Bevor ein Betrieb eine neue Website in Auftrag gibt, will er wissen, womit er rechnen muss. Eine Zahl findet er auf den Anbieterseiten selten. Die meisten Betriebe, für die ich Websites gestalte, haben vorher bei mehreren Agenturen um ein Angebot gebeten. Bei Anbietern, die beim Preis nur „auf Anfrage“ schreiben, fragen nach meiner Erfahrung die wenigsten gern an. Schließlich liegen mehrere Angebote mit sehr unterschiedlichen Summen vor, und welches davon das bessere ist, lässt sich auf den ersten Blick kaum sagen.

Was die Erhebung zeigt

Wie wenig man vorab erfährt, habe ich im August 2026 in einer Preiserhebung untersucht. Ausgewertet wurden die Websites von 352 Webdesign-Unternehmen aus allen Bundesländern, ausgewählt über Google, so wie auch Kund*innen suchen. Nur 85 davon nennen einen Preis für die Erstellung. Erfasst wurde, was dort steht, wo Interessierte zuerst nachsehen, meist auf der Leistungsseite. Tatsächlich kann der Anteil höher liegen, aber nicht niedriger.

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Pro Anbieter ging nur das Einstiegspaket in die Auswertung ein, also das günstigste. Die Hälfte dieser veröffentlichten Einstiegspreise liegt bei 1.490 Euro oder darunter. Am unteren Ende der Liste stehen 499 Euro, am oberen Ende 10.000 Euro. Vor mehr als zwei Dritteln der Preisangaben steht ein „ab“, der Endpreis bleibt dabei offen. Was Betriebe am Schluss wirklich bezahlen, lässt sich aus öffentlichen Quellen ohnehin nicht ablesen.

Über die Zeit nach dem Start liest man auf den Anbieterseiten meist kein Wort. Nur 23 der 85 Anbieter mit Preis sagen auch etwas zu den Folgekosten. Diese Kosten müssen Sie im Gespräch selbst erfragen.

Das System hinter dem Angebot

Angebote, die mir Betriebe mitbringen, sind vor allem dann schwer zu vergleichen, wenn die Seiten auf verschiedenen Systemen laufen sollen. Gemeint ist die Software, mit der eine Website gebaut wird und über die man später Inhalte ändert. Je nach System schwanken der Aufwand für die Einrichtung und die laufenden Kosten stark.

Auch das Alter der Technik spielt eine Rolle. Manche Anbieter arbeiten noch so, wie es vor Jahren üblich war, weil ihnen die Erfahrung mit neueren Lösungen fehlt oder weil sie die Entwicklung nicht mitgemacht haben. Im Angebot ist das für Laien kaum zu erkennen. Später kann das Änderungen und Reparaturen deutlich verteuern. Ob das angebotene System noch weiterentwickelt wird, gehört zu den Fragen vor dem Auftrag.

Selbst zwei Angebote mit demselben System können sehr verschieden ausfallen. Steht im Angebot WordPress, lohnt sich die Frage, ob mit einem Pagebuilder gearbeitet wird oder mit eigens angelegten Eingabefeldern, sogenannten Custom Fields. Mit einem Pagebuilder lassen sich Seiten ohne Programmierkenntnisse zusammenklicken. Bei eigenen Eingabefeldern pflegen Sie Texte und Bilder selbst, für jede neue Art der Darstellung sind Sie aber auf die Agentur angewiesen. Bevor Sie sich entscheiden, sollten Sie wissen, welche Änderungen Sie ohne die Agentur vornehmen können und wie viel Sie später selbst gestalten möchten.

Wenn die Website wachsen soll

Gefragt wird in meinen Gesprächen meist nach den jährlichen Kosten der Website. Die Antwort umfasst dann meist nur Updates und Wartung. Was die Website über fünf Jahre kostet, fragt kaum jemand. Deutlich teurer wird es, wenn an veralteter Technik etwas kaputtgeht oder die Seite ausgebaut werden muss.

Oft kommt nach einigen Jahren ein Onlineshop dazu. Ein Beispiel ist ein Betrieb, der sich anfangs für eine günstige Website mit WordPress entschieden hat und drei Jahre später auch online verkaufen möchte. Der Shop braucht eine Bezahlfunktion, Produktseiten, die bei Google gefunden werden, und im Grunde einen neuen Aufbau der ganzen Seite. Mit WordPress ist das nicht immer leicht umzusetzen, je nachdem, wie die Seite ursprünglich aufgebaut wurde. Für eine zweite Sprache braucht es dort zusätzlich eine eigene Erweiterung, ein Plugin.

Passt das System nicht zum Vorhaben, helfen nur Notlösungen, kostenpflichtige Erweiterungen oder ein Wechsel auf ein anderes System. Für viele dieser Erweiterungen fällt jährlich eine Lizenzgebühr an. Teuer wird vor allem der Wechsel, denn dann entsteht die Seite praktisch ein zweites Mal. Eine günstige Website kann so auf Dauer mehr kosten als eine, die von Anfang an auf Erweiterungen ausgelegt war.

Der Test vor dem Auftrag

Ein guter Anbieter spricht das System, die Folgekosten und mögliche Erweiterungen aus meiner Sicht von sich aus an. Damit sich die Angebote vergleichen lassen, sollten trotzdem alle dieselben Fragen bekommen.

Mein Rat ist deshalb, vor dem Einholen der Angebote zwei oder drei Erweiterungen aufzuschreiben, die Sie sich für später vorstellen können. Das kann ein Shop sein, eine weitere Sprache oder eine Rubrik, die Sie künftig selbst gestalten wollen. Je genauer Sie die Erweiterungen beschreiben, desto besser lassen sich die Antworten vergleichen. Jede Agentur bekommt dieselbe Liste und soll angeben, was das mit ihrem System ungefähr zusätzlich kosten würde. Ein Festpreis ist dafür nicht nötig, eine grobe Spanne reicht. Nennt eine Agentur statt einer Spanne nur ihren Stundensatz, gehört die geschätzte Stundenzahl mit dazu.

Fragen Sie außerdem, was die Website über fünf Jahre kostet, Wartung und Updates eingerechnet. Vielleicht bleibt das günstigste Angebot dann tatsächlich das günstigste. Anhand der Antworten können Sie aber vor dem Auftrag selbst durchrechnen, ob sich der spätere Ausbau finanzieren lässt.


Der Autor

Alexander Leeb
Alexander Leeb. © Kanbuk

Alexander Leeb ist Gründer der Wiener Werbeagentur Kanbuk und unter anderem auf Webdesign und Suchmaschinenoptimierung spezialisiert. Seit 2021 betreut er die Websites kleiner und mittlerer Unternehmen und beschäftigt sich vor allem damit, wie eine Seite mit dem Betrieb mitwachsen kann.