Der Verein Netzwerk Logistik (VNL) hat im Rahmen des Österreichischen Logistiktages in Linz zum 18. Mal den Österreichischen Logistikpreis vergeben. Ausgezeichnet wurde Gurkerl.at für ein Automatisierungsprojekt im Online-Lebensmittelhandel. Laut VNL zeigt das Projekt, wie sich steigende Bestellvolumina mit kurzen Lieferzeiten und hoher Prozesssicherheit verbinden lassen.
Der Online-Lebensmittelhandel stellt hohe Anforderungen an die Logistik. Frische Produkte, gekühlte Waren sowie Haushalts- und Drogerieartikel müssen verfügbar sein, korrekt kommissioniert und innerhalb enger Zeitfenster zugestellt werden. Gurkerl.at hat dafür sein Fulfillment Center in Wien umfassend modernisiert und zahlreiche Abläufe automatisiert.
Automatisierung für steigende Bestellmengen
Kern der neuen Lösung sind zwei AutoStore-Systeme mit mehr als 36.000 Behältern und über 200 Robotern. Die Systeme decken unterschiedliche Temperaturbereiche ab und unterstützen Lagerung sowie Kommissionierung. Ergänzt werden sie durch vier KI-gestützte Roboterarme, die vorbereitende Kommissionierschritte übernehmen und Produkte in Lagerbehältern konsolidieren.
„Der Österreichische Logistikpreis 2026 hat eindrucksvoll bewiesen, dass unsere Unternehmen die großen Transformationsfragen unserer Zeit aktiv gestalten. Die drei Finalisten Lidl Österreich, Voestalpine Stahl und Gurkerl.at stehen stellvertretend für die enorme Innovationskraft des Wirtschaftsstandortes“, sagte Veit Kohnhauser, Geschäftsführer des VNL in Linz und Vorsitzender der Fachjury.
Auch Markus Achleitner, Wirtschafts-Landesrat des Landes Oberösterreich in Linz, verwies bei der Preisverleihung auf die Bedeutung leistungsfähiger Lieferketten für den Wirtschaftsstandort. Das ausgezeichnete Projekt zeige, wie Automatisierung, Robotik und intelligente Software zu einem integrierten Gesamtsystem verbunden werden könnten.
Software steuert Prozesse in Echtzeit
Eine zentrale Rolle übernimmt die von Gurkerl.at entwickelte Software. Das Warehouse Execution System steuert laut Unternehmen Wareneingang, Bestandsmanagement, Kommissionierung, Versand und Tourenplanung in Echtzeit. Darüber hinaus koordiniert das System die Automatisierungstechnik und verteilt Bestände innerhalb des Lagers.
Die Verbindung von Lager und Zustellung ist ein weiterer Bestandteil des Projekts. Kommissionierte Bestellungen werden zunächst im AutoStore-System zwischengelagert, automatisch nach Lieferrouten sortiert und zum jeweiligen Auslieferungszeitpunkt bereitgestellt.
Nach Unternehmensangaben werden rund 70 Prozent aller Bestellungen vollständig automatisiert abgewickelt. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liege bei etwa 30 Minuten. Zudem würden 94 Prozent der Lieferungen ohne Verspätung, Reklamation oder Ersatzprodukt erfolgen. Seit der Einführung der Automatisierung sei die Produktivität des Fulfillment Centers um rund 50 Prozent gestiegen, während das Bestellvolumen um mehr als 200 Prozent gewachsen sei.
Weitere Finalisten ausgezeichnet
Zu den drei Finalisten des Österreichischen Logistikpreises 2026 zählte neben Gurkerl.at auch Lidl Österreich. Das Unternehmen verfolgt mit dem Projekt „Zero Emission Supply Chain“ das Ziel, die Lieferkette schrittweise emissionsfrei zu gestalten. Dazu werden Elektro-Lkw, Ladeinfrastruktur, Energieversorgung und digitale Planungssysteme miteinander verknüpft.
Ebenfalls im Finale vertreten war Voestalpine Stahl mit dem Projekt „wellDun“. Dabei handelt es sich um ein Stausystem für den Transport von Stahl-Coils auf Basis speziell entwickelter Wellpappe. Laut Unternehmen sollen dadurch Logistikkosten je Container um 20 Prozent und der CO₂-Fußabdruck um 90 Prozent reduziert werden können.