Die digitale Basis ist in Österreichs kleinen und mittleren Unternehmen weitgehend vorhanden. Laut der Studie „Digitalisierung österreichischer KMU 2026“ verfügen 99 Prozent der befragten Unternehmen über eine Website. Für die Untersuchung wurden im ersten Quartal 2026 insgesamt 426 österreichische KMU telefonisch befragt. Die bloße Online-Präsenz sagt laut den Ergebnissen allerdings noch wenig über die tatsächliche digitale Wirkung aus. Nur 16 Prozent der befragten Unternehmen arbeiten mindestens monatlich aktiv an ihrer Website. Weitere 50 Prozent entwickeln sie nur gelegentlich weiter, 14 Prozent beschränken sich auf technische Wartung, und 20 Prozent lassen die Seite nach eigenen Angaben einfach laufen. „Die Website ist in vielen KMU längst Standard. Entscheidend ist heute, ob sie auch systematisch für Anfragen und Neukundengewinnung genutzt wird“, sagt dazu Marcel Fasch, Geschäftsführer bei Coreflow in Österreich.

Marcel Fasch, Geschäftsführer bei Coreflow in Österreich
Die Website ist in vielen KMU längst Standard. Entscheidend ist heute, ob sie auch systematisch für Anfragen und Neukundengewinnung genutzt wird.
Präsenz und Wirkung
Die Schwäche vieler digitaler Auftritte zeigt sich vor allem bei der Frage nach konkreten Ergebnissen. 36 Prozent der befragten Unternehmen sagen, ihre Website generiere klar messbar Anfragen oder Neukunden. Weitere 15 Prozent berichten von gelegentlichen Erfolgen. Gleichzeitig geben 35 Prozent an, dass ihre Website keine entsprechenden Resultate bringe. In Summe sagt damit gut die Hälfte der befragten Unternehmen, dass die Website zumindest fallweise Anfragen oder Neukunden liefert. Aus Sicht der Studie verweist das auf eine klare Trennlinie zwischen einer digitalen Visitenkarte und einem aktiv gesteuerten Vertriebskanal.
Besonders deutlich wird dieser Unterschied beim laufenden Arbeiten an der Website. Unternehmen, die ihre Website regelmäßig weiterentwickeln, berichten zu 72 Prozent von zumindest gelegentlichen Anfragen über den Webauftritt. Bei Betrieben, die nur technische Wartung durchführen, liegt dieser Wert bei 29 Prozent. Bei Unternehmen, deren Website einfach mitläuft, sind es 27 Prozent.
Suchstrategie fehlt in vielen Betrieben
Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die digitale Auffindbarkeit. 68 Prozent der befragten KMU haben keine klare Strategie, wie sie über Suchmaschinen neue Kund*innen gewinnen wollen. Nur 32 Prozent verfolgen hier laut Studie einen klaren Ansatz.
Die Unterschiede bei den Ergebnissen fallen deutlich aus. Unternehmen mit klarer Suchstrategie berichten zu 71 Prozent von zumindest gelegentlichen Website-Anfragen. Ohne Suchstrategie liegt dieser Wert bei 42 Prozent. Noch klarer ist das Bild bei stärkerer Wirkung: 54 Prozent der Unternehmen mit Suchstrategie sagen, dass ihre Website klar Anfragen oder Neukunden generiert. Ohne Strategie sind es 27 Prozent.
Damit wird deutlich, dass Sichtbarkeit nicht automatisch entsteht, nur weil ein Unternehmen online ist. Vielmehr deutet die Studie darauf hin, dass Nachfrage dort besser entsteht, wo Positionierung, Inhalte, Seitenstruktur und Suchintention systematisch zusammengedacht werden. Diese Einordnung ergibt sich aus den in der Studie beschriebenen Zusammenhängen.
Viele messen ihre Website nicht aktiv
Auffällig ist auch, dass in vielen Unternehmen die Grundlage für eine datenbasierte Steuerung fehlt. Nur 46 Prozent der befragten KMU messen Website-Zugriffe oder Anfragen aktiv, weitere sieben Prozent tun dies teilweise. Rund 46 Prozent messen laut Studie gar nicht.
Gerade dieser Punkt ist für die Einordnung relevant. Unternehmen, die aktiv messen, berichten zu 71 Prozent von zumindest gelegentlichen Website-Anfragen. Bei Unternehmen ohne aktive Messung liegt der Wert nur bei 34 Prozent. Gleichzeitig gibt rund ein Drittel jener Betriebe, die gar nicht messen, dennoch an, dass ihre Website zumindest gelegentlich Anfragen bringe. Die Studie legt damit nahe, dass in vielen Fällen eher geschätzt als belastbar nachverfolgt wird.
KI-Suchsysteme sind blinder Fleck
Ein weiterer Befund betrifft neue Suchumgebungen. 75 Prozent der befragten Unternehmen wissen nicht, ob ihre Inhalte in KI-Suchsystemen wie ChatGPT, der Google KI-Suche und ähnlichen Anwendungen angezeigt werden. Nur 25 Prozent sagen, dass sie darüber Bescheid wissen.
Die Studie wertet das weniger als rein technisches Detail, denn als Hinweis auf den Reifegrad digitaler Arbeit. Unternehmen mit klarer Suchstrategie wissen deutlich häufiger, wie es um ihre Sichtbarkeit in KI-Suchsystemen steht. In dieser Gruppe liegt das Bewusstsein bei 39 Prozent, bei Unternehmen ohne Strategie nur bei 18 Prozent.
Aus journalistischer Sicht zeigt sich damit ein Muster, das über einzelne Instrumente hinausgeht: Wer Suchmaschinen bereits strategisch denkt, beobachtet in der Regel auch neue digitale Zugänge genauer. Wer keine klare Struktur aufgebaut hat, reagiert auf neue Entwicklungen eher später als früher. Diese Schlussfolgerung stützt sich auf die in der Studie dargestellten Zusammenhänge.
Die Wirkung entsteht im Zusammenspiel mehrerer Faktoren
Besonders aussagekräftig ist die Studie dort, wo mehrere Faktoren gemeinsam betrachtet werden. Coreflow hat dafür vier Bausteine herangezogen: aktive Website-Arbeit, aktive Messung, klare Suchstrategie und Wissen über die eigene KI-Sichtbarkeit. Das Ergebnis zeigt einen klaren Stufenanstieg. Unternehmen, die keinen dieser vier Bausteine erfüllen, berichten nur zu 18 Prozent von zumindest gelegentlichen Website-Anfragen. Mit einem Baustein steigt dieser Wert auf 43 Prozent, mit zwei auf 59 Prozent, mit drei auf 76 Prozent und mit allen vier auf 80 Prozent.
„Nicht die Website an sich macht den Unterschied, sondern das System dahinter: klare Struktur, Suchstrategie, Messung und laufende Weiterentwicklung.“
Marcel Fasch, Geschäftsführer bei Coreflow in Österreich.
Kleine Unternehmen stehen vor Strukturfragen
Die Studie zeigt außerdem, dass die digitale Systematik mit der Unternehmensgröße tendenziell zunimmt. Bei Ein-Personen-Unternehmen haben nur 18 Prozent eine klare Suchstrategie, bei Unternehmen mit sechs bis zehn Mitarbeitenden sind es bereits 45 Prozent. Auch die aktive Website-Arbeit steigt in diesem Vergleich von 56 auf 73 Prozent. Gleichzeitig weist die Studie darauf hin, dass die Fallzahlen in größeren Unternehmensgruppen kleiner sind und deshalb vorsichtig interpretiert werden sollten.
Damit liegt die eigentliche Grenze laut Studie nicht allein zwischen klein und groß, sondern zwischen reaktiver und strukturierter digitaler Arbeit. Gerade für kleinere Betriebe dürfte das relevant sein, weil Digitalisierung dort oft nicht in einer eigenen Abteilung organisiert ist, sondern parallel zum Tagesgeschäft läuft. 78 Prozent der befragten Unternehmen haben maximal zehn Mitarbeitende.
Inkonsequent digital
Die Coreflow-Studie zeigt kein Bild fehlender Digitalisierung, sondern eines unvollständigen digitalen Ausbaus. Die Website ist in österreichischen KMU fast flächendeckend angekommen. Was vielfach noch fehlt, ist die konsequente Verbindung aus laufender Weiterentwicklung, Suchstrategie, Messung und Beobachtung neuer Suchsysteme. Gerade darin liegt aber auch der zentrale Befund dieser Untersuchung: Digitale Wirkung entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch ein funktionierendes System. Oder anders gesagt: Nicht das Online-Sein entscheidet, sondern die Frage, wie strukturiert Unternehmen digital wachsen wollen.