Österreich zählt zu den gründungsfreudigsten Ländern im deutschsprachigen Raum: Im Jahr 2025 wurden rund 40.000 neue Unternehmen gegründet. Gleichzeitig stehen kleine und mittlere Unternehmen – ob jung oder etabliert – vor einer Herausforderung, die sich kaum verändert hat: Wer wachsen, modernisieren oder effizienter arbeiten will, kommt um Investitionen in Alltagsausstattung kaum herum. IT-Ausstattung, Gastronomietechnik, Medizingeräte oder Werkzeuge – die Liste ist lang, das verfügbare Kapital jedoch häufig begrenzt.
Die entscheidende Frage ist daher nicht nur, ob investiert wird, sondern wie. Im österreichischen Markt dominieren bislang klassische Finanzierungsformen. Neuere, flexiblere Modelle setzen sich erst langsam durch, obwohl sie in manchen Situationen die deutlich passendere Wahl sein können.
Kauf: volle Kontrolle – hohe Bindung
Der klassische Kauf ist die einfachste Lösung. Es gibt keine laufenden Verpflichtungen und keinen Finanzierungspartner. Allerdings bindet ein Kauf sofort Kapital, das gerade in Wachstumsphasen an anderer Stelle häufig dringender benötigt wird, beispielsweise für Personal, Marketing oder Betriebsmittel.
Hinzu kommt: Investitionsgüter müssen steuerlich über mehrere Jahre abgeschrieben werden. Der steuerliche Effekt verteilt sich somit über diesen Zeitraum, sodass sich die Liquidität nur langsam entlastet. Bei schnelllebiger Technik wächst zudem das Risiko, dass Geräte früher als geplant ersetzt werden müssen, was entsprechende Folgekosten nach sich zieht.
Bankkredit: planbar – steigende Hürden
Der Bankkredit bleibt eines der wichtigsten Finanzierungsinstrumente des Mittelstands. Er ermöglicht planbare Raten und ist für größere Investitionen oft sinnvoll. In der Praxis berichten jedoch viele österreichische Unternehmen von gestiegenen Anforderungen bei der Kreditvergabe: umfangreiche Unterlagen, Bonitätsnachweise und Sicherheiten.
Für junge Unternehmen und Neugründer*innen ist ein Bankkredit häufig keine reale Option – nicht, weil sie unseriös sind, sondern weil sie schlicht noch keinen Bonitäts-Score aufgebaut haben. Die Hausbank finanziert lieber auf Basis einer belastbaren Unternehmenshistorie als auf Basis einer Geschäftsidee.
Leasing: bewährt – mit Grenzen
Leasing ist eine etablierte Alternative, besonders bei hochpreisigen Anschaffungen. Monatliche Raten sind als Betriebsausgaben vollständig steuerlich absetzbar, die Bilanz bleibt entlastet. In der Praxis beginnen klassische Leasingmodelle jedoch häufig erst bei größeren Investitionssummen, sodass kleinere Anschaffungen notwendiger Alltagsgeräte oft nicht berücksichtigt werden.
Hinzu kommen feste Laufzeiten, die für technologiegetriebene Ausstattung mit kurzen Innovationszyklen wenig Flexibilität lassen. Auch hier haben frisch gegründete Unternehmen häufig Schwierigkeiten, überhaupt ein Angebot zu erhalten.
Flexible Nutzungsmodelle
Neben diesen klassischen Modellen gewinnen in Österreich zunehmend nutzungsbasierte Finanzierungsformen an Bedeutung. Das Prinzip: Ein Anbieter erwirbt das Gerät und stellt es dem Unternehmen gegen eine monatliche Nutzungsgebühr zur Verfügung. Die Laufzeiten sind offen, Geräte können zurückgegeben, weitergenutzt oder gekauft werden.
Dies ist insbesondere für Geräte mit kurzen Innovationszyklen relevant, etwa IT-Ausstattung, Gastronomiegeräte oder medizinische Technik. Beim Kauf trägt das Unternehmen das wirtschaftliche Risiko der Veralterung selbst. Die monatliche Rate ist vollständig als Betriebsausgabe absetzbar, und die Investition bleibt off-balance.
Was in Deutschland und international bereits verbreitet ist, setzt sich auch in Österreich zunehmend durch. Der Markt war lange geprägt von klassischen Leasinggesellschaften mit festen Laufzeiten und Mindestbeträgen. Diese Lücke schließen neuere Anbieter mit volldigitalen Prozessen, kleineren Ticketgrößen und größerer Flexibilität bei Laufzeit und Ausstieg.
Unterschätzte Zielgruppe
Ein wichtiger Aspekt, der in der Finanzierungsdiskussion häufig übersehen wird, ist: Flexible Nutzungsmodelle können auch Neugründer*innen zugänglich sein, die bei Banken und klassischen Leasinggesellschaften keine Finanzierung erhalten.
Wer ein Unternehmen gründet, hat noch keinen Bonitäts-Score als juristische Person aufgebaut – keine Bilanz, keine Kredithistorie und keine Sicherheiten. Das klassische Finanzierungssystem schließt diese Gruppe strukturell aus, nicht weil das Vorhaben zu riskant ist, sondern weil die Bewertungslogik nicht passt.
Eine mögliche Lösung ist die Prüfung der natürlichen Person statt des Unternehmens. In Österreich ermöglicht die Bonitätsauskunft über KSV1870 eine Einschätzung der Kreditwürdigkeit der gründenden Person. Dies kann zumindest bei Mietmodellen ausreichen, um eine Finanzierungsentscheidung zu treffen und den Zugang zu Equipment zu ermöglichen, das sonst nicht verfügbar wäre.
Das hat auch eine unmittelbare Wirkung für Händler und Hersteller: Wer Kund*innen eine niedrigschwellige Finanzierungsoption anbieten kann, erzielt häufig höhere Abschlussquoten – besonders im Segment kleiner und mittlerer Unternehmen, die sonst aus dem Kaufprozess aussteigen würden oder nur sehr begrenzte Möglichkeiten hätten
Praxisbeispiel
Ein konkretes Beispiel für die Relevanz flexibler Modelle sind hochwertige Kaffeemaschinen. Sie gehören zur Grundausstattung vieler Gastronomie- und Hospitality-Betriebe – von der kleinen Kaffeebar bis zum Hotelrestaurant. Die Anschaffungskosten professioneller Geräte sind erheblich, und für Neugründer*innen stellt dies häufig eine erhebliche Hürde dar. Espresso Solutions, österreichischer Partner von La Marzocco, vertreten durch Studer Austria, beobachtet, dass flexible Finanzierungsmodelle bei seiner Kundschaft zunehmend gefragt sind.
Hans-Christian Stockfisch, Gründer und CEO bei Flexvelop, Hamburg, Deutschland, sagt: „Aus Sicht von Flexvelop, das La-Marzocco-Equipment in Österreich über diesen Kanal finanziert, bestätigt sich das in der Praxis: Gerade für Neugründer*innen wie kleine Kaffeebars ist der Zugang zu hochwertigen Geräten über klassische Finanzierungswege häufig schwierig.“ Flexible Modelle mit offener Laufzeit können diese Hürde deutlich senken, da die hohe Erstinvestition entfällt und stattdessen planbare monatliche Raten entstehen. Gleichzeitig bleibt die Kaufentscheidung flexibel und kann an die tatsächliche Geschäftsentwicklung angepasst werden.
Für Händler eröffnet dies ein zusätzliches Marktsegment, weil mehr Betriebe Zugang zu professioneller Ausstattung erhalten, die zuvor aus finanziellen Gründen nicht erreichbar war.
Welche Finanzierungsform passt wann?
Die Wahl hängt von mehreren Faktoren ab: Investitionshöhe, geplanter Nutzungsdauer, Liquiditätssituation und – besonders wichtig – dem Entwicklungsstadium des Unternehmens.
Kauf und Kredit bleiben sinnvoll für langfristig genutzte Investitionsgüter mit stabilen Abschreibungszyklen sowie für Unternehmen mit ausreichend Eigenkapital oder Kredithistorie. Leasing empfiehlt sich bei größeren Einzelinvestitionen mit klarer Laufzeitperspektive.
Flexible Nutzungsmodelle sind besonders geeignet für kleinere Investitionssummen, technologiegetriebene Assets mit kurzen Innovationszyklen sowie für Unternehmen, die ihre Liquidität schonen möchten oder für die klassische Finanzierungswege noch nicht offenstehen – also auch und gerade für Gründer*innen.
Was sich in Österreich zunehmend abzeichnet: Die Frage lautet nicht mehr ausschließlich „kaufen oder leasen“. Die Bandbreite sinnvoller Optionen ist deutlich größer geworden – und damit auch der Spielraum für unternehmerische Entscheidungen.
Der Autor

Hans-Christian Stockfisch, Gründer und CEO von Flexvelop, einem Fintech für flexible Equipment-Finanzierung. Flexvelop ermöglicht kleinen und mittelständischen Unternehmen, Alltagsgeräte monatlich zu mieten und später zu kaufen – ohne Mindestlaufzeit und volldigital. Das Unternehmen ist seit 2026 auch im österreichischen Markt aktiv.