Die unerlaubte Nutzung von künstlicher Intelligenz im beruflichen Umfeld nimmt zu. Wie aus einer repräsentativen Erhebung von Tieto Austria und TQS Research & Consulting hervorgeht, greift jede sechste berufstätige Person in Österreich (17 Prozent) auf KI-Assistenten zurück, ohne den Arbeitgeber darüber zu informieren. Nur ein Viertel der Befragten (23 Prozent) nutzt ausschließlich jene KI-Tools, die vom Unternehmen offiziell freigegeben wurden. Besonders jüngere Arbeitnehmer*innen setzen auf die sogenannte Schatten-KI. Bei den 16- bis 29-Jährigen sind es 24 Prozent, die heimlich KI-Assistenten verwenden. Regional zeigt sich ein klares Gefälle: Im Burgenland nutzen 27 Prozent der Berufstätigen nicht genehmigte KI-Anwendungen, in Salzburg sind es mit zehn Prozent deutlich weniger.

Fehlende Richtlinien bremsen KI-Einsatz

Ein wesentlicher Grund für den geringen Einsatz offizieller KI-Assistenten liegt in den Unternehmen selbst. Laut der Umfrage verzichten 24 Prozent der Berufstätigen derzeit auf KI, weil es im Betrieb an klaren Richtlinien fehlt. Weitere 18 Prozent geben an, den Ergebnissen von KI-Anwendungen nicht ausreichend zu vertrauen.

 Infografik Tortendiagramm „Nutzung von KI-Assistenten im Arbeitsalltag.
Infografik Tortendiagramm „Nutzung von KI-Assistenten im Arbeitsalltag” © Tieto

„Der KI-Einsatz im Job schreitet schneller voran, als Arbeitgeber mithalten können. Beschäftigte wollen ihre gewohnte private KI-Nutzung auch beruflich einsetzen, um produktiver zu arbeiten. Doch bei den technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen hinken heimische Unternehmen hinterher“, sagt Robert Kaup, Geschäftsführer von Tieto Austria.

Unternehmen reagieren unterschiedlich

In einer zweiten Befragung hat Tieto Austria 100 KI-Verantwortliche aus österreichischen Mittel- und Großunternehmen befragt. Die Mehrheit von 62 Prozent setzt demnach auf Prävention durch klare Richtlinien und genehmigte KI-Tools. Jeder fünfte Arbeitgeber (19 Prozent) akzeptiert jedoch bewusst ein Restrisiko und lässt die Nutzung nicht autorisierter KI-Assistenten zu. Lediglich 46 Prozent kontrollieren durch technische Maßnahmen, ob Mitarbeitende unerlaubte Tools verwenden.

Infografik Balkendiagramm „Reaktion der Arbeitgeber auf Schatten-KI“
Infografik Balkendiagramm „Reaktion der Arbeitgeber auf Schatten-KI“ © Tieto

„Schatten-KI ist ein Damoklesschwert für Unternehmen: Sie treibt die Produktivität, riskiert aber Datenschutzverletzungen, sobald Mitarbeitende vertrauliche Firmendaten in öffentliche KI-Plattformen eingeben. Wer jetzt keine klaren Regeln schafft, verliert die Kontrolle“, warnt Kaup.

Große regionale und bildungsbezogene Unterschiede

Insgesamt nutzen rund 40 Prozent der österreichischen Berufstätigen KI-Assistenten – sei es genehmigt oder heimlich. Männer sind mit 44 Prozent stärker vertreten als Frauen mit 36 Prozent. Die höchste Nutzungsquote zeigt sich im Burgenland, wo zwei Drittel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf KI-Tools zurückgreifen. In Salzburg und Kärnten sind es nur etwa ein Drittel.

© Thomas Unterberger

Robert Kaup, Geschäftsführer Tieto Austria

„KI-Assistenten sind in Österreichs Betrieben angekommen – aber oft durch die Hintertür. Das ist ein Warnsignal.“

Auch das Bildungsniveau spielt eine Rolle: Während 31 Prozent der Berufstätigen ohne Matura KI-Assistenten verwenden, sind es bei jenen mit Matura rund 53 Prozent und bei Studienabsolventinnen und -absolventen rund 66 Prozent. „KI-Assistenten sind in Österreichs Betrieben angekommen – aber oft durch die Hintertür. Das ist ein Warnsignal. Beschäftigte brauchen klare Richtlinien, genehmigte KI-Tools und gezielten Kompetenzaufbau. Nur so wird KI zum Produktivitätsfaktor statt zum unkontrollierten Risiko“, resümiert Kaup