Der Ölpreisschock infolge des Iran-Krieges hat die konjunkturelle Erholung der österreichischen Wirtschaft unterbrochen. Wie das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in seiner aktuellen Schnellschätzung mitteilt, stagnierte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem ersten Quartal (saison- und kalenderbereinigt). In den beiden Vorquartalen war die Wirtschaftsleistung noch jeweils um 0,2 Prozent gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ergab sich lediglich ein Zuwachs von 0,8 Prozent.

Der gestiegene Erdölpreis belastete die heimische Wirtschaft über höhere Energie- und Vorleistungskosten sowie die begleitende Verunsicherung. Auf der Angebotsseite zeigte sich ein uneinheitliches Bild: Die Industrie, die im ersten Quartal noch expandiert hatte, trat auf der Stelle. Im Bauwesen setzte sich der Wertschöpfungsrückgang bereits das fünfte Quartal in Folge fort. Unter den Dienstleistungen verzeichneten die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen den höchsten Zuwachs, während die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen und die öffentliche Verwaltung Einbußen hinnehmen mussten.

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Öffentliche Hand fällt als Konjunkturstütze aus

Nachfrageseitig stagnierten sowohl die privaten als auch die öffentlichen Konsumausgaben. Die öffentlichen Ausgaben waren im ersten Quartal noch kräftig gewachsen. Der öffentliche Sektor, der die Konjunktur in den vergangenen zwei Jahren mehrfach gestützt hatte, fiel damit vorerst als Impulsgeber aus. Einzig die Bruttoanlageinvestitionen legten leicht zu, während vom Außenhandel kaum Impulse kamen. Auf der Verteilungsseite stiegen sowohl die Lohneinkommen als auch die Kapitaleinkommen, wobei letztere deutlich kräftiger zulegten.

Wichtige Vorlaufindikatoren hellten sich zuletzt wieder auf. Der Wifo-Konjunkturklimaindex verbesserte sich im Juli gegenüber dem Vormonat, und der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex signalisierte den fünften Monat in Folge eine Ausweitung der Industrieproduktion. Diese Aufhellung ruht laut Wifo allerdings auf einer schmalen Basis: Der Teilindex zu den Neuaufträgen sank im Juli, jener zu den Exportaufträgen erreichte sogar den tiefsten Stand seit einem Jahr. Die jüngste Produktionsausweitung speise sich somit aus der Abarbeitung von Auftragsrückständen und dem vorsorglichen Aufbau von Materiallagern, nicht aus zusätzlicher Nachfrage.

Inflation geht zurück – Kernrate bleibt hoch

Der Preisauftrieb schwächte sich zuletzt ab, allerdings überwiegend aufgrund von Einmaleffekten. Gemäß der Schnellschätzung von Statistik Austria notierte der Verbraucherpreisindex im Juli 2026 um 2,7 Prozent über dem Vorjahresniveau, nach 3,2 Prozent im Juni. Rund die Hälfte des Rückgangs entfiel auf die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel, die am 1. Juli 2026 in Kraft trat. Die Kerninflation blieb mit 3,1 Prozent hoch, und die Energiepreise zogen etwas kräftiger an als im Vormonat.

Der Arbeitsmarkt entwickelte sich im Juli weiterhin robust. Die Arbeitslosenquote (nationale Definition) blieb mit 7,6 Prozent nahezu unverändert, und die unselbständig aktive Beschäftigung legte weiter zu. „Seit dem jüngsten Anstieg des Rohölpreises sind die Verkaufspreiserwartungen der Sachgütererzeugung wieder deutlich erhöht. Dies trübt die Aussicht auf eine Abschwächung des allgemeinen Preisauftriebs“, sagt Christian Glocker, Autor des aktuellen Wifo-Konjunkturberichts.