Im ersten Quartal 2026 mussten in Österreich 1.687 Unternehmen Insolvenz anmelden. Das entspricht einem Rückgang von sechs Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025, wie der Kreditschutzverband von 1870 (KSV1870) mitteilt. Durchschnittlich waren damit rund 19 Betriebe pro Tag betroffen.
Die vorläufigen Passiva beliefen sich auf rund zwei Milliarden Euro und lagen damit um rund 23,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Ohne die bislang größte Insolvenz des Jahres – jene der Laura Privatstiftung mit rund einer Milliarde Euro – wäre der Rückgang noch deutlicher ausgefallen. Insgesamt waren etwa 9.600 Gläubiger*innen sowie 6.000 Beschäftigte von Insolvenzen betroffen.
„Die Firmenpleiten liegen weiterhin auf einem hohen Niveau, doch es ist zumindest ein positiver Funke, dass wir heute von einem leichten Rückgang in puncto Fallzahlen sprechen können“, sagt Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz beim KSV1870 in Wien. Von einer Trendumkehr könne jedoch noch nicht gesprochen werden, so Götze.
Mehr nicht eröffnete Verfahren
Auffällig ist die Entwicklung bei den Insolvenzverfahren selbst. Während die Zahl der eröffneten Verfahren um rund zwölf Prozent gesunken ist, stieg die Zahl der mangels kostendeckenden Vermögens nicht eröffneten Verfahren um knapp fünf Prozent. Diese machen mittlerweile rund 41 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen aus.
„Wenn die Zahl der nicht eröffneten Verfahren steigt, steigen die finanziellen Verluste der Gläubiger noch weiter, da eine professionelle Aufarbeitung dieser Fälle nicht mehr möglich ist“, erklärt Götze. Als Grund wird unter anderem genannt, dass immer mehr Unternehmen nicht in der Lage seien, die Kosten von rund 4.000 Euro für ein reguläres Insolvenzverfahren aufzubringen.
Gastronomie und Tourismus stärker unter Druck
Nach Branchen betrachtet entfallen die meisten Insolvenzen weiterhin auf den Handel mit 272 Fällen sowie das Baugewerbe mit 240 Fällen. In beiden Bereichen ist die Zahl der Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr jedoch gesunken – im Handel um rund zehn Prozent, im Bau um rund 14 Prozent. Anders stellt sich die Situation im Bereich Beherbergung und Gastronomie dar. Mit 226 Fällen verzeichnet die Branche einen Anstieg von 14 Prozent und liegt damit weiterhin auf Rang drei der insolvenzanfälligsten Sektoren.
Als Ursachen nennt der KSV1870 einen Mix aus steigenden Betriebskosten, zurückhaltender Nachfrage sowie strukturellen Herausforderungen wie niedrigen Margen und intensivem Wettbewerb. Zusätzlich würden verkürzte Öffnungszeiten – etwa aufgrund von Personalmangel – den wirtschaftlichen Druck erhöhen.
Regionale Unterschiede deutlich
Auf Bundesländerebene zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Kärnten verzeichnete mit einem Plus von 29,9 Prozent den stärksten Anstieg bei den Insolvenzen, während Salzburg mit einem Rückgang von 32,5 Prozent die deutlichste Entspannung aufwies. In absoluten Zahlen liegt Wien mit 638 Insolvenzen weiterhin an der Spitze, gefolgt von Niederösterreich mit 276 Fällen und Oberösterreich mit 205 Fällen.
Eine belastbare Prognose für das Gesamtjahr 2026 ist laut KSV1870 derzeit nur eingeschränkt möglich. Als Unsicherheitsfaktoren gelten unter anderem geopolitische Spannungen sowie wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. „Aus heutiger Sicht erwarten wir als KSV1870 im Jahresverlauf keine eklatanten Verschiebungen bei den Fallzahlen der Unternehmensinsolvenzen“, sagt Götze. Ob das Niveau des Vorjahres erreicht oder unterschritten wird, hängt laut Einschätzung des Verbandes auch von der weiteren Entwicklung globaler Krisen sowie von den Auswirkungen gesetzlicher Änderungen ab.
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