Österreich zählt zu den europäischen Regionen, die sich besonders stark erwärmen. Seit der Industrialisierung ist die Durchschnittstemperatur laut den vorliegenden Daten um rund 2,9 Grad Celsius gestiegen. Im Tiefland beträgt der Anstieg etwa 3,0 Grad Celsius, in alpinen Gipfelregionen rund 3,3 Grad Celsius. Gleichzeitig nehmen Hitzetage über 30 Grad Celsius deutlich zu. In der Wiener Innenstadt wurden zuletzt 46 Tropennächte in einem Sommer gemessen.

Die Auswirkungen reichen über meteorologische Kennzahlen hinaus. Steigende Temperaturen beeinflussen Arbeitsfähigkeit, Energiebedarf, Gesundheit und Produktivität. Unternehmen berichten von zunehmenden Belastungen durch höhere Kühlkosten, veränderte Arbeitsbedingungen und sinkende Leistungsfähigkeit bei Hitze.

Wirtschaftliche Belastungen

Die Folgen betreffen zahlreiche Branchen. Im Wintertourismus verkürzen sich Schneesaisonen, während die technische Beschneiung höhere Kosten verursacht. Im Sommertourismus führen längere Hitzeperioden zu höherem Energiebedarf und belasten Gäste wie Mitarbeitende.

Industrie und Logistik sehen sich durch Niedrigwasser mit eingeschränkten Transportmöglichkeiten konfrontiert. Extremwetterereignisse wie das Hochwasser im Tullnerfeld im Herbst 2024 haben gezeigt, dass Schäden an Infrastruktur und Betrieben langfristige wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen können. Einschränkungen zentraler Verkehrsverbindungen wirken sich dabei auf Pendlerinnen und Pendler, Güterverkehr und Unternehmen aus.

Vier Szenarien bis 2055

Mit dem Szenarioformat „EY Four Futures“ analysiert EY denkstatt mögliche wirtschaftliche Entwicklungen bis 2055. Die dargestellten Zukunftsbilder reichen von einem „Business as usual“ über eine stark regulierte Transformationsphase bis hin zu einem Kollaps zentraler Systeme sowie einer umfassenden Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft.

„Nicht-Handeln wird häufig als risikolos wahrgenommen – tatsächlich ist es die teuerste Option“, sagt Margit Kapfer, Director und Klimaschutzexpertin bei EY denkstatt in Wien. Unternehmen würden entweder heute gezielt in Transformation und Klimaresilienz investieren oder künftig ungeplant für Schadensbegrenzung, Produktionsausfälle und Wettbewerbsnachteile aufkommen müssen. Österreich habe laut Kapfer einen dringenden Bedarf, Industrie und Wertschöpfung an veränderte klimatische Realitäten anzupassen.

Auch aus budgetärer Sicht sind die Auswirkungen konkret bezifferbar. Das Verfehlen nationaler Klimaziele kann laut Angaben des Finanzministeriums Zahlungen von bis zu 2,9 Milliarden Euro bis 2030 verursachen, etwa durch den Zukauf von Emissionszertifikaten. Selbst bei moderater Zielverfehlung werden rund 1,6 Milliarden Euro erwartet. Diese Mittel stünden damit nicht für Investitionen in heimische Infrastruktur oder Innovation zur Verfügung.

Umsetzung bleibt hinter Zielen zurück

Das EY Sustainability Barometer zeigt, dass Nachhaltigkeit strategisch zwar verankert ist, operativ jedoch an Bedeutung verliert. Während 2024 noch 23 Prozent der Unternehmen angaben, Klimaschutz beeinflusse ihr Handeln stark, sind es 2025 nur noch zehn Prozent. Gleichzeitig haben 73 Prozent zumindest ein Ziel zur Reduktion von Treibhausgasemissionen definiert.

Als größte Hürden gelten finanzielle Einschränkungen sowie die Integration entsprechender Maßnahmen in bestehende Prozesse. 67 Prozent der Unternehmen nennen die Verfügbarkeit und Qualität von Nachhaltigkeitsdaten als zentrale Herausforderung bei der Berichterstattung, 46 Prozent den Ressourcenaufwand.

„Wir sehen sehr klar: Der Wille ist da, aber die Umsetzung bleibt schwierig“, sagt Andreas Lindinger, Senior Manager und Nachhaltigkeitsexperte bei EY denkstatt in Wien. Nachhaltigkeit müsse tief in Prozesse, Datenstrukturen und Entscheidungslogiken integriert werden, um Wirkung zu entfalten.

Omnibus-Paket als Zwischenphase

Das EU-Omnibus-Paket bringt Erleichterungen bei Schwellenwerten, Berichtsanforderungen und Fristen. 51 Prozent der Unternehmen nutzen diese Phase laut den vorliegenden Angaben zur Überarbeitung bestehender Konzepte und Kennzahlen. 36 Prozent haben ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten reduziert, insbesondere in der Bau- und Automobilbranche.

Ob die regulatorische Entlastung zu einer Beschleunigung oder zu Verzögerungen führt, hängt laut EY denkstatt von der strategischen Ausrichtung der Unternehmen ab. Nachhaltigkeit könne als Innovations- und Resilienzfaktor wirken – oder auf eine reine Compliance-Funktion reduziert werden.