Am 14. und 15. Oktober fand das Main Event der Independent Logistic Society (ILS) in der Grazer Helmut List Halle statt. Unter dem Motto „Digital Confirmation“ kamen laut Veranstalter mehr als 500 Teilnehmende zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche digitalen Ideen und Werkzeuge sich in der betrieblichen Praxis bewähren.

Das Programm verband Perspektiven aus Industrie, Logistik, Forschung und Politik. Die Themen reichten vom Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) über die Energieversorgung im Güterverkehr bis zur beruflichen Bildung. Jörg Konwalinka, Leiter des Bereichs AI Business Process Solutions bei Microsoft Österreich, plädierte zum Auftakt dafür, KI als Bestandteil zentraler Geschäftsprozesse zu verstehen.

Werbung
MPREIS Gutscheinkarten für Unternehmen – Das ideale Geschenk für Ihre Mitarbeiter*innen
Sie suchen eine wertschätzende Aufmerksamkeit für Ihre Mitarbeiter*innen? Mit den MPREIS Gutscheinkarten schenken Sie maximale Flexibilität und kulinarische Vielfalt.

Lieferketten und Fachkräfte als Standortfaktoren

In den Diskussionen ging es unter anderem darum, wie datenbasierte Logistik Produktion, Handel und Kundschaft besser verbinden kann. „In der Wirtschaft haben jene Unternehmen die Nase vorn, die die schnellsten und zuverlässigsten Lieferketten anbieten”, sagte Herbert Ritter, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Steiermark.

Ein weiterer Schwerpunkt war der Stellenwert der Lehrausbildung. Vertretende von Unternehmen und Bildungseinrichtungen betonten, dass Fachkräfte nicht ausschließlich an Hochschulen ausgebildet werden. Paul Zadravec, Speditionskaufmann und Logistiker bei Kühne + Nagel, berichtete von seinen Erfahrungen bei den Berufsweltmeisterschaften WorldSkills in Shanghai. Dabei hob er die Bedeutung von Vorbildern und eigenständiger Problemlösung hervor. Eine Live-Demonstration zeigte ergänzend, wie KI-Coaching den Kompetenzaufbau von Lehrlingen unterstützen kann.

Auch Europas Abhängigkeit von internationalen Rohstoff- und Technologielieferungen wurde thematisiert. Margaretha Gansterer von der Universität Klagenfurt und Sebastian Kummer von der Wirtschaftsuniversität Wien warben dafür, die Kosten widerstandsfähiger Lieferketten in wirtschaftliche Entscheidungen einzubeziehen.

Automatisierung und Kreislaufwirtschaft

In der Session „Smart Logistics & Technology“ diskutierten die Fachleute, wie sich Routineaufgaben automatisieren lassen, während betriebliches Wissen im Team erhalten bleibt. Weitere Beiträge behandelten Bildverarbeitung und industrielle Systeme, die Daten zunehmend selbstständig auswerten.

Ein Praxisbeispiel zur Kreislaufwirtschaft stellte Laurenz Hoffmann, Co-CEO von Alimentastic, vor. Das Anlagenkonzept „ReFarmUnit“ der Reploid Group verarbeitet seinen Angaben zufolge rund 9.500 Tonnen organische Reststoffe pro Jahr. Die Ausgangsmaterialien stammen aus Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie im Umkreis von 50 Kilometern. Daraus sollen unter anderem Tierprotein und organischer Dünger entstehen.

Die Verbindung von Nachhaltigkeit, Automatisierung und Arbeitsorganisation stand auch in einer Diskussion zur Lebensmittellogistik im Mittelpunkt. „Nachhaltige Logistik gelingt nur, wenn wir ökologische Kreisläufe, Automatisierung und die Entlastung unserer Teams im Lager nahtlos miteinander verzahnen“, sagte Franz Zagler, Bereichsleiter Logistik und Warenfluss bei Spar Österreich.

Verantwortung beim KI-Einsatz

Das Panel „Trusted Intelligence“ widmete sich der Verantwortung beim Einsatz von Algorithmen. Diskutiert wurden Haftungsfragen und die Bedeutung von Kundenvertrauen. Weitere Programmpunkte behandelten internationale Personalgewinnung sowie Ladeinfrastruktur und nutzungsabhängige Finanzierungsmodelle für elektrische Lastkraftwagen.

Einen Blick auf den Wandel von Geschäftsmodellen brachte Musiker und Technologieunternehmer Smudo von den Fantastischen Vier ein. Im Gespräch mit Führungskräften aus Industrie und Logistik zog er Parallelen zwischen den Umbrüchen der Musikbranche und den Veränderungen anderer Wirtschaftszweige. Robotik-Demonstrationen begleiteten das Programm.