Der Vorstandsvorsitzende von BMW, Oliver Zipse, forderte bei der Jubiläums-Matinee der Deutschen Handelskammer in Österreich mehr Mut zur Innovation, klare Bekenntnisse zum Wirtschaftswachstum und eine Politik der offenen Märkte. Vor rund 180 geladenen Gästen ließ er mit Aussagen zur Wettbewerbsfähigkeit Europas, der von US-Präsident Donald Trump verfolgten Zollpolitik und die Notwendigkeit eines Wirtschaftswachstums aufhorchen. Seine Botschaft sei klar: Wenn es der Politik nicht gelinge, Wachstum zu ermöglichen, technologische Vielfalt zu sichern und protektionistischen Tendenzen entgegenzuwirken stehe Europas Wohlstand, Innovationskraft und globale Handlungsfähigkeit auf dem Spiel.
Wachstum für die Wirtschaft
Immer mehr Menschen stellen laut einer Aussendung die Notwendigkeit des Wirtschaftswachstums infrage und angesichts wachsender Kritik an Wachstumsmodellen und -strategien hält Zipse fest, dass Wirtschaftswachstum keine Option sei, sondern Voraussetzung für sozialen Ausgleich, stabile Staatshaushalte und eine nachhaltige Transformation. „Wer Wachstum bremst, bremst auch Fortschritt – technologisch, ökologisch und geopolitisch.“
Oliver Zipse gehe es dabei nicht um ein bloßes „Weiter so“, sondern um intelligentes, innovationsgetriebenes Wachstum. Europa müsse den Anspruch haben, nicht nur Nachfrager, sondern Gestalter von Zukunftstechnologien zu sein: „Wir dürfen nicht nur Konsumenten fremder Technologien sein – wir müssen wieder zu Pionieren werden.“ Wenn wir bei den Schlüsseltechnologien zurückfallen, würden wir an Souveränität verlieren. Stillstand sei keine Option und daher habe Wachstum oberste Priorität. Nur so könne Europa seine wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit wahren.
Der Präsident der Deutschen Handelskammer in Österreich, Hans Dieter Pötsch, sprach dieselbe Thematik an: „Wollen wir ein Kontinent der Innovation und Produktion bleiben – oder Konsummarkt fremder Technologien werden? Europa muss jetzt eine umfassende Transformation gestalten: ökologisch nachhaltig, wirtschaftlich tragfähig und geopolitisch klug. Im Innovationswettbewerb mit den USA und China dürfen wir nicht ins Hintertreffen geraten.“
Kritikpunkte hervorgehoben

Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender der BMW AG und Festredner der 50. DHK Matinee in Salzburg © Andreas Kolarik
Zugleich forderte der BMW-CEO freien, fairen Handel und kritisierte in diesem Zusammenhang die von US-Präsident Donald Trump verfolgte Zollpolitik. Wirtschaftliche Verflechtungen zwischen den Staaten würden immer häufiger als Druckmittel zur Durchsetzung politischer Interessen missbraucht werden. Das betreffe die Automobilindustrie oft besonders hart.
Obwohl der deutsche Premiumhersteller BMW Milliardenbeträge in die Entwicklung, weltweit zu den Pionieren und wichtigsten Herstellern rein elektrisch angetriebener Fahrzeuge zählt, stellt Zipse die Sinnhaftigkeit des ab 2035 in der EU geltende Verbrennerverbot in Frage. „E-Mobilität als singuläre Lösung führt in eine Sackgasse. Technologieoffenheit ist der einzig ökonomisch sinnvolle Weg bis weit in die 2030er-Jahre hinein“, so Zipse.
Zu den wichtigsten Standorten von BMW zählt das Motorenwerk in Steyr. Zugunsten des Werks in Oberösterreich habe BMW in Deutschland ein Motorenwerk geschlossen. Bislang seien rund 500 Millionen Euro in die Produktionsstätte investiert worden, bis zum Jahr 2030 solle es eine Milliarde sein.