Während sich viele Arbeitnehmer*innen in Europa auf die Sommerpause vorbereiten, zeichnet sich laut aktuellen Daten ein anhaltender Bedarf an Erholung ab. Der aktuelle Bericht zur Lage des globalen Arbeitsplatzes von Gallup zeigt, dass Europa weltweit die niedrigste emotionale Bindung von Beschäftigten an ihren Arbeitsplatz aufweist. Demnach geben nur zwölf Prozent an, sich emotional mit ihrem Arbeitsplatz verbunden zu fühlen. 73 Prozent fühlen sich nicht verbunden, und fast vier von zehn berichten von erheblichem Stress während eines großen Teils des Vortages.

Für Unternehmen beginnt nach dem Sommer häufig eine besonders intensive Phase. Jahresendziele, größere Projekte, Budgetplanungen und steigende Arbeitsbelastungen prägen vielerorts die zweite Jahreshälfte. Dabei werde laut Hogan Assessments ein wesentlicher Faktor häufig unterschätzt: die Erholung der Mitarbeitenden.

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Erholung ist individuell

„Die meisten Menschen betrachten Leistung und Erholung als voneinander getrennt, aber sie sind eng miteinander verbunden“, sagt Ryne Sherman, Chief Science Officer bei Hogan Assessments und Co-Host des Podcasts „The Science of Personality“ in Tulsa, Oklahoma, USA. „Die Schwierigkeit besteht darin, dass sich nicht alle Menschen auf dieselbe Weise erholen. Was einer Person hilft, energiegeladen und belastbar zurückzukommen, kann bei einer anderen bewirken, sich genauso erschöpft wie zuvor zu fühlen.“

Während manche Menschen durch soziale Aktivitäten neue Energie gewinnen, bevorzugen andere ruhigere Umgebungen oder kleinere Gruppen. Zeit mit Familie, Freund*innen oder Kolleg*innen könne für viele Menschen erholsam sein, während andere stärker von Rückzug und Unabhängigkeit profitieren.

Laut Sherman gehe es weniger darum, welcher Ansatz der richtige sei, sondern vielmehr darum zu erkennen, welche Aktivitäten Energie spenden und welche Energie kosten. „Der Fehler, den viele Menschen machen, besteht darin, anzunehmen, dass sie sich auf die gleiche Weise erholen sollten wie alle anderen“, sagt Sherman. „Eine effektive Erholung beginnt oft damit, zu verstehen, wodurch Sie sich wirklich erholen.“

Aktivität statt Stillstand

Erholung muss nicht zwangsläufig mit Ruhe oder Passivität verbunden sein. Für manche Menschen können sportliche Herausforderungen, Reisen oder das Erlernen neuer Fähigkeiten eine wichtige Quelle der Regeneration sein.

Ob anspruchsvolle Wanderungen in den Alpen, Radtouren oder das Verfolgen persönlicher Ziele außerhalb des Berufslebens – solche Aktivitäten könnten laut Hogan Assessments ein Gefühl von Fortschritt und persönlichem Erfolg vermitteln. „Erholung bedeutet nicht immer, weniger zu tun. Manchmal bedeutet es, Energie auf etwas zu lenken, das sich bedeutsam anfühlt“, erläutert Sherman.

Raum für Reflexion

Neben Aktivität könne auch bewusstes Entschleunigen eine wichtige Rolle spielen. In einer Arbeitswelt, die von ständiger Erreichbarkeit geprägt ist, gewinnen Phasen der Reflexion und des Abschaltens an Bedeutung. Möglichkeiten dafür bieten etwa Aufenthalte in der Natur, Wanderungen oder ruhige Tage abseits beruflicher Verpflichtungen. „Bei Erholung geht es nicht nur darum, der Arbeit zu entkommen“, sagt Sherman. „Es geht darum, die Bedingungen zu schaffen, die es den Menschen ermöglichen, mit neuer Energie, Konzentration und Resilienz zurückzukehren.“

Trotz vergleichsweise hoher Lebenszufriedenheit bleibt die emotionale Bindung an den Arbeitsplatz in Europa laut Gallup niedrig. Fast die Hälfte der Europäerinnen und Europäer bezeichnet sich demnach als erfolgreich, gleichzeitig fühlen sich nur zwölf Prozent mit ihrem Arbeitsplatz verbunden. „Zu verstehen, wie einzelne Personen sich erholen, könnte immer wichtiger werden, um Leistung aufrechtzuerhalten, Burnout zu vermeiden und die Mitarbeitenden dabei zu unterstützen, bereit für kommende Herausforderungen an den Arbeitsplatz zurückzukehren“, fasst Sherman zusammen.