„Wann merkt sich der Müller (oder die Mayer) das endlich?“ Das denken Führungskräfte und Ausbildende zuweilen, wenn sie einer mitarbeitenden Person oder jemandem aus dem Kollegium einen Sachverhalt schon mehrfach erklärt haben. Und zuweilen beschleicht sie sogar der Gedanke: „Der (oder die) ist etwas schwer von Begriff.“ Das mag im Einzelfall zutreffen. Doch meist liegt es an der Art der Wissensvermittlung, wenn sich eine mitarbeitende Person oder jemand aus dem Kollegium etwas nicht merkt.
Fünf Regeln für die Wissensvermittlung
Wollen Sie es sich künftig ersparen, Dinge mehrfach zu erklären? Wenn ja, dann merken Sie sich das Wort „Anker“. Jeder seiner fünf Buchstaben steht für eine Regel, die es beim Vermitteln von Wissen zu beachten gilt. Sie lauten:
- Anfang und Ende der „Unterweisung“ mit den wichtigsten Informationen bestücken.
- Denn: Was zu Beginn und am Schluss gesagt wird, bleibt am ehesten im Gedächtnis haften.
- Nein und nicht vermeiden.
- Denn: Diese Begriffe ignoriert unser Gehirn.
- Kurz halten.
- Denn: Das menschliche Kurzzeitgedächtnis hat eine begrenzte Speicherkapazität.
- Emotionen hervorrufen und Bilder verwenden.
- Denn: Gefühle stimulieren das Gehirn.
- Relationen zum Wissen des Vis-à-vis herstellen.
- Denn: Infos, die ein Mensch in Beziehung zu bereits vorhandenem Wissen setzen kann, verankern sich leichter.
Wichtige Informationen an den Anfang und ans Ende stellen
Die Informationen, die wir zuerst oder zuletzt hören, merken wir uns am ehesten. Stellen Sie also zum Beispiel bei Gesprächen mit Mitarbeitenden die wichtigsten Botschaften konsequent an den Anfang und Schluss. Leiten Sie das Gespräch beispielsweise mit einer Übersicht ein: „Ich möchte mit Ihnen darüber reden, wie Sie …“ Und schließen Sie mit einem Fazit, das die Kernbotschaften zusammenfasst: „Besonders wichtig ist, Erstens: …. Zweitens: ….Drittens: ….“
Die Wörter nein und nicht vermeiden
Stellen Sie sich einmal vor, eine ausbildende Person gibt Ihnen den Rat: „Denken Sie nicht an die Klausur.“ Was geschieht? Kaum hat diese Person dies gesagt, entsteht vor Ihrem geistigen Auge zum Beispiel folgendes Bild: Sie sitzen in einem Raum. Vor Ihnen liegt ein Blatt Papier. Und um Sie herum die anderen Teilnehmenden an den anderen Tischen? Sie schreiben wie wild. Nur Ihr Blatt ist leer. Panik macht sich in Ihnen breit.
Warum erfolgt diese Reaktion? Das menschliche Gehirn assoziiert Wörter mit Gegenständen und Tätigkeiten. Die Wörter „Blume“ und „pflücken“ zum Beispiel rufen konkrete Bilder in uns hervor. Das Wort „nicht“ hingegen lässt kein Bild entstehen. Also wird es von unserem Gehirn auch nicht unmittelbar verarbeitet. Häufig fällt es sogar unter den Tisch. Dann tun wir genau das Gegenteil von dem Gesagten.
Daraus folgt: Vermeiden Sie Nicht-Botschaften, wenn Sie bei einer Person eine bestimmte Reaktion auslösen möchten. Überlegen Sie sich stattdessen, welche positiven Bilder Sie im Kopf der zuhörenden Person aktivieren möchten.
Sich kurz fassen und auf das Wesentliche beschränken
Wenn Sie einer Person Informationen geben, dann werden diese zunächst im Kurzzeitgedächtnis gespeichert. Und erst von dort gelangen sie ins Langzeitgedächtnis. Jedoch nur unter folgender Bedingung: Das Kurzzeitgedächtnis wird zwischenzeitlich nicht überlastet.
Als Faustregel können Sie sich merken: Das Kurzzeitgedächtnis kann nur sieben Informationen speichern. Dann ist seine Aufnahmekapazität erschöpft. Packen Sie also nicht alles Wissenswerte in eine „Lerneinheit“. Beschränken Sie sich auf die wichtigsten Punkte.
Emotionen wecken und Bilder nutzen
Untersuchungen zeigen: Positive Gefühle regen das Gehirn zum Lernen an. Und wie wohl sich eine Person beim Lernen fühlt, hängt vor allem von der Lernatmosphäre ab.
Für eine positive Lernumgebung sind zwei Punkte entscheidend.
1. Das Zugehörigkeitsgefühl. Menschen lernen besser und leichter mit anderen. Besonders wichtig ist diese Erkenntnis, wenn es um Verhaltensänderungen geht. Denn hierfür ist auch das Sammeln von Erfahrungen wichtig – zum Beispiel in Rollenspielen.
Damit Menschen in solchen Spielen über ihren Schatten springen, müssen sie das Gefühl haben: Ich werde akzeptiert. Niemand lacht über mich, wenn ich etwas falsch mache. Niemand denkt: Was für ein Versager oder eine Versagerin. Dieses Gefühl „Ich werde akzeptiert“ müssen Sie – und die anderen Teilnehmenden – den Lernenden vermitteln.
2. Das Gefühl von Wachstum. Also das Gefühl „Ich kann es, wenn …“ Eine Voraussetzung hierfür sind Aufgaben, die die Lernenden fordern, aber nicht überfordern. Denn jede gelöste (Teil-)Aufgabe ist ein Erfolgserlebnis. Und Erfolgserlebnisse lösen in uns Glückshormone aus. Und diese motivieren uns wiederum dazu, den nächsten Schritt zu wagen.
Relationen und Verbindungen herstellen
Ein guter „Gärtner“ ist, wer aus dem Vorhandenen das Bestmögliche schafft. Um die schönsten Blumen zu züchten, müssen Gärtner*innen jedoch wissen: Wie ist der Boden beschaffen? Entsprechendes gilt für das Vermitteln von Wissen. Bringen Sie also vorab in Erfahrung:
Was weiß mein Gegenüber schon? Und:
Welche Themen interessieren mein Gegenüber?
Dann können Sie auf das vorhandene Know-how aufbauen und Über- und Unterforderung vermeiden. Sie können zudem Verbindungen herstellen zu Themen, die die Lernenden interessieren – zum Beispiel Mode, Autos oder Fußball. Dann können Sie zum Beispiel sagen: „Ein Projektteam funktioniert wie eine Fußballelf. Wenn nur ein Spieler rennt und zehn gelangweilt herumstehen, kann man kein Spiel gewinnen.“ So verpackt, verankern sich Botschaften leichter.
Die Autorin

Sabine Prohaska ist Inhaberin des Beratungsunternehmens seminar consult prohaska, Wien, das Unternehmen beim Implementieren einer neuen Lernkultur in ihrer Organisation unterstützt sowie Online- und Blended-Learning-Trainer und Coaches ausbildet. Sie betreibt mit Harald Karrer die Weiterbildungs- und Erfahrungsaustauschplattform Trainerklub für im Personalentwicklungsbereich tätige Personen. Diese wurde Ende 2025 vom Berufsverband für Training, Beratung und Coaching (BDVT) mit dem Europäischen Trainingspreis in Gold ausgezeichnet.
