Für neun von zehn Unternehmen in Österreich ist es im Vergleich zum Vorjahr weiterhin schwierig, geeignetes Personal zu finden. Das zeigt der aktuelle Austrian Business Check des KSV1870, für den im März 2026 rund 1.100 Unternehmen befragt wurden. Als wesentliches Problem nennen die Betriebe den Mangel an passend qualifizierten Fachkräften. Gleichzeitig planen 57 Prozent der Unternehmen, ihren Personalstand unverändert zu halten. Zwölf Prozent rechnen mit einem Personalabbau, während 13 Prozent zusätzliche Mitarbeitende einstellen möchten.

Der Fachkräftemangel zählt für 23 Prozent der befragten Unternehmen zu den größten aktuellen Herausforderungen. Laut den Ergebnissen wirken sich derzeit jedoch vor allem das hohe Kostenniveau sowie eine schwache Nachfrage auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. „Der Fachkräftemangel beschäftigt Österreichs Unternehmen weiterhin massiv. Noch stärker wirken derzeit nur das hohe Kostenniveau und die schwache Nachfrage in Form einer verhaltenen Auftragslage und deutlichen Konsumzurückhaltung“, sagt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding, in Wien.

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Mismatch zwischen Qualifikation und Bedarf

Die Umfrage zeigt, dass 64 Prozent der Unternehmen die Personalsuche unverändert schwierig einschätzen, weitere 24 Prozent empfinden sie sogar als schwieriger als im Vorjahr. Lediglich rund acht Prozent berichten von einer Verbesserung.

Als Hauptursachen nennen die Betriebe Defizite bei Qualifikation und Ausbildung, den Mangel an verfügbaren Fachkräften sowie eine sinkende Arbeitsmoral. Besonders angespannt ist die Situation laut Umfrage in Vorarlberg sowie im Gesundheits- und Sozialwesen und im Baugewerbe.

„Der Mangel an Arbeitskräften ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern vielmehr ein strukturelles Problem, das auch dem demografischen Wandel geschuldet ist. Gleichzeitig gibt es viele Menschen, die Arbeit suchen, jedoch fehlen häufig die notwendigen Qualifikationen – auch in Anbetracht sich verändernder Berufsbilder. Diese Diskrepanz bremst Betriebe, erschwert ihre Entwicklung und kostet Wachstumspotenziale“, sagt Ricardo-José Vybiral.

Zurückhaltung bei Neueinstellungen

Die wirtschaftliche Situation wirkt sich auch auf die Personalplanung aus. Während mehr als die Hälfte der Unternehmen ihren Personalstand stabil halten möchte, ziehen zwölf Prozent einen Stellenabbau in Betracht. In Wien liegt dieser Anteil bei 16 Prozent. In der Gastronomie und Beherbergung planen 18 Prozent der Betriebe einen Personalabbau, obwohl dort gleichzeitig ein erheblicher Arbeitskräftemangel besteht. Nach Angaben des KSV1870 hängt die Personalentwicklung bei weiteren 18 Prozent der Unternehmen vom wirtschaftlichen Verlauf des Jahres ab.

Offene Stellen bleiben häufig unbesetzt

74 Prozent der Unternehmen besetzen frei werdende oder offene Stellen nicht vollständig nach. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um fünf Prozentpunkte. Besonders häufig verzichten Unternehmen im Verlags- und Medienwesen, in der Informationstechnologie sowie in der Gastronomie und Beherbergung auf eine vollständige Nachbesetzung. „Die Vorsicht bei Nachbesetzungen mag aus einem wirtschaftlichen Kontext heraus nachvollziehbar sein, doch geht damit auch die Chance auf neue Ideen und frischen Wind verloren, die für den langfristigen Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit essenziell wären“, sagt Ricardo-José Vybiral.