Der Wechsel in eine Führungsposition verändert mehr als die Visitenkarte. Wer ein Team übernimmt, trägt Verantwortung für Ziele und Ergebnisse, soll Entscheidungen treffen, Aufgaben delegieren, Konflikten vorbeugen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterentwickeln. Umso wichtiger ist es, sich früh darüber klar zu werden, was die neue Rolle tatsächlich bedeutet. Je klarer sich eine Führungskraft ihrer (neuen) Rolle ist, umso eher kann Führung gelingen. Folgende acht Fragen verstehen sich dabei nicht als vollständiges Führungsmodell, sondern als praxiserprobte Orientierung für Führungskräfte unterschiedlicher Ebenen.
1. Was ist meine Rolle?
Die scheinbar einfachste Frage steht bewusst am Anfang. Wer führt, sollte wissen, was von dieser Funktion erwartet wird – und wie sich die neue Rolle von der bisherigen unterscheidet. Gerade beim Aufstieg aus einem bestehenden Team ist diese Klärung wichtig.
2. Welche Aufgaben und Ziele gehören zu meiner Rolle?
Nicht alles, was anfällt, ist automatisch Aufgabe der Führungskraft. Entscheidend ist deshalb, die eigenen Führungsaufgaben und die damit verbundenen Ziele zu definieren. Das hilft auch dabei, operative Tätigkeiten von tatsächlicher Führungsverantwortung zu unterscheiden.
3. Was darf ich entscheiden – und was nicht?
Verantwortung braucht Entscheidungsbefugnisse. Neue Führungskräfte sollten deshalb möglichst genau wissen, welche Entscheidungen sie selbst treffen können und wo ihre Kompetenzen enden. Unklare Zuständigkeiten erschweren nicht nur die eigene Arbeit, sondern können auch im Team für Unsicherheit sorgen.
4. Wofür trage ich Verantwortung?
Zur Führungsverantwortung zählen Vertrauen und Zielerreichung ebenso wie Teamergebnisse, Entscheidungen und Problemlösungen. Auch Konfliktprävention, Delegation, Kommunikation, Zusammenarbeit und das gemeinsame Lernen aus Fehlern gehören dazu. Nicht zuletzt trägt eine Führungskraft Verantwortung für die Weiterentwicklung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den Teamgeist.
5. Welche Erwartungen muss ich erfüllen?
Mit einer neuen Position entstehen Erwartungen – von Vorgesetzten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und häufig auch an sich selbst. Doch nicht jede Erwartung ist berechtigt. Es empfiehlt sich deshalb zu klären, welche Anforderungen tatsächlich zur eigenen Rolle gehören. Führung bedeutet in diesem Zusammenhang auch, Grenzen zu setzen und Orientierung zu geben.
6. Welche Spielregeln gelten im Team?
Wie soll miteinander gearbeitet werden? Welche Standards sollen gelten? Gemeinsame „Spielregeln“ schaffen Verbindlichkeit. Entscheidend ist, dass sie nicht nur der Führungskraft klar sind, sondern im Team gemeinsam verstanden und gelebt werden.
7. Wie organisieren wir unsere Kommunikation?
Zusammenarbeit braucht einen verlässlichen Austausch. Eine regelmäßige Meetingstruktur mit wenigen, hilfreichen und vor allem kurzen Formaten – wie beispielsweise Besprechungen von rund 30 oder 45 Minuten – ist sinnvoll. Ziel ist ein kontinuierlicher Austausch im Team auf Augenhöhe.
8. Welche Rolle soll KI in unserer Zusammenarbeit spielen?
Zur modernen Führungsrolle gehört inzwischen auch eine weitere Klärung: Wie soll das Zusammenspiel zwischen Menschen und KI-Tools beziehungsweise KI-Systemen gestaltet werden? Entscheidend ist dabei ein zielgerichteter Einsatz – und damit die bewusste Entscheidung der Führungskraft, wo Technologie die Arbeit sinnvoll unterstützen soll.
Die acht Fragen sollen dazu anregen, die eigene Führungsrolle bewusst zu reflektieren und für sich Klarheit zu schaffen. Wenn Sie diese Fragen für sich klar und kurz beantwortet haben und Ihr Rollenverständnis auch für Ihr Team bekannt und nachvollziehbar ist, kann Führung und Zusammenarbeit besser gelingen. Dabei gilt für mich auch in der Führung, was Albert Einstein zugeschrieben wird: „Auf Veränderung zu hoffen, ohne selbst dafür etwas zu tun, ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten.“
Der Autor

Dr. Siegfried Lachmair MBA ist systemischer Coach, eingetragener Mediator, Moderator, Supervisor sowie Organisations- und Teamentwickler in Linz. Er arbeitet als Berater und Trainer unter anderem für Unternehmen, Verwaltung, Verbände, Kliniken und Non-Profit-Organisationen.