| Branche | Perplexity | ChatGPT | Google KI-Modus |
|---|---|---|---|
| Installateur | 23 Betriebe, keiner öfter als dreimal | 13 Betriebe, die häufigsten viermal | 12 Betriebe, die häufigsten viermal |
| KFZ-Werkstatt | 19 Betriebe, zwei in allen fünf Wochen | 16 Betriebe, einer in allen fünf Wochen | 19 Betriebe, die häufigsten viermal |
| Tischler | 33 Betriebe, keiner öfter als dreimal | 17 Betriebe, keiner öfter als dreimal | 12 Betriebe, zwei in allen fünf Wochen |
Je Zelle: Wie viele verschiedene Betriebe das System in fünf Wochen genannt hat und wie oft der meistgenannte dabei war.
Stabil ist also weder ein System noch eine Branche, sondern die Kombination aus beidem. Wer wissen will, ob der eigene Betrieb in KI-Antworten vorkommt, muss deshalb zweimal fragen: in welchem System und wie beständig.
Drei Systeme, drei Listen
Empfehlen die Systeme wenigstens dieselben Betriebe? Am 14. September habe ich die Installateur-Frage innerhalb einer Stunde allen dreien gestellt. Das Ergebnis waren drei Listen mit zwölf verschiedenen Betrieben. Perplexity und Google teilten keinen einzigen, ChatGPT und Google drei, Perplexity und ChatGPT einen. Über die fünf Wochen hatten ChatGPT und Google bei den Installateuren nie mehr als drei Empfehlungen gemeinsam, am ersten Termin keine einzige.
In allen drei Systemen am selben Tag standen über die gesamte Reihe nur drei Betriebe: zwei Werkstätten und eine Tischlerei, kein einziger Installateur. Die Werkstatt, die ChatGPT in allen fünf Wochen empfahl, kam bei Perplexity ein einziges Mal vor und bei Google ebenfalls einmal. Der meistgenannte Betrieb der gesamten Reihe, ebenfalls eine Werkstatt, stand in elf von 15 Antworten. Kein anderer schaffte mehr als acht.
Für einen Betrieb heißt das: Die Kundschaft fragt irgendeine KI. Welche, erfährt der Betrieb nie. In einem System fest verankert zu sein, sagt über die beiden anderen nichts aus.
Woher die Empfehlung kommt
Bei Perplexity lässt sich nachlesen, welche Quellen hinter einer Antwort stehen. Über alle 23 Perplexity-Antworten ausgezählt, ergibt sich je Branche ein anderes Bild: Bei den Werkstätten stammten 85 Prozent der Quellen von den Websites der Betriebe selbst. Bei den Tischlern kamen 57 Prozent aus Verzeichnissen und Portalen. Bei den Installateuren waren es 45 Prozent, mit starken Ausschlägen: An zwei Terminen lieferte das WKO-Firmenverzeichnis einen großen Teil der Quellen, einmal sieben von 15, was die Antwort sogar selbst vermerkte. An den übrigen vier Terminen kam es gar nicht vor. ChatGPT zog es ebenfalls heran, mit Formulierungen wie „laut WKO bereits 1971 gegründet“.
Die Quelle ist aber nicht die Begründung. Bei den Werkstätten nannte Perplexity in jeder Antwort die Google-Bewertung samt Zahl der Rezensionen als Auswahlgrund, also Daten aus dem Unternehmensprofil, nicht von der Website. Eine Werkstatt stand in allen neun Werkstatt-Abfragen in der Quellenliste und kam trotzdem nie in die Hauptliste. Ihre Website wurde gelesen, ihr Profil trug die Empfehlung nicht. Zitiert zu werden und empfohlen zu werden sind zwei verschiedene Dinge.
Ein Nebenbefund vom letzten Termin: Google erkannte den Standort der fragenden Person, schrieb „Da du dich aktuell in Hernals befindest“ in die Antwort und richtete die Werkstatt-Empfehlungen daran aus. Je nachdem, von wo aus die Kundschaft fragt, kann die Liste anders aussehen.
Was Betriebe daraus machen können
In drei Systemen prüfen, nicht in einem. Dieselbe Frage, wie eine Kundin oder ein Kunde sie stellen würde, mit Leistung und Ort und ohne den eigenen Firmennamen, an Perplexity, ChatGPT und den Google KI-Modus richten. Wer nur in einem vorkommt, sollte wissen, in welchem.
Die Mechanik der eigenen Branche kennen. Wo Bewertungen entscheiden, wie bei den Werkstätten, führt kein Weg am Google-Unternehmensprofil vorbei. Wo Portale dominieren, wie bei den Tischlern, sind gepflegte Verzeichniseinträge der Einstieg. Die Quellenliste von Perplexity zeigt in wenigen Minuten, welcher Fall vorliegt.
Zwei Ebenen getrennt prüfen. Steht die eigene Website in den Quellen und der Betrieb im Antworttext? Wer nur in den Quellen steht, hat meist ein Profilproblem. Wer gar nicht vorkommt, hat meist keine eigene Seite zur gesuchten Leistung.
Fakten statt Werbesprache. Übernommen wird, was sich zitieren lässt: Gründungsjahr, Meisterbetrieb, einzeln benannte Leistungen, Bewertungen mit Zahl. Floskeln kamen in keiner Antwort vor.
Wiederholen. Eine Abfrage ist eine Momentaufnahme. Erst ein fester Termin im Monat mit wörtlich derselben Frage zeigt, ob eine Nennung Bestand hat.
Methodischer Hinweis: Sieben Messtermine zwischen 18.08. und 28.09.2026, drei Branchen, drei Systeme, 53 dokumentierte Abfragen. Perplexity und Google KI-Modus ohne Anmeldung, ChatGPT mit Konto. Stichprobe an einem Standort, keine repräsentative Erhebung. Alle Antworten mit Originaldateien: hier
Über den Autor

Christian Nejedly ist Inhaber von CNSolutions in Wien. Er unterstützt kleine und mittlere Betriebe bei ihrer digitalen Sichtbarkeit, von der Website über Suchmaschinen bis zur KI-gestützten Automatisierung.
