Mehr als 70 Expert*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Logistik diskutierten beim 33. Österreichischen Logistiktag des Vereins Netzwerk Logistik (VNL) im Design Center Linz über aktuelle Herausforderungen für Lieferketten und Versorgungssysteme. Unter dem Motto „Im Umbruch agieren“ standen geopolitische Entwicklungen, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI), Robotik sowie neue Anforderungen an Produktivität und Versorgungssicherheit im Fokus. Auch Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer nahm an der Veranstaltung teil. Nach Angaben des Veranstalters verdeutlichte seine Präsenz die zunehmende Bedeutung von Logistik als wirtschafts- und industriepolitisches Thema.

Lieferketten als Wettbewerbsfaktor

Franz Staberhofer, Obmann des Vereins Netzwerk Logistik und Vizepräsident des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) in Linz, betonte in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung konkreter Umsetzungsmaßnahmen. Nach dem Erkennen von Herausforderungen und dem Treffen strategischer Entscheidungen müsse nun das Handeln im Vordergrund stehen.

Technologien wie Künstliche Intelligenz seien laut Staberhofer nur dann relevant, wenn sie in Beschaffung, Produktion, Lagerhaltung, Transport oder Qualifizierung tatsächlich Wirkung entfalten. KI sei kein Selbstzweck und könne Führung, Erfahrung und Zusammenarbeit nicht ersetzen. Erst das Zusammenspiel von Menschen, Anwendungen und Prozessen führe zu höherer Produktivität.

Darüber hinaus verwies Staberhofer auf das Ziel, Österreich bis 2035 zu einem der wettbewerbsfähigsten Industriestandorte zu entwickeln. Voraussetzung dafür seien bessere Kostenpositionen, höhere Wertschöpfung und neue Geschäftsmodelle.

Geopolitische Risiken verändern die Supply Chains

Ein Schwerpunkt der Veranstaltung war die zunehmende Bedeutung geopolitischer Entwicklungen für globale Lieferketten. Handelskonflikte, Zölle und neue Krisenherde würden laut den Vortragenden die Anforderungen an Beschaffung, Standortwahl und Transportnetzwerke verändern.

Im Rahmen des Programmschwerpunkts „Geopolitische Unsicherheit: Wie reagieren wir in der Supply Chain?“ diskutierten Fachleute über Strategien für widerstandsfähigere Lieferketten. Transparenz, Diversifizierung und digitale Steuerungsmöglichkeiten gelten dabei als zentrale Faktoren.

„Globale Supply-Chain-Herausforderungen der 2020er Jahre erfordern ein gesamtheitliches Supply-Chain- und Risikomanagement. Strategisches Supply Chain Management war noch nie so wichtig wie heute“, sagte Markus Leopoldseder, Partner bei McKinsey & Company Austria in Wien.

Auf die Abhängigkeit Europas bei kritischen Rohstoffen verwies Michael Tost, Professor an der Montanuniversität Leoben in Leoben. „Europa wird bei vielen wichtigen Metallen und Industriemineralien noch mindestens fünf bis zehn Jahre vor allem von China abhängig bleiben“, erklärte Tost.

Resilienz durch Zusammenarbeit

Ein weiteres Thema war die Bedeutung internationaler Partnerschaften. Laut Staberhofer entstehe die Widerstandskraft von Lieferketten nicht durch Abschottung, sondern durch belastbare Netzwerke. Dazu gehörten langfristige Beziehungen zu Lieferanten, Kunden, Dienstleistungsunternehmen und Forschungseinrichtungen.

Digitale Transparenz, KI-gestützte Planung und modernes Risikomanagement könnten Entscheidungen beschleunigen und verbessern. Dauerhafte Resilienz entstehe jedoch erst durch das Zusammenspiel von Daten, Prozessen und Vertrauen.

Zum Abschluss formulierte der VNL mehrere Handlungsfelder für Unternehmen. Dazu zählen die produktive Nutzung neuer Technologien, der Aufbau robuster Partnernetzwerke, die Qualifizierung von Fachkräften sowie die wirtschaftlich umsetzbare Gestaltung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Transformation müsse dabei in den operativen Prozessen stattfinden – von der Intralogistik über Lager und Transport bis hin zur Beschaffung.