Der Wirtschaftsstandort Österreich steht nach Einschätzung vieler heimischer Führungskräfte vor erheblichen steuerlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Für den Deloitte Austrian Tax Survey 2026 wurden rund 300 Führungskräfte befragt. Drei Viertel der Befragten bewerten das steuerliche Umfeld in Österreich im europäischen Vergleich als herausfordernd. Hohe Steuern und Abgaben sowie Bürokratie werden dabei als wesentliche Belastungen für die Wettbewerbsfähigkeit genannt.
Auch das World Competitiveness Ranking des International Institute for Management Development (IMD) weist auf eine Verschlechterung der österreichischen Position hin: Österreich fiel laut Deloitte von Rang 26 auf Rang 29 zurück. Zu den im Ranking genannten Schwachstellen zählen demnach die Steuerpolitik und die öffentlichen Finanzen.
Komplexität des Steuersystems als Herausforderung
Neben der Höhe der Belastung beschäftigt die Unternehmen die Komplexität steuerlicher Regelungen. Drei Viertel der Befragten empfinden diese als herausfordernd. 62 Prozent nennen die Lohnabgaben als Herausforderung, 42 Prozent Betriebsprüfungen und Abgabenverfahren. Für 40 Prozent stellen steuerliche Compliance und Tax-Management-Prozesse ein relevantes Thema dar. „Das Steuersystem entwickelt sich zum Bremsklotz für die Wettbewerbsfähigkeit. Laut den Unternehmen braucht es endlich einen klaren Kurswechsel. Sie plädieren für eine allgemeine Steuerentlastung, eine Senkung der lohnabhängigen Abgaben sowie Rahmenbedingungen, die Investitionen fördern. Im internationalen Wettbewerb sind das entscheidende Faktoren, um Österreichs Attraktivität wieder zu erhöhen“, sagt Herbert Kovar, Managing Partner im Bereich Tax & Legal bei Deloitte Österreich in Wien.
Neben der Komplexität sehen die Befragten mangelnde Planungssicherheit als Problem. Mehr als die Hälfte gibt laut Deloitte an, dass politische Diskussionen über neue Steuern für Unsicherheit sorgen. Als weitere Herausforderungen werden häufige Gesetzesänderungen sowie aus Sicht der Befragten unklare oder widersprüchliche Interpretationen steuerlicher Regelungen durch die Finanzverwaltung genannt. „Wenn sich steuerliche Rahmenbedingungen laufend verändern und gleichzeitig neue regulatorische Anforderungen hinzukommen, wird unternehmerische Planung erschwert. Österreichs Unternehmerinnen und Unternehmer müssen sich wieder auf das Steuersystem verlassen können – sie brauchen klare Regeln und ausreichend Zeit für die Umsetzung neuer Vorgaben“, so Kovar.
Wirtschaftliche Lage sorgt für zusätzliche Unsicherheit
Zusätzlich zu den heimischen Rahmenbedingungen beschäftigen die Unternehmen internationale Entwicklungen. 63 Prozent der befragten Führungskräfte rechnen mit starken Auswirkungen der weltweiten geopolitischen Entwicklungen auf den österreichischen Standort und dessen Wettbewerbsfähigkeit.
Auch die allgemeine wirtschaftliche Stimmung fällt laut Erhebung zurückhaltend aus. 68 Prozent der Befragten bereitet die aktuelle wirtschaftliche Lage Sorgen. Jedes zweite befragte Unternehmen sieht die eigene Geschäftstätigkeit davon betroffen. Deloitte zufolge hat sich die Stimmung seit der Veröffentlichung des Deloitte Radar im Frühjahr 2026 weiter eingetrübt.
Deloitte leitet aus den Ergebnissen unter anderem Forderungen nach einer allgemeinen Steuerentlastung, einer Verringerung lohnabhängiger Abgaben, weniger Bürokratie und investitionsfreundlicheren Rahmenbedingungen ab. Kovar sieht steuerpolitische Maßnahmen dabei als Teil einer umfassenderen Standortstrategie, die Investitionen und Wachstum berücksichtigen müsse.
