Beim VNL-Logistik-Forum Wien am 1. Oktober diskutierten Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft, Stadtplanung und Logistik über die künftigen Anforderungen an den Wirtschafts- und Logistikstandort Österreich. Ein Schwerpunkt lag auf der Umsetzung der österreichischen Logistikstandortstrategie. Dabei ging es insbesondere um den Ausbau der Verkehrs- und Energieinfrastruktur, den Fahrermangel und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen.

Verkehrsminister Peter Hanke verwies dabei auf den geplanten Ausbau der Ladeinfrastruktur für den Straßengüterverkehr. Bis 2035 sollen im hochrangigen Straßennetz 1.300 Lkw-Ladepunkte entstehen. Franz Staberhofer, Präsident des VNL und Leiter des Logistikums der Fachhochschule Oberösterreich, sieht funktionierende Infrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen als wesentliche Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.

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Wien plant urbane Logistik neu

Auch die Versorgung wachsender Städte beschäftigt die Branche. Wien soll laut den beim Forum präsentierten Prognosen bis 2053 auf rund 2,3 Millionen Einwohner:innen wachsen. Gleichzeitig verfolgt die Stadt das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden.

Mit dem Masterplan Urbane Logistik will Wien deshalb den Wirtschaftsverkehr stärker in die Stadtplanung integrieren. Vorgesehen sind unter anderem eine bessere Datenbasis für Logistikströme, die Auseinandersetzung mit Zero-Emission-Zonen sowie der Ausbau von Terminal-, Schienen- und Hafeninfrastruktur. Der Masterplan soll wirtschaftliche Anforderungen, Klimaschutz und Lebensqualität miteinander verbinden und Unternehmen langfristigere Planung ermöglichen.

E-Lkw kommen in der Praxis an

Wie die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs umgesetzt werden kann, zeigten mehrere Praxisbeispiele. dm und Quehenberger Logistics stellen die Belieferung von 100 Märkten in Wien und Umgebung schrittweise auf zehn E-Lkw um. Nach Angaben der Unternehmen sollen dadurch jährlich 389 Tonnen CO₂ eingespart werden. Als wesentliche Faktoren gelten eine abgestimmte Planung, ausreichende Ladeinfrastruktur sowie die Optimierung von Routen und Fahrzeugeinsatz.

Schlager Transport Logistik hat mit seiner E-Lkw-Flotte nach eigenen Angaben bereits rund 1,75 Millionen vollelektrische Kilometer zurückgelegt. Das Unternehmen beziffert die dadurch erzielte Einsparung auf rund 410.000 Liter Diesel beziehungsweise 1.078 Tonnen CO₂. Die bisherigen Erfahrungen würden zeigen, dass wirtschaftlicher E-Lkw-Betrieb ein abgestimmtes Gesamtsystem aus Fahrzeugen, Ladeinfrastruktur, Energieerzeugung und -speicherung, Lastmanagement und geeigneten Einsatzprofilen voraussetzt.

Neue Kräfteverhältnisse in der Containerschifffahrt

Neben nationalen Infrastrukturfragen beschäftigten auch Veränderungen in internationalen Lieferketten das Forum. Alexander Till von Hafen Hamburg Marketing verwies darauf, dass die zehn größten Containerreedereien mittlerweile 84,7 Prozent des Weltmarktes halten. Gleichzeitig investieren große Reedereien verstärkt in Terminals und weitere Bereiche der Logistikkette. Damit verändern sich laut Till auch die Zuständigkeiten und Handlungsspielräume europäischer Unternehmen entlang internationaler Transportketten.