Eine Mehrheit europäischer Unternehmen setzt ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung auch dann fort, wenn sie durch das Omnibus-Vereinfachungspaket der Europäischen Union von verbindlichen Berichtspflichten ausgenommen wurde. Das geht aus der Studie „Beyond Compliance: Sustainability Reporting After the Omnibus“ hervor, die der Mannheimer Softwareanbieter Osapiens am dritten März 2026 veröffentlicht hat.

Im Zuge des Omnibus-I-Pakets wurde der Anwendungsbereich der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) neu definiert. Zahlreiche Unternehmen fallen seither nicht mehr unter die formale Berichtspflicht. Laut Studie beabsichtigen jedoch 90 Prozent jener Unternehmen, die nicht mehr unter die CSRD fallen, ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung beizubehalten oder sogar auszuweiten. 86 Prozent dieser Unternehmen zeigen sich weiterhin zuversichtlich, Berichte im Einklang mit den CSRD-Standards erstellen zu können.

Vom Pflichtprogramm zur Managementfunktion

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Nachhaltigkeitsberichterstattung in vielen Organisationen über eine reine Compliance-Aufgabe hinausgewachsen ist. 90 Prozent aller befragten Unternehmen geben an, dass Nachhaltigkeitsaspekte bereits teilweise oder vollständig in die Finanzberichterstattungsprozesse integriert sind.

Fast 90 Prozent (88,9 Prozent) rechnen damit, ihre Investitionen in Tools und Automatisierung in den kommenden zwölf Monaten zu erhöhen. Nachhaltigkeitsdaten fließen nach Angaben der Befragten unter anderem in die Betriebs- und Ressourcenplanung (52,8 Prozent), in Innovation und Prozessgestaltung (47,7 Prozent) sowie in Finanzplanung und Investitionsentscheidungen (38,1 Prozent) ein. Ebenso werden sie bei der Risikobewertung der Lieferkette (38,1 Prozent) berücksichtigt.

Als wichtigsten Nutzen nennen 49,2 Prozent der Unternehmen eine verbesserte Transparenz hinsichtlich Klima-, Lieferketten- und Betriebsrisiken. Jeweils 43,8 Prozent sehen Vorteile im gestärkten Vertrauen von Investoren durch überprüfbare Informationen sowie in der Erfüllung von Berichts- und Prüfungsanforderungen von Kunden und Partnern. 43,3 Prozent verweisen auf eine bessere Integration von Finanz- und Nachhaltigkeitsentscheidungen.

Strukturelle Spannungen trotz hoher Zustimmung

Gleichzeitig zeigt die Studie eine strukturelle Spannung auf. Zwar wollen 90 Prozent der befragten Unternehmen weiterhin berichten, jedoch erwarten 84,5 Prozent, dass eine reduzierte behördliche Kontrolle langfristig zu geringeren internen Ressourcen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung führen wird.

Als zentrale interne Hürden werden Budgetbeschränkungen (43 Prozent), fragmentierte Datensysteme (40,7 Prozent), mangelnde Technologie- und Systemintegration (31 Prozent) sowie unklare Zuständigkeiten (29,07 Prozent) genannt. Die Studie spricht in diesem Zusammenhang von einem „Nachhaltigkeitsparadoxon“: einer hohen strategischen Anerkennung des Werts der Berichterstattung bei gleichzeitig sinkender Ressourcenunterstützung.

Regulatorische Fragmentierung

Zugleich sehen sich Unternehmen mit einer zunehmenden regulatorischen Fragmentierung im freiwilligen Bereich konfrontiert. Genannt werden unter anderem Rahmenwerke wie die Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs (VSME), der Carbon Credit Framework (CCF), die Global Reporting Initiative (GRI) sowie die International Sustainability Standards Board (ISSB).

Andreas Rasche, Professor für Business in Society und Dekan an der Copenhagen Business School in Kopenhagen, ordnet die Ergebnisse wie folgt ein: „Die Ergebnisse zeigen eine klare Präferenz für die Kontinuität der Berichterstattung bei größeren Unternehmen, die im Rahmen des Omnibus-I-Pakets von der Berichtspflicht befreit wurden. Diese Entwicklung rückt freiwillige Berichterstattung und Strategien, die über die Compliance hinausgehen, fest in den Vordergrund der zukünftigen Nachhaltigkeitsagenda.“

Alberto Zamora, Mitbegründer und Co-CEO von Osapiens in Mannheim, erklärt: „In den letzten Jahren war die regulatorische Entwicklung weitgehend einseitig: mehr Anforderungen, mehr Unternehmen im Geltungsbereich. Das Omnibus-Paket hat diese Richtung geändert. Unsere Daten zeigen jedoch, dass Unternehmen nicht zurückweichen, wenn die Verpflichtung aufgehoben wird. Sie haben erkannt, dass die Berichterstattung nicht mehr nur eine Compliance-Maßnahme ist, sondern Teil ihres Verständnisses von Risiken, ihrer Kapitalallokation und ihres nachhaltigen Wachstums.“

Die Studienergebnisse legen nahe, dass Nachhaltigkeitsberichterstattung auch bei geringerem regulatorischem Druck eine zentrale Rolle für Risikomanagement, Finanzierung und Marktanforderungen spielt und damit zunehmend als Wettbewerbsfaktor wahrgenommen wird.