Runter mit der Bürokratie

Wirtschaftskammer Wien
26.09.2016

 
Wien ist nicht nur Bundeshauptstadt, sondern auch ein wesentlicher Standort für Head­quarter. Noch. Mit welchen Schikanen die Unternehmer zu kämpfen haben und wie sich ­Abhilfe schaffen lässt, erklärt Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck im Interview.
„Die Politik ist gut beraten, wenn sie den Betrieben mehr Freiraum gibt.“ Walter Ruck

Welche Vorteile bietet Wien als Standort für österreichische Weltmarktführer und für solche Unternehmen, die auf dem Weg dorthin sind?
Die Lage Wiens im Herzen von Europa macht es für internationale Unternehmen attraktiv, sich hier anzusiedeln. Mit dem Flughafen haben wir eine sehr gut funktionierende Drehscheibe zu den relevanten Business-Destinationen. Die Wiener Wirtschaft ist stark exportorientiert. Mit Flughafen, Donauhafen und dem derzeit in Bau befindlichen multimodalen Güterterminal Inzersdorf hat die Stadt leistungsstarke Logis­tikhubs, um die Herausforderungen des internationalen Warengeschäfts zu meistern.

Was ist abgesehen von der geografischen Lage entscheidend?
Ein weiterer entscheidender Benefit des Standortes ist seine Funktion als größte deutschsprachige Universitätsstadt. Es gibt damit ein großes Reservoir an gut ausgebildeten Wissenschaftern und Akademikern. Wien ist auch für internationale Institutionen wie UNO oder OPEC attraktiv. Sie haben hier ihre Zentralen errichtet. Außerdem kommt die ganze Welt gerne zu uns auf Besuch – über 14 Millionen Nächtigungen gab es bereits im letzten Jahr. Wien ist eine der gefragtes­ten internationalen Kongressstädte. Und man macht hier gerne Geschäfte, weil der Standort sicher und lebenswert ist. 

Wo fährt das Bundesland Wien in Bezug auf Unternehmer noch mit angezogener Handbremse? 
Es ist klar – die Rahmenbedingungen für Unternehmer müssen besser werden. Also runter mit der Bürokratie und dem hohen Verwaltungsaufwand, weg mit absurden Schikanen wie Vergnügungssteuer und U-Bahn-Steuer. Die Politik ist gut beraten, wenn sie den Betrieben mehr Freiraum gibt. Denn nur die Unternehmer schaffen Wohlstand und Jobs.

Thema Infrastruktur: Was muss sich konkret verbessern, um als Standort attraktiv zu bleiben?
Der Infrastrukturausbau muss vorangetrieben werden. Wir brauchen den Autobahnring um Wien, den Lobautunnel und einen hochfrequenten internationalen Busterminal. Und auch die dritte Piste am Flughafen und das Thema Breitspur sind Zukunftsthemen, die den Standort attraktiver machen. Die Stadt muss darüber hinaus gewährleisten, dass es nicht noch weitere Umwidmungen von Betriebsflächen gibt. Wir brauchen am Standort freie Flächen für die Ansiedlung neuer Betriebe und die Erweiterung bestehender Unternehmen. Das ist erfolgsentscheidend.

Wie viele Weltmarktführer und Hidden Champions beheimatet Wien? 
Es gibt mehrere Dutzend Betriebe am Standort Wien, die in ihrem unternehmerischen Tun zur Weltspitze gehören. Im Bereich Life-Sciences, Biotechnologie und Medizintechnik sind Produkte und Know-how aus Wien weltweit stark gefragt. Das hat sich bei unserer jüngsten Wirtschaftsmission nach China bestätigt. Am Standort Wien hat sich eine starke IKT-Branche etabliert und auch die Wiener Creative Industries spielen weltweit mit im Konzert der Großen.

Gewinnt oder verliert der Standort Wien in den kommenden Jahren an Bedeutung im internationalen Vergleich? Warum?
Wien ist in diversen internationalen Standortrankings in den letzten Jahren zurückgefallen. Das ist primär der Politik anzulasten, die mehr für die Wirtschaft machen muss. Deshalb verhandeln wir gerade mit der Stadt einen Standortvertrag, der einen spürbaren Aufschwung für Wien bringen wird. Gelingt es, die Maßnahmen und Projekte umzusetzen, dann bin ich für die Zukunft auch positiv gestimmt.