Was sind die Vorzüge einer digitalen ISO-Zertifizierung mit Hilfe eines KI-Assistenten gegenüber dem klassischen Zertifizierungsverfahren?
Jens-Uwe Meyer: Der zentrale Vorteil ist die Ersparnis von Zeit und Geld – sowie Gehirnschmalz. Das Erarbeiten der erforderlichen Dokumentationen für Normen wie der ISO 9001 und 27001 war bislang eine monatelange Qual, für die meist die Unterstützung teurer externer Berater nötig war.
Warum?
Unter anderem, weil diese Normen für Laien unverständlich geschrieben sind. Der KI-Assistent unseres Zertifizierungstools übersetzt die Inhalte und führt die Verantwortlichen in kürzester Zeit durch den Prozess. Dadurch wird die Vorbereitung der Zertifizierung sehr einfach: Als User muss man nur Fragen beantworten, und die KI erstellt dann die nötigen Dokumente.
Die KI ist nur ein smartes Tool
Akzeptieren die menschlichen Auditoren der Zertifizierungsstellen problemlos die KI-generierten Unterlagen?
Wir sind ja selbst eine Zertifizierungsstelle für ISO-Normen. Und wir tun genau das, was die Normen vorgeben: Wir prüfen, ob Unternehmen die Vorgaben einhalten und die Dokumentation in sich schlüssig ist. Dass bei deren Erstellung im 21. Jahrhundert auch KI zum Einsatz kommt, ist normal. Man kann jedoch nie ausschließen, dass es bei anderen Zertifizierungsstellen noch vereinzelt Auditoren gibt, deren Denken in den Neunzigerjahren stehen geblieben ist. Die meisten von ihnen arbeiten heute jedoch selbst mit KI. Sogar der deutsche Akkreditierer, die DAkkS, akzeptiert den Einsatz von künstlicher Intelligenz, solange am Ende noch ein Mensch, der mitdenkt, drüberschaut und das Ergebnis freigibt.
Und wer haftet, wenn die KI einen Fehler, zum Beispiel bei der Normauslegung, macht und das Unternehmen deshalb durch das reale Audit fällt?
Am Ende ist es wie beim autonomen Fahren. Letztlich verantwortlich ist und bleibt der Mensch. Dass ein Unternehmen jedoch komplett durch ein Audit fällt, zum Beispiel weil die KI etwas falsch zugeordnet hat, ist unwahrscheinlich. Dann würde der Auditor eine Abweichung schreiben. Im schlimmsten Fall muss das Unternehmen eine Extra-Runde drehen; das heißt, es gibt ein Nachaudit. Wir haben die KI seit zweieinhalb Jahren im Einsatz und gesehen, wie sie Schritt für Schritt besser wird. Heute ist ihre Qualität atemberaubend.
Wo liegen die Daten, die Ihr KI-Assistent verarbeitet, und wie gewährleisten Sie die Einhaltung der DSGVO und den Schutz vor einem Datenabfluss?
Diesbezüglich sind wir sehr pingelig. Wir überspielen die Daten zwar in die USA, doch das tut Microsoft beim Einsatz von Copilot auch. Und das passiert auch bei jeder Google-Suche, wenn der KI-Assistent aktiv wird. Wichtig sind die mit den Anbietern getroffenen Vereinbarungen. Wir haben unter anderem sichergestellt, dass die Daten unserer Kunden nicht zum Trainieren von KI-Modellen genutzt werden. Das ist übrigens etwas, was auch die ISO 42001, das Managementsystem für künstliche Intelligenz, vorsieht. Im deutschsprachigen Raum gibt es hierzu leider nur wenige Alternativen.
Digitale ISO-Zertifizierung genießt hohe Akzeptanz
Wie wird die digitale ISO-Zertifizierung mit KI-Assistent angenommen? Bestehen ihr gegenüber seitens der Unternehmen beziehungsweise Unternehmer noch Vorbehalte?
Wir hatten anfangs Bedenken, dass wir dem Markt zu weit voraus wären. Doch das ist nicht der Fall. Unsere Kunden – unabhängig davon, ob es sich hierbei um Handwerker oder Dienstleister wie Reinigungsunternehmen oder Werbeagenturen handelt – merken beim Arbeiten mit unserer Software rasch, dass sie mit ihr in wenigen Minuten Ergebnisse erzielen, für die sie sich ansonsten tagelang hätten quälen müssen. Das beseitigt eventuell noch bestehende Vorbehalte. Wir arbeiten zudem stark am Thema Usability. Das Arbeiten mit der KI soll sich wie ein Dialog anfühlen, so als spräche man mit einem echten Berater.
Was kostet ein Unternehmen eine solche Zertifizierung bei Ihnen, und wann sollten sich Unternehmer beziehungsweise Selbstständige hierfür entscheiden?
Ein Unternehmen, das sich zum Beispiel gemäß der ISO 9001 oder ISO 14001 zertifizieren lassen möchte, kann dies ab 149 Euro pro Monat tun. Dieses Fixum beinhaltet die Plattform, die Nutzung des KI-Tools, das Audit, die Zertifizierung selbst und auch die Nachbetreuung. Letztlich haben wir mit Hilfe von KI nur den ISO-Zertifizierungsprozess sehr schlank gestaltet. Und diese Gewinne aus der Prozessoptimierung geben wir an unsere Kunden weiter. Manchmal sage ich scherzhaft: „Wir sind der Aldi der Zertifizierung – günstiger Preis bei hoher Qualität.“
Werden künftig aufgrund der möglichen KI-Unterstützung mehr Unternehmen eine ISO-Zertifizierung erwägen?
Ja. Von unseren mehr als 450 Kunden sagten viele im Erstgespräch, sie hätten schon mehrere ISO-Zertifizierungsanläufe gemacht und diese verzweifelt abgebrochen. Ein so einfaches, schlankes und modernes Zertifizierungsverfahren wie unseres ist unter anderem für alle Unternehmen attraktiv, die schon lange mit dem Zertifizierungsgedanken spielten, dies aber aufgrund des hohen Invests an Zeit und Geld nie taten.