„Der Krieg ist für Putin überlebensnotwendig“ – so eine zentrale These aus dem neuen Buch Geld als Waffe: Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet von der taz-Wirtschaftskorrespondentin Ulrike Herrmann. Die Autorin widmet sich im ersten Abschnitt ausführlich der russischen (Korruptions-)Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts sowie dem Aufstieg Putins zum „Zar“ eines neuen Russlands. Im weiteren Verlauf steht der Angriffskrieg gegen die Ukraine im Zentrum ihrer Überlegungen. Herrmann geht davon aus, dass es für Putin immanent wichtig ist, dass der Krieg weitergeht und nicht endet.

„In Russland bedeutet Krieg Vollbeschäftigung, und der Verdienst in der Armee ist für arme und marginalisierte Bevölkerungsschichten äußerst lukrativ“, so Herrmann. Für Fronteinsätze erhalten Rekruten Einmalzahlungen in Höhe von 11.000 US-Dollar, und das Jahresgehalt für Soldaten reicht bis zu 53.000 US-Dollar. Mit Bezug auf den russischen Ökonomen Wladislaw Inosemzew spricht Herrmann von einer „Todeswirtschaft“, denn selbst wenn Soldaten nur wenige Monate nach ihrem Eintritt in die Armee an der Front fallen, bekommen ihre Familien mehr Geld, als der Soldat über normale Arbeit bis zur Rente verdient hätte. So makaber es klingt: In den Krieg zu ziehen und zu fallen, lohnt sich für arme Familien mehr, als wenn der Sohn zu Hause geblieben wäre.

Made in China

Im zweiten Teil des Buches widmet sich die Autorin China. Auch dort ist Korruption ein ständiger Begleiter. Seit Xis Amtsantritt im Jahr 2012 hat sich das Land zwar leicht verbessert, rangiert aber weiterhin auf Platz 76 der Korruptionswahrnehmungsliste von Transparency International. Immerhin gaben im vergangenen Jahr 62 Prozent der befragten Chines*innen an, dass Korruption ein großes Problem im Land sei. Mehr als ein Viertel sagte zudem, sie hätten in den vergangenen zwölf Monaten einen öffentlichen Bediensteten bestochen.

Weiter beschäftigt sich Herrmann in ihrem analytisch ambitionierten Buch mit Projekten wie der Neuen Seidenstraße oder einem möglichen Angriff auf Taiwan. Sie beleuchtet mögliche Szenarien einer Invasion und stellt Überlegungen an, wie sich die USA in einem solchen Fall verhalten würden. Denn Taiwan ist nach wie vor der weltweit wichtigste Exporteur von Mikrochips und für amerikanische Konzerne wie Apple unverzichtbar: In unserer Welt funktioniert vom Smartphone über den Kühlschrank bis hin zum Auto kaum noch etwas ohne diese winzigen Bauteile.

Ein wenig Hoffnung

Doch es ist nicht alles negativ, wie Herrmann im dritten Abschnitt ihres Buches erkennen lässt. Fällt ihr Fazit zur Nato zwar nicht äußerst positiv aus – zu teure Waffensysteme, zu wenige Waffensysteme, zu wenige Soldaten, speziell in Deutschland –, so sieht die Autorin auf der anderen Seite jedoch eine Chance für Europa, und zwar darin, dass die Ukraine dem Aggressor Russland nicht nur äußerst standhaft und innovativ entgegentritt, sondern auch, dass im Land Hunderttausende IT-Spezialisten leben, die bei einer Aufnahme in die Europäische Union für die anderen Mitgliedsstaaten noch sehr wichtig werden könnten. So konstatiert Herrmann zum Ende, dass die Ukraine trotz der Zerstörungen und der erheblichen Kosten, die der Wiederaufbau verursachen wird – aktuelle Schätzungen gehen von 500 Milliarden Euro aus – die EU ‚bereichern und nicht belasten‘ wird.

Wie es in der Ukraine, Russland, China und Taiwan weitergeht, wird die Zukunft zeigen. Geld als Waffe dient als gute Lektüre, um sich selbst Gedanken darüber zu machen, in welcher Welt wir leben möchten.

Ulrike Herrmann

Geld als Waffe: Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet.

Verlag Kiepenheuer & Witsch 2026

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