Als österreichisches Klein- und Mittelunternehmen (KMU) ist man häufig auf externe Geldgeber angewiesen, etwa für Investitionen in Anlagen oder die Entwicklung neuer Produkte. Der erste Schritt führt meist zur Hausbank, wo ein Kredit aufgenommen wird. Auch Leasing von Maschinen, Firmenwägen oder technischer Ausstattung sowie Mietkauf zählen zu den etablierten Modellen. Darüber hinaus existieren jedoch zahlreiche weitere Finanzierungsformen, die zusätzliche Vorteile bieten können.

Laut einer Analyse der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) wurden Investitionen im Jahr 2024 zu 22,6 Prozent über Bankkredite, zu 43 Prozent über den Cashflow und zu knapp 21 Prozent über Förderungen finanziert. Alternative Finanzierungsformen haben dabei noch Wachstumspotenzial: 5,7 Prozent der Unternehmen nutzten diese, 11,8 Prozent ziehen sie künftig in Betracht. Klassische Modelle bleiben somit relevant, doch das Interesse an ergänzenden Wegen steigt.

Steigende Anforderungen

Mittelständische Unternehmen sehen sich bei der klassischen Bankfinanzierung zunehmend mit strengeren Anforderungen konfrontiert, insbesondere bei Sicherheiten. Gleichzeitig wächst der Investitionsbedarf erheblich: Digitalisierung, Automatisierung sowie die Energiewende mit neuen Effizienzauflagen und dynamischen Stromtarifen erfordern hohe finanzielle Mittel.

Um diese Transformation zu bewältigen, ohne die laufende Liquidität zu gefährden, setzen einige KMU auf einen flexiblen Finanzierungsmix. Klassische Kredite werden mit Alternativen wie Leasing, Factoring oder Mezzanine-Kapital – eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital, bei der Investoren einem Unternehmen Kapital bereitstellen, das im Insolvenzfall nachrangig behandelt wird, dafür aber meist höhere Renditen oder Beteiligungsrechte bietet – kombiniert. Ziel ist es, finanziellen Spielraum zu sichern und unabhängiger von restriktiven Bankauflagen zu werden.

„Das Olivenbäumchen-Darlehen haben wir 2019 ins Leben gerufen. Die Idee war, einen alternativen Finanzierungsweg zu schaffen, der zu unseren Werten passt: transparent, partnerschaftlich und nachhaltig“, sagt Christoph Löschenbrand-Bläuel, Geschäftsführung bei Mani Bläuel Bio Olivenöl & Oliven. Das Unternehmen mit Sitz in Wien ist seit über 40 Jahren eng mit Griechenland und lokalen Olivenbauern verbunden – und suchte bewusst nach neuen Finanzierungswegen, die dieser gelebten Verbindung vor Ort gerecht werden.

Nachhaltiges Modell

Sowohl ökologische als auch ökonomische Überlegungen führten zur Entwicklung des Olivenbäumchen-Darlehens. „Wir wollten Projekte bankenunabhängig realisieren und gleichzeitig den biologischen Anbau in Griechenland sowie nachhaltiges Wirtschaften stärken. Zudem wollten wir Kund*innen und Fans ermöglichen, sich direkt an unseren Projekten zu beteiligen“, erklärt Löschenbrand-Bläuel. Anleger*innen können zwischen 500 und 50.000 Euro investieren. Mit diesen Mitteln werden nicht nur betriebliche Aktivitäten finanziert, sondern auch zahlreiche Projekte realisiert. Aktuell beteiligen sich über 850 Investor*innen – vorwiegend aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Christoph Löschenbrand-Bläuel, Geschäftsführung bei Mani Bläuel Bio Olivenöl & Oliven. © Mani Bläuel GmbH

„Das Olivenbäumchen-Darlehen haben wir 2019 ins Leben gerufen. Die Idee war, einen alternativen Finanzierungsweg zu schaffen, der zu unseren Werten passt: transparent, partnerschaftlich und nachhaltig.“

Die größte Investition floss in die „gläserne Fabrik“, in der auch Führungen und Verkostungen stattfinden. Seit der Eröffnung 2023 konnten sich rund 10.000 Besucher*innen ein Bild vom Unternehmen machen. Weitere Projekte umfassen die Reaktivierung einer stillgelegten Wasserquelle, die heute mithilfe einer Solarpumpe sowohl die Produktion als auch das Nachbardorf Pyrgos versorgt, sowie Initiativen wie „Lyso’s Kräutergarten“, ein integratives Ausbildungsprojekt für junge Menschen mit Behinderung. Auch finanziell profitieren die Investor*innen von ihrer Einlage: Sie können zwischen einer vierprozentigen Verzinsung in Form eines jährlichen Warengutscheins oder einer dreiprozentigen Verzinsung als Überweisung auf ihr Bankkonto wählen.

Nachrangig & digital

Ein weiteres Beispiel für alternative Finanzierung liefert Kapo Fenster und Türen aus Hartberg in der Steiermark. Das Unternehmen, das auf nachhaltige Produktion setzt, startete gemeinsam mit der österreichischen Plattform Conda eine nachrangige Unternehmensanleihe. Investor*innen wird ein fixer Zinssatz von acht Prozent pro Jahr geboten, eine Beteiligung ist bereits ab 250 Euro möglich. „Durch die Anleihe verbessern wir unsere Eigenkapitalquote, was Banken ermöglicht, bei Bedarf zusätzliches Fremdkapital bereitzustellen. Gleichzeitig hat sich durch unsere Investitionen die Bilanzsumme verdreifacht, wodurch sich unser Eigenkapital rechnerisch um zwei Drittel reduziert hat“, erklärt Geschäftsführer Stefan Polzhofer.

Stefan Polzhofer, Geschäftsführer Kapo Fenster und Türen. © KAPO Fenster und Türen GmbH

„Durch die Anleihe verbessern wir unsere Eigenkapitalquote, was Banken ermöglicht, bei Bedarf zusätzliches Fremdkapital bereitzustellen.“

Ein weiterer Beweggrund für die Wahl der Plattform Conda war die Steigerung der Bekanntheit bei Endkund*innen. „Zudem bauen wir eine langfristige Community an Investor*innen auf, die wir auch künftig einbinden können. Das stellt uns finanziell breiter auf“, so Polzhofer. Parallel dazu verfolgt Kapo nachhaltige Ziele: Das Unternehmen verzichtet auf bioziden Holzschutz und schafft so die Grundlage für Kreislaufwirtschaft. Interessierte Kund*innen profitieren von einer verlängerten Garantie inklusive Rücknahmeverpflichtung sowie einem umfassenden Service- und Wartungsvertrag. Auch bei der Energieversorgung geht Kapo ambitionierte Schritte – eine bestehende Photovoltaik-Anlage mit 111 kWp soll schrittweise auf 600 kWp erweitert werden, um langfristig vollständige Energieautarkie zu erreichen.

Strategischer Mix

Was die beiden Beispiele eint: Sie nutzen alternative Finanzierungsformen nicht als Ersatz, sondern als strategische Ergänzung. Ob Olivenbäumchen-Darlehen oder nachrangige Anleihe – beide Wege schaffen Nähe zu den Unterstützer*innen, kommunizieren Werte und erhöhen die finanzielle Unabhängigkeit. Für KMU in Österreich eröffnet sich damit ein neuer Spielraum, um Investitionen zu stemmen, ohne sich allein an klassischen Bankkriterien auszurichten.