Österreich verfügt über herausragende KI-Kompetenzen, die jedoch in den allermeisten Unternehmen nicht ankommen. Zu diesem Ergebnis kommt der Report „Austrias AI workforce 2026“ der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. Die Studie wertete 2,86 Millionen Beschäftigungsdatensätze aus den Jahren 2018 bis 2025 aus und liefert erstmals ein umfassendes Bild der heimischen KI-Belegschaft.

Im europäischen Vergleich belegt Österreich unter 38 Ländern Rang 3 bei der technologischen Spezialisierung seiner KI-Fachkräfte und zählt damit zu den führenden Standorten Europas. Rund 60 Prozent der KI-Beschäftigten arbeiten in Wien. Bei der Verbreitung der KI-Kompetenzen im Verhältnis zur Gesamtbeschäftigung erreicht das Land hingegen nur Platz 19. 97 Prozent der heimischen Unternehmen beschäftigen keine KI-Spezialist*innen.

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Technologie-Adaption scheitert an Menschen

Die Autoren der Studie sehen das Kernproblem weniger in der Technologie selbst. „Modelle und Rechenleistung sind Commodity geworden – beides regelt der Markt. Was er nicht regelt, sind die Menschen“, sagt Christian Schumacher vom Institut für Strategisches Management der WU Wien. Can Tihanyi vom Institut für International Business der WU Wien ergänzt: „Wer ‚KI-Strategie‘ sagt und nicht ‚Menschen‘ meint, hat den Kern verfehlt: Adoption ist ein Personal-, kein IT-Thema. Technologie-Adaption scheitert fast nie an der Technologie. Sondern an den Menschen, die fehlen, sie in die Unternehmen zu tragen.“

Wachstumsdynamik verliert an Fahrt

Der Report zeigt zudem eine spürbare Abschwächung des Wachstums bei den hoch spezialisierten KI-Fachkräften. Nach einem Plus von 12,5 Prozent im Jahr 2024 wuchs die Zahl der sogenannten Core-AI-Beschäftigten 2025 nur noch um 7,1 Prozent. Das Wachstum verlor damit binnen eines Jahres mehr als 40 Prozent seiner Dynamik.

Spitzenkräfte wandern ab – besonders im ersten Jahr

Besonders brisant ist die Abwanderung qualifizierter Fachkräfte: 17,2 Prozent der Spezialist:innen in technologischen Build-Rollen verlassen Österreich im Laufe ihrer Karriere. In Bereichen wie Generative AI oder Natural Language Processing liegt die Quote sogar bei über 23 Prozent. Alarmierend ist, dass 44 Prozent aller Abwanderungen bereits im ersten Beschäftigungsjahr erfolgen. Hinzu kommt eine dünne Nachwuchsbasis: Nur sechs Prozent der KI-Beschäftigten in Österreich sind Einstiegskräfte – ausserhalb der KI-Branche sind es 23 Prozent.

„Österreich verliert nicht die Breite seiner KI-Fachkräfte, sondern seinen Platz im technologischen Spitzenfeld“, sagt Andreas Schumacher, Chief Innovation Officer und Vorstandsmitglied der VTU Group. „Wer hochqualifizierte KI-Expert:innen halten will, muss ihnen vom ersten Tag an attraktive Projekte, Entwicklungsperspektiven und fachliche Verantwortung bieten – genau im ersten Jahr entscheidet sich, ob jemand bleibt.“

Drei Handlungsempfehlungen für Politik und Institutionen

Aus den Befunden leiten die Studienautoren drei zentrale Handlungsfelder ab: Es brauche mehr Ausbildungskapazitäten für KI-Fachkräfte an den Universitäten. Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Betriebe, sollten durch gezielte KI-Readiness-Programme unterstützt werden – etwa durch Zugang zu geteilter Infrastruktur und Beratung. Zudem sind Massnahmen gefordert, um KI-Spezialist:innen langfristig in Österreich zu halten. Nicht jedes Unternehmen brauche dabei eigene KI-Teams, so die Autoren – Transferzentren könnten die Lücke schliessen.