Österreichs Wirtschaft erholt sich nach den Rückgängen in den Jahren 2023 und 2024 nur langsam. Dabei verschieben sich die Wachstumstreiber: Während zuletzt vor allem öffentliche Verwaltung, Bildung und Gesundheit die Wirtschaftsleistung stützten, übernimmt 2026 die Industrie diese Rolle. Für die Herstellung von Waren prognostiziert das Wifo heuer einen realen Zuwachs von 2,3 Prozent.
„2026 löst die Industrie den öffentlichen Bereich als Wachstumsträger ab; die weitere Entwicklung der Industriewertschöpfung ist allerdings von der Auslandsnachfrage und den Energiepreisen abhängig“, sagt Christian Glocker, einer der Autoren der aktuellen Prognose am Wifo in Wien. Die Exporte sollen 2026 um 2,3 Prozent steigen. Über Produktion und Einkommen dürfte dieser Impuls erst allmählich auf die Inlandsnachfrage übergehen.
Energiepreise belasten die Kaufkraft
Der Krieg im Nahen Osten und die anhaltende Blockade der Straße von Hormus haben laut Wifo die Preise für Rohöl, Erdgas und Strom kräftig steigen lassen. Dieser neuerliche Energiepreisschub trifft auf eine bereits schwache Kaufkraft und eine restriktiv ausgerichtete Wirtschaftspolitik.
Für 2026 rechnet das Institut mit einer Inflation von 3,3 Prozent, für 2027 mit 2,6 Prozent. Sinkende Reallöhne und die Unsicherheit der Haushalte begrenzen die Konsumausgaben: Der private Konsum dürfte heuer real um lediglich 0,4 Prozent und im kommenden Jahr um 0,5 Prozent wachsen. Mit der in der Prognose angenommenen Entspannung auf den Energiemärkten sollte der Preisauftrieb nachlassen.
Bauinvestitionen sollen 2027 wieder zulegen
Im kommenden Jahr erwartet das Wifo eine stärkere Übertragung der Exportimpulse auf die Binnenwirtschaft. Die Bauinvestitionen dürften 2027 erstmals seit fünf Jahren wieder steigen: Nach einem prognostizierten Rückgang um 0,6 Prozent im laufenden Jahr wird ein Plus von einem Prozent erwartet. Die Ausrüstungsinvestitionen sollen 2026 um 1,9 Prozent und 2027 um 2,2 Prozent wachsen. Auch die Bruttoreallöhne pro Kopf dürften 2027 wieder leicht zunehmen. Die Straffung der Geldpolitik und die fortgesetzte Budgetkonsolidierung begrenzen allerdings die wirtschaftliche Dynamik.
Am Arbeitsmarkt kommt die Erholung verzögert an. Die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten soll 2026 um 0,5 Prozent und 2027 um 0,7 Prozent steigen. Weil zugleich das Arbeitskräfteangebot insbesondere durch Zuwanderung wächst, erwartet das Wifo heuer einen Anstieg der Arbeitslosenquote nach nationaler Definition auf 7,6 Prozent. Erst 2027 dürfte sie auf 7,3 Prozent zurückgehen.
Wettbewerbsdruck und Budgetdefizit bleiben hoch
Mittelfristig belasten weiterhin hohe Energiepreise und Lohnstückkosten die Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere jene der energieintensiven Exportwirtschaft. Weitere Herausforderungen sieht das Wifo bei der Erwerbsbeteiligung älterer Menschen sowie bei der Integration von Zugewanderten in Bildung und Arbeitsmarkt. Österreichs Wirtschaft dürfte bis 2031 langsamer wachsen als der Durchschnitt des Euro-Raums.
Das staatliche Budgetdefizit wird laut Prognose im Zeitraum 2026 bis 2031 durchschnittlich 4,1 Prozent des nominellen Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen. Die Staatsschuldenquote dürfte bis 2031 auf rund 89 Prozent steigen. Höhere langfristige Zinsen erhöhen den Aufwand für den Schuldendienst. Um die Maastricht-Defizitgrenze von drei Prozent zu erreichen oder zu unterschreiten, wären laut Wifo ab 2029 zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen im Umfang von mindestens einem Prozent des nominellen BIP erforderlich.
