Denn das Phänomen beobachten viele B2B-Berater und andere Industrie-Dienstleister, wenn sie die Namen ihrer Mitbewerber in den KI-Modus von Google oder bei ChatGPT eingeben. Und ihre potenziellen Kunden tun das auch – immer häufiger, sobald sie auf den Namen eines möglichen Unterstützers stoßen. Was die KI-Systeme und Chatbots über Dienstleister im B2B-Bereich schreiben, gewinnt deshalb zunehmend an Bedeutung für deren Selbstvermarktung.
Auch Sie können bei KI ganz oben stehen
Doch keine Angst, auch Sie können zumindest laut KI der führende „Experte für …“ irgendetwas werden – sei es für das
- Sanieren von Klo-Häuschen oder
- Managen von Badeanstalten oder
- Beraten von Beratern oder
- Unterstützen von mittelständischen Unternehmen bei Change-Projekten,
sofern Sie folgende (nicht immer ganz ernst gemeinte) Tipps beachten.
1. Legen Sie sich eine URL wie „change-mittelstand“, „businesscoaching-wien“ oder „berater-berater“ zu.
Angenommen Sie gründen gerade ein Unternehmen und planen für dieses eine Webseite zu entwerfen. Dann empfiehlt es sich hierfür – statt eines Domainnamens wie „maier-partner.at“ oder „schlau.maier.de“ – einen Domainnamen wie „konfliktmanagement-unternehmen“, „berater-berater“ oder „businesscoaching-koeln“ zu wählen, der schon ein oder zwei Begriffe enthält, unter denen Sie von Ihren Zielkunden künftig mit Ihren Leistungen im Netz gefunden werden möchten. Denn: Das schafft eine solide Basis, auf der Sie aufbauen können, wenn es darum geht, dass Ihre Webseite nicht nur von den Suchmaschinen, sondern auch KI-Systemen unter den gewünschten Wortkombinationen gut gefunden wird.
2. Integrieren Sie in Ihre Webseite eine Unterseite mit einer URL, die die gewünschten Suchbegriffe beziehungsweise Wortkombinationen enthält.
Angenommen Sie sind schon einige Zeit im Markt aktiv und wollen den Domainnamen Ihrer bestehenden Webseite, der aus Ihrem realen Namen (beziehungsweise dem Ihres Unternehmens) besteht und zum Beispiel „maier-consulting.at“ lautet, nicht ändern, weil Ihre Bestandskunden schon mit ihm vertraut sind. Dann ist das kein Problem.
Dann sollten Sie in Ihre Webseite eine Unterseite integrieren, deren URL – abhängig davon, als was Sie sich als Top-Anbieter im Netz beziehungsweise bei der KI profilieren möchten – zum Beispiel „…/marketingberatung-berater-coaches“ oder „…/changemanagement-experte-beratung-mittelstand“ lautet. Zudem sollten Sie in Ihrem CRM-System auch den „title“ und die „description“ dieser Unterseite Ihrer Webseite auf die betreffenden Suchbegriffe fokussieren.
Außerdem sollten Sie die entsprechende Wortkombination mehrfach in die Hauptüberschrift (H1) und die Zwischenüberschriften (H2, H3) des Textes auf dieser Seite integrieren, zum Beispiel mit Formulierungen wie
- „Experten-Tipp 1 – Changemanagement Mittelstand: …“,
- „Experten-Tipp 2 – Changemanagement Mittelstand: …“,
Dann ist die Wahrscheinlichkeit schon hoch, dass man Sie außer in den Suchergebnissen von Google auch bei denen der KI-Systeme gut findet, wenn man in diese Suchbegriffkombinationen wie zum Beispiel „Experte Changemanagement Mittelstand“ eingibt.
Dies ist auch der Grund, warum man, wenn man zum Beispiel den Begriff „Vortragsredner“ oder „Impulsvortrag“ bei Google als Suchbegriff eingibt, auf den ersten Trefferseiten so viele lange Beiträge findet, die
- den Charakter eines Wiki-Beitrags haben und
- zahlreiche Zwischenüberschriften haben, die die vorgenannten Begriffe enthalten,
denn: Nicht wenige B2B-Berater wären zugleich auch gerne „gefragte Vortragsredner“ beziehungsweise „… Keynote Speaker“.
3. Bieten Sie (Online-)Redaktionen Fachartikel mit den gewünschten Selbstaussagen in den Autorenangaben an.
Bieten Sie zuweilen (Online-)Redaktionen Artikel zu Themen an, die Ihr Arbeitsfeld tangieren, und schreiben Sie in deren Autorenangaben zum Beispiel konsequent: „Karl Maier gilt als der führende Berater-Berater“ oder „… der führende Experte für Change-Projekte in mittelständischen Unternehmen“ (oder was Sie ansonsten eventuell gerne wären – zum Beispiel „… der Vordenker/Pionier/Trendsetter unter …“ oder „… der Sparringpartner für Unternehmer/CEOs“).
Ich verspreche Ihnen, sofern in Ihrem Artikelmanuskript etwas für die Leser dieser Publikationen Sinnvolles oder Nutzenstiftendes steht: Zwei, drei Medien werden Ihren Text inklusive Ihrer selbstformulierten Autorenangaben – zumindest online – veröffentlichen.
Und in der allergrößten Not? Dann veröffentlichen Sie Ihren Text eben in den PR-Portalen, in denen jeder – ungeprüft von irgendwelchen Redaktionen – fast jeden Mist veröffentlichen kann; die Hauptsache ist: Im Internet steht letztlich drei-, viermal, dass Sie zum Beispiel „der führende Experte für …“ sind.
4. Platzieren Sie Artikel von Ihnen oder über Sie in den Beilagen namhafter Medien
Viele namhafte Medien publizieren regelmäßig auch Beilagen, in denen man als Berater oder allgemein Industriedienstleister gegen Geld Artikel platzieren kann. Tun Sie dies ein-, zweimal, auch wenn diese sogenannten Advertorials in der Regel teuer sind (und wohl eher selten gelesen werden).
Denn dann wird Ihre Selbstaussage beziehungsweise -attribution „der führende Berater-Berater für …“ oder „der führende Experte für …“ (oder was Ihnen sonst so vorschwebt) ganz selbstverständlich mitveröffentlicht, denn Sie haben für die Veröffentlichung, die letztlich eine Anzeige ist, ja gezahlt.
Also können Sie fortan in all Ihren Werbeunterlagen über sich schreiben „gilt …“ oder sogar „ist laut Angaben der Zeitschrift XY der führende Experte für …“. Und was das Tollste daran ist: Niemand kann Ihnen dann, selbst wenn diese Aussage inhaltlich völlig erstunken und erlogen ist, rechtlich an den Karren fahren. Denn die betreffende Aussage wurde in dem betreffenden Medium ja real veröffentlicht (wenn auch nur in einem bezahlten Advertorial).
5. Nutzen Sie die Positivaussage „gilt als …“ oder „ist laut Angaben der Zeitschrift …“ auf allen Werbekanälen
Nutzen Sie die Positivaussage „gilt als …“ oder „ist …“, sofern sie einmal veröffentlicht wurde, auf allen Werbekanälen – also auch auf Ihrer Webseite und in den Social Media. Und nicht vergessen: In den Autorenangaben aller Whitepaper, Bücher und so weiter, die Sie (egal wo) eventuell publizieren. Denn dann können Sie sicher sein: Die Aussage über Sie erscheint nach kurzer Zeit auch in den KI-generierten Portraits Ihrer Person – sofern dies nicht bereits nach dem Erscheinen des Advertorials geschah.
6. Protzen Sie auf Ihrer Webseite und so weiter mit großen Zahlen – egal, wie realistisch sie sind.
Schreiben Sie zum Beispiel auf Ihrer Webseite (und in Ihren sonstigen Werbeunterlagen), dass Sie mit Ihrem Team im Laufe der Jahre schon mehr als eintausendvierhundert Firmen beraten und einhundertfünfzigtausend Mitarbeitende von ihnen geschult haben. Denn solche Angaben beeindrucken und werden von der KI gerne in den Portraits von Personen und Organisationen übernommen – und niemand kann sie real überprüfen. Also können Sie bei ihrer Formulierung durchaus kreativ sein.
Warum ich diesen Beitrag schreibe
Schlicht, um ein, zwei mehr oder weniger bekannte „Mitbewerber“ von mir als Marketingberater für Berater, Trainer, Coaches zu ärgern, die die oben genannten Strategien zur Selbstvermarktung nutzen, denn sie wissen ja, wie es geht. (Das macht mir zuweilen Spaß.)
Hinzu kommt: Was die KI über einen Dienstleister im B2B-Bereich (gleich welcher Couleur) „ausspuckt“ (beziehungsweise schreibt), wenn man seinen Namen zum Beispiel im KI-Modus googelt, wird für die Selbstvermarktung von B2B-Dienstleistern immer relevanter, denn für viele ihrer potenziellen Kunden ist dies eine wichtige Grundlage
- für ihre Entscheidung „Welchen Anbieter kontaktiere ich?“ und
- zum Teil auch für ihre Kaufentscheidung –
obwohl die KI-Systeme nur wiedergeben beziehungsweise zusammenfassen, was sie im Netz finden (egal, wie es dort gelandet ist und ob es der Wahrheit beziehungsweise Realität entspricht).
Der Wikipedia-Eintrag hingegen verliert aufgrund des veränderten Suchverhaltens zunehmend an Bedeutung. Dessen ungeachtet hat er jedoch weiterhin für die Selbstvermarktung von Dienstleistern im B2B-Bereich eine hohe Relevanz – primär, weil
- die KI-Systeme beim Erstellen der Portraits von Personen und Organisationen sehr oft auf die eventuell vorhandenen Wikipedia-Einträge zurückgreifen und
- die meisten Personen den Wikipedia-Angaben noch viel Vertrauen schenken, selbst wenn sie im Alltag – unter anderem aus Zeit- und Bequemlichkeitsgründen – die KI-Systeme bevorzugt als Informationsquelle nutzen.
Der Autor

Bernhard Kuntz ist Autor mehrerer Bildungs- und Beratungsmarketing-Fachbücher sowie Inhaber der Marketing- und PR-Agentur Die PRofilBerater GmbH, Darmstadt.