Die Beobachtungsstelle für Patente und Technologie des Europäischen Patentamts (EPA) hat eine neue Studie zur Rolle von Frauen in MINT-Berufen veröffentlicht. Die Analyse untersucht die Beteiligung von Frauen an Innovationstätigkeiten, Patenten, Deep-Tech-Gründungen und wissenschaftlichen Karrierewegen in Europa.
Demnach steigt der Anteil von Frauen in Innovationsprozessen zwar langsam, sie bleiben jedoch in mehreren Bereichen deutlich unterrepräsentiert. Das betrifft insbesondere Patentanmeldungen, die Gründung patentaktiver Startups sowie Karrierewege in der wissenschaftlichen Forschung.
Geschlechterlücke bei Patenten weiterhin groß
In Europa lag der Anteil von Erfinderinnen laut Studie im Jahr 2019 bei 13 Prozent und stieg bis 2022 auf 13,8 Prozent. Frauen sind dabei häufig Teil von Erfinderteams, werden jedoch deutlich seltener als Einzelerfinderinnen genannt.
Österreich weist innerhalb Europas weiterhin eine besonders niedrige Beteiligung von Frauen an Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt auf. Die sogenannte Women Inventor Rate (WIR) stieg nur geringfügig von 7,7 Prozent im Zeitraum 2013 bis 2017 auf acht Prozent zwischen 2018 und 2022.
„Europa kann nur davon profitieren, die Beteiligung von Frauen an Innovationen zu stärken“, sagt António Campinos, Präsident des Europäischen Patentamts in München. „Diversität ist kein Luxus, sondern der Treibstoff für bahnbrechende Innovationen.“
Ein Teil der Lücke zum europäischen Durchschnitt hängt laut Studie mit der technologischen Spezialisierung österreichischer Antragsteller zusammen. Viele Patentanmeldungen stammen aus Ingenieurdisziplinen, in denen der Anteil von Frauen traditionell niedriger ist.
Frauen selten unter den Gründerinnen
Besonders deutlich zeigt sich die Geschlechterkluft laut Bericht bei Startups mit Patentanmeldungen. Europaweit verfügen nur 13,5 Prozent dieser Unternehmen über mindestens eine Gründerin.
Österreich zählt dabei gemeinsam mit Ländern wie Deutschland und den Niederlanden zu den Staaten mit den niedrigsten Beteiligungsraten. Der Women Participation Index (WPI), also der Anteil von Startups mit mindestens einer Gründerin, liegt hier bei 11,1 Prozent. Zum Vergleich: Startups ohne Patentanmeldungen erreichen in Österreich einen Gründerinnenanteil von 10,7 Prozent sowie einen WPI von 18,2 Prozent.
Auffällig ist zudem ein Unterschied zwischen jungen und etablierten Unternehmen. Bei jüngeren Startups liegt der Anteil von Gründerinnen laut Studie bei rund 14 Prozent, während er bei Unternehmen, die älter als 20 Jahre sind, nur etwa 5,9 Prozent beträgt.
Ungenutztes Innovationspotenzial
Die Untersuchung zeigt auch Unterschiede entlang wissenschaftlicher Karrierewege. Frauen sind unter promovierten MINT-Absolventinnen und -Absolventen mit Patentanmeldungen weiterhin unterrepräsentiert, obwohl sie auf Doktorandenebene stark vertreten sind.
Die Studie beschreibt diesen Verlauf als sogenannte „Leaky Pipeline“, bei der der Anteil von Frauen mit zunehmender Karrierestufe sinkt. Besonders deutlich wird diese Entwicklung beim Übergang von Forschung zur wirtschaftlichen Nutzung von Innovationen.
Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass Forschungsergebnisse von Frauen ein vergleichbares Innovationspotenzial wie jene von Männern aufweisen. Die geringere Beteiligung an Patenten wird daher laut Bericht eher mit sozialen, institutionellen und wirtschaftlichen Faktoren in Verbindung gebracht.
Universitäten mit höherer Beteiligung
Anteil von Erfinderinnen besonders hoch. Bei Pharmazeutika liegt er bei 34,9 Prozent, in der Biotechnologie bei 34,2 Prozent und in der Lebensmittelchemie bei 32,3 Prozent. In einigen patentintensiven Bereichen der Ingenieurwissenschaften sind die Werte deutlich niedriger. Dazu zählen etwa Werkzeugmaschinen mit 5,7 Prozent, grundlegende Kommunikationsprozesse mit 5,5 Prozent sowie mechanische Bauteile mit 4,9 Prozent.
Universitäten und öffentliche Forschungseinrichtungen weisen mit 24,4 Prozent den höchsten Anteil an Erfinderinnen auf. In Österreich konnten einzelne Einrichtungen in europäischen Rankings hohe Platzierungen erreichen. Die Universität Wien belegte im Bereich Life Sciences Rang acht unter den größten europäischen Forschungseinrichtungen beim Anteil von Absolventinnen mit Patentanmeldungen während ihrer Dissertation. Auch die Technische Universität Wien erreichte im Bereich Mathematik und Informatik Rang acht bei Patentanmeldungen nach der Dissertation.
Frauenanteil in Patentberufen steigt
Neben der Forschung untersucht die Studie auch Berufe rund um das Patentsystem. In Europa stellen Frauen mittlerweile 29,2 Prozent der Patentanwältinnen und Patentanwälte. Auch in Österreich ist der Anteil gestiegen. Zwischen 2015 und 2025 erhöhte er sich von 19,1 Prozent auf 23,8 Prozent. Damit liegt das Land jedoch weiterhin unter dem europäischen Durchschnitt.