Die Vorbereitungen auf die EU-Entgelttransparenzrichtlinie kommen in Österreichs Unternehmen nur schleppend voran. Das geht aus einer aktuellen Erhebung von Deloitte hervor, für die rund 500 Unternehmensvertreter*innen befragt wurden. Demnach gibt mehr als ein Viertel (28 Prozent) derzeit keine Informationen zum durchschnittlichen Entgelt an die Mitarbeitenden weiter. In jedem fünften Betrieb (21 Prozent) ist die Einsicht lediglich auf Anfrage möglich. Nur in 20 Prozent der Unternehmen sind sämtliche Entgeltinformationen für alle Beschäftigten leicht zugänglich.
Die Richtlinie soll für mehr Einkommensgerechtigkeit insbesondere zwischen Männern und Frauen sorgen und muss spätestens am 7. Juni in nationales Recht umgesetzt sein. Trotz des nahenden Stichtages ist der Informationsstand in den Betrieben gering. Zwei Drittel (65 Prozent) wissen laut eigenen Angaben kaum oder gar nicht über die bevorstehenden Anforderungen Bescheid. Auch mögliche rechtliche Konsequenzen bei einer Nichtumsetzung sind der Mehrheit (59 Prozent) nicht bekannt.
Hoher Aufwand und unklare Definitionen
Obwohl viele die Anforderungen nicht kennen, geht mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) von einem sehr oder eher hohen Umsetzungsaufwand aus. Als zentrale Herausforderungen nennen 44 Prozent unklare Definitionen von gleicher und gleichwertiger Arbeit. Kulturelle Barrieren sehen 33 Prozent als Hindernis. Erst ein Viertel der Unternehmen hat laut Studie erste Schritte zur Umsetzung gesetzt.
„Mangels Gesetzesentwurf fehlt es aktuell an einer Grundlage, um rechtssicher handeln zu können“, sagt Stefan Zischka, Partner bei Deloitte Legal. „Seitens der Politik muss hier dringend gehandelt werden. Die Unternehmen können ihren Verpflichtungen nur dann nachkommen, wenn sie die rechtlichen Rahmenbedingungen kennen und verstehen.
Kritische Haltung gegenüber der Richtlinie
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie stößt nicht bei allen Unternehmensvertreter*innen auf Zustimmung. Während 17 Prozent der Umsetzung an sich kritisch gegenüberstehen, erwarten 48 Prozent keinen positiven Einfluss auf die Einkommensgerechtigkeit in den Betrieben. Ein Großteil (43 Prozent) wünscht sich einen möglichst geringen administrativen Aufwand. 38 Prozent hoffen im Fall einer Nichteinhaltung zunächst auf Kulanz und Beratung statt auf unmittelbare Sanktionen.
„Noch fehlt es an flächendeckendem Vertrauen in die Richtlinie. Wenn sie primär als bürokratische Last wahrgenommen wird, wird sie ihr Ziel nicht erreichen“, sagt Elisa Aichinger, Partnerin bei Deloitte in Österreich. „Umso wichtiger ist es jetzt, den konkreten Nutzen klarer zu vermitteln und die Umsetzung praxistauglich zu gestalten.“