Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen bereits fixer Bestandteil des Arbeitsalltags. Laut dem Microsoft Work Trend Index nutzen rund 75 Prozent der Wissensarbeitenden entsprechende Tools. Diese Entwicklung steht laut Hogan Assessments für einen tiefgreifenden Wandel in der Art, wie Arbeit organisiert und erledigt wird.
Gleichzeitig wächst die Sorge, dass mit der zunehmenden Automatisierung auch die Eigenleistung der Beschäftigten zurückgeht. „Im besten Fall steigert KI das menschliche Potenzial. Schlimmstenfalls ersetzt sie es“, sagt Ryne Sherman, Chief Science Officer bei Hogan Assessments in den USA. Die zentrale Gefahr liege nicht nur in der Automatisierung selbst, sondern darin, dass Verantwortung zunehmend an Systeme abgegeben werde.
Kritisches Denken als Schlüsselkompetenz
Ein zentrales Risiko sieht das Unternehmen im Verlust kognitiver Fähigkeiten. Mitarbeitende könnten zwar produktiv erscheinen, tatsächlich aber weniger eigenständig analysieren und entscheiden. Diese Entwicklung trifft auf einen bestehenden Trend: Laut Weltwirtschaftsforum sehen 60 Prozent der Arbeitgeber weltweit kritisches Denken bereits heute als mangelnde Kernkompetenz.
Auch andere Studien deuten auf einen strukturellen Wandel hin. Drei Viertel der Beschäftigten geben laut Adecco an, dass KI ihre Arbeit bereits verändert hat oder künftig verändern wird. Betroffen sind sowohl konkrete Tätigkeiten als auch die Anforderungen an Qualifikationen.
Persönlichkeit beeinflusst Umgang mit KI
Wie stark Mitarbeitende KI nutzen, hängt laut Hogan Assessments auch von individuellen Persönlichkeitsmerkmalen ab. Faktoren wie geringe Wissbegierde, Unsicherheit im eigenen Urteilsvermögen oder eine ausgeprägte Orientierung an bestehenden Mustern könnten dazu führen, dass Beschäftigte stärker auf automatisierte Lösungen zurückgreifen.
„Für sich genommen sind diese Eigenschaften unproblematisch. Doch in Kombination – und verstärkt durch ständig verfügbare KI – können sie dazu führen, dass eher Automatisierung als eigenständige Erkenntnis im Vordergrund steht“, so Sherman.
Führungskräfte in der Schlüsselrolle
Vor diesem Hintergrund kommt Führungskräften eine zentrale Rolle zu. Sie entscheiden laut Hogan Assessments darüber, ob KI als unterstützendes Werkzeug eingesetzt wird oder sich eine Kultur der Abhängigkeit etabliert. Unternehmen, die kritisches Denken gezielt fördern, könnten diesem Trend entgegenwirken.
„Die KI sollte ein Copilot sein, nicht der Autopilot“, sagt Sherman. Führungskräfte müssten Rahmenbedingungen schaffen, in denen eigenständiges Denken, Neugier und auch Fehler möglich sind. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Geschwindigkeit über inhaltliche Qualität gestellt werde.
Die Diskussion über technologische Umbrüche ist nicht neu. Frühere Innovationen wie der Buchdruck oder das Internet hätten ebenfalls grundlegende Veränderungen ausgelöst. Entscheidend sei laut Hogan Assessments, dass Beschäftigte ihre Fähigkeiten weiterentwickeln und aktiv einsetzen.