Junge Führungskräfte gesucht
Rund 51.500 Familienunternehmen müssen bis 2029 ihre Nachfolge regeln. Gerade in kleinen und mittleren Betrieben ist eine frühzeitige Planung essenziell, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Dabei rückt eine neue, digital geprägte Generation nach und bringt frischen Wind in die Führungsetagen.
Abschied nehmen fällt oft schwer – nicht nur im Privaten, sondern auch in Unternehmen. Denn auch Inhaber*innen kleiner und mittlerer Unternehmen gehen in Pension und sollten frühzeitig an die Nachfolge denken und die Übergabe regeln.
In vielen österreichischen Betrieben schlummert ein ungenutzter Schatz direkt in der Schublade: die Nachfolgeregelung innerhalb der Familie. Rund 200.000 Familienunternehmen gibt es hierzulande, und bei jedem zehnten steht in den nächsten Jahren die Weitergabe an die nächste Generation an. Insgesamt werden bis zum Jahr 2029 voraussichtlich etwa 51.500 Betriebe ihre Unternehmensführung übergeben – unabhängig von ihrer Größe. Gerade für KMU gilt: Je früher man sich mit dem Thema beschäftigt, desto besser. So bleibt genug Zeit, Nachwuchskräfte gezielt aufzubauen und Strukturen behutsam anzupassen, damit der Wechsel später reibungslos funktioniert. Und nicht zuletzt lassen sich mit diesem zeitlichen Puffer auch viele Konflikte frühzeitig vermeiden.
Die Jungen übernehmen

„Eine Betriebsübergabe sollte idealerweise drei bis fünf Jahre vor dem geplanten Übergabetermin vorbereitet werden. Da eine Nachfolge rechtliche, steuerliche und betriebswirtschaftliche Fragen umfasst, braucht es ausreichend Vorlauf“, sagt Lukas Sprenger, Bundesgeschäftsführer der Jungen Wirtschaft bei der Wirtschaftskammer Österreich. Eine frühzeitige Planung ermöglicht eine schrittweise Übergabe von Verantwortung, Wissen und Netzwerken. Entscheidend ist eine offene Kommunikation mit der Nachfolgeperson sowie der Belegschaft. „Außerdem ist die Bereitschaft, Erfahrungen weiterzugeben und gleichzeitig Raum für eigene Entscheidungen zu lassen, wichtig“, so Sprenger.
In die Führungsrolle wird in den kommenden Jahren vermehrt die Generation Z schlüpfen – also jene Personen, die ungefähr zwischen Mitte der 1990er- und den frühen 2010er-Jahren geboren wurden. Über diese Gruppe kursieren gelegentlich Vorurteile: Sie fordere viel, wolle aber selbst nicht arbeiten oder sei zwar selbstbewusst, aber wenig belastbar. Auch wenn diese Behauptungen auf Einzelne zutreffen mögen, wäre es ein Fehler, eine ganze Generation über einen Kamm zu scheren. „Junge Unternehmer*innen bringen neue Perspektiven und hohe digitale Kompetenz mit. Für KMU eröffnet das die Chance, Prozesse zu optimieren, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben“, ist Sprenger überzeugt.
Wie die GenZ tickt
Die Generation Z denkt digital, pragmatisch und datengetrieben, nutzt Social Media gezielt für Markenaufbau und Recruiting, lebt den offenen Dialog und versteht Nachhaltigkeit als Chance für Effizienz und Innovation. Zudem bringt sie ein wertebasiertes Führungsverständnis mit, das sich deutlich von klassischen Hierarchien abhebt: Statt autoritärer Top-down-Ansätze setzt sie auf Authentizität, Transparenz und Führung auf Augenhöhe. Wo Betriebe Verantwortung abgeben, Experimente zulassen und Erfahrung mit Neugier verbinden, wird die Nachfolge zur echten Zukunftschance.
Es gibt verschiedene Übergabemodelle, wenn die nächste Generation das Unternehmen übernehmen soll. Den passenden Weg zu finden, ist oft herausfordernd. Entscheidend sind eine offene, realistische Herangehensweise und klare Anforderungen an die Nachfolge. „Neben der innerfamiliären Übergabe – derzeit noch die häufigste Form der Unternehmensnachfolge in Österreich – sollten auch Mitarbeitende oder externe Käufer*innen in Betracht gezogen werden“, rät Sprenger.
Eine offene Kommunikation mit der Nachfolgeperson sowie der Belegschaft hilft, Unsicherheiten abzubauen und Vertrauen zu schaffen.
Lukas Sprenger, Bundesgeschäftsführer der Jungen Wirtschaft
Modelle mit Zukunft
Für die Übergabe haben sich unterschiedliche Alternativen bewährt, die sich flexibel an die jeweilige Situation anpassen lassen: Mitarbeiterbeteiligungen – etwa in Form eines Management-Buy-Outs – ermöglichen es langjährigen Mitarbeitenden, das Unternehmen zu übernehmen. Know-how und Unternehmenskultur bleiben so erhalten. Auch schrittweise Anteilsübertragungen sind eine Option für einen sanften, steuerlich optimierten Übergang. Kaufpachtmodelle bieten eine Testphase mit späterem Kauf. Hybride Varianten, bei denen externe Nachfolgerinnen übernehmen und die bisherigen Inhaberinnen ein bis drei Jahre beratend begleiten, sichern den Wissenstransfer, minimieren Unsicherheiten und steigern die Erfolgsaussichten deutlich.
Loslassen will gelernt sein
Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Selbstreflexion der übergebenden Personen. Der emotionale Abschied vom eigenen Lebenswerk fällt vielen schwer, da das Unternehmen nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch ein zentraler Teil der eigenen Identität ist. Gefühle von Verlust, Unsicherheit oder Angst vor Bedeutungslosigkeit sind dabei völlig normal. Eine bewusste Auseinandersetzung mit Fragen wie „Was bedeutet mir das Unternehmen wirklich?“ oder „Welche Rolle will ich danach einnehmen?“ kann helfen. Gespräche mit neutralen Berater*innen oder dem privaten Umfeld lösen emotionale Blockaden und erleichtern den Übergang.
„Übergeber*innen sollten frühzeitig eine klare Nachfolgeplanung entwickeln und Zuständigkeiten definieren. Eine offene Kommunikation mit der Nachfolgeperson sowie der Belegschaft hilft, Unsicherheiten abzubauen und Vertrauen zu schaffen. Gleichzeitig ist es wichtig, Erfahrungen weiterzugeben, jedoch genug Raum für eigene Entscheidungen zu lassen“, empfiehlt Sprenger. So wird aus dem Abschied kein Bruch, sondern ein fließender Übergang – und aus dem Generationenwechsel eine echte Chance für nachhaltigen unternehmerischen Erfolg.
Betriebsübergabe: Wo finden KMU Unterstützung?
Die Junge Wirtschaft (JW) hat die Nachfolgestrategie für Österreich erarbeitet. Alle wichtigen Fakten, Herausforderungen und Maßnahmen lassen sich darin nachlesen. Um die Generation Z gezielt auf die Unternehmensübernahme vorzubereiten, startet die JW gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft noch in diesem Jahr ein Weiterbildungsprogramm für Nachfolger*innen. Mit „NextGen4Austria“ soll praxisnahes Know-how in rechtlichen, finanziellen und strategischen Fragestellungen an potenzielle Übernehmer*innen vermittelt werden.
Das Austria Wirtschaftsservice (aws) unterstützt Unternehmensnachfolgen vor allem über finanzielle Instrumente wie Garantien für Bankkredite, z. B. im Rahmen der „aws-Garantie für junge Unternehmen“ nach einer Übernahme. Zusätzlich bietet aws Förder- und Finanzierungsberatung sowie Zugang zu zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen, die besonders bei Investitionen nach der Übergabe hilfreich sind.
Ein weiterer Anlaufpunkt ist KMU Digital, ein Förderprogramm von WKO und aws, das KMU bei der Digitalisierung unterstützt und sich besonders im Zuge einer Betriebsübergabe anbietet. Es fördert Beratungen und Umsetzungsprojekte (z. B. Prozesse, IT, E-Commerce) mit Zuschüssen, um die Wettbewerbsfähigkeit des übernommenen Unternehmens zu stärken.



